Pentagon stuft Israel als Spionagebedrohung auf "kritischem" Niveau ein – und betrifft Verhandler mit Teheran

Das DIA hat die Geheimdienstbedrohung durch Israel zum ersten Mal auf die höchste Stufe angehoben. Unter Beobachtung stehen dieselben amerikanischen Beamten, die derzeit die Bedingungen des iranischen Atomabkommens festlegen.

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Die Spionageabwehr des Pentagon (DIA) veröffentlichte Mitte November 2025 stillschweigend ein internes Memorandum: Die Gegenspionage-Bedrohung durch Israel — den nächsten Verbündeten der USA im Nahen Osten — wurde auf das Niveau «kritisch» heraufgestuft. Dies ist die höchste Einstufung in der amerikanischen Klassifizierungsskala. NBC News war das erste Medium, das das Dokument unter Berufung auf drei aktuelle und ehemalige amerikanische Regierungsbeamte veröffentlichte.

Wer unter Beobachtung steht

Ein Detail, das die ursprünglichen Berichte fast übersehen haben: Es geht nicht um abstrakte «Überwachung von Beamten». Nach Angaben der New York Times stehen konkrete Ziele im Fokus — darunter Sondergesandter Steve Witkoff, der Verhandlungen mit dem Iran führt, Pentagon-Topbeamter Elbridge Colby für Politikfragen und hochrangiger Verteidigungsministeriumsbeamter Michael DiMino IV. Mit anderen Worten: Menschen, die gerade die amerikanische Position zum iranischen Atomabkommen prägen.

«Die DIA-Bewertung enthält ein siebenseitiges Dokument mit einer Liste konkreter Vorfälle und sogar Diagrammen»

NBC News, mit Berufung auf einen amerikanischen Regierungsbeamten

Nach Aussagen amerikanischer Beamter ging die Arbeit des israelischen Geheimdiensts über das hinaus, was unter Verbündeten als normale und erwartete Spionage gilt — obwohl sie keinen konkreten Vorfall nannten, der die Neubewertung auslöste.

Kontext: Vierzig Jahre Tradition und ein Treffen im Juli

Dies ist nicht das erste Mal, dass israelische Spionage die deutsch-israelischen Beziehungen belastet. 1985 übergab der amerikanische Marineanalyst Jonathan Pollard Israel Aktentaschen voll geheimer Dokumente — und verbrachte 30 Jahre im Gefängnis. Dieser Skandal zwang Israel, sich offiziell verpflichten zu lassen, keine Geheimdienstoperationen gegen die USA durchzuführen.

Aber im Juli 2025, während die DIA eine neue Bedrohungsbewertung vorbereitete, traf sich US-Botschafter in Israel Mike Huckabee heimlich mit Pollard in der amerikanischen Botschaft in Jerusalem — ohne Wissen der CIA und, nach Aussage des Weißen Hauses, ohne dessen Genehmigung. Die CIA war nach Angaben der NYT «besorgt»: Ein solches Treffen verstößt gegen die etablierte Norm, den Kontakt mit verurteilten Spionen zu vermeiden.

Was «kritisch» in der Praxis bedeutet

  • Amerikanische Beamte müssen verstärkte Sicherheitsmaßnahmen einhalten, wenn sie nach Israel reisen oder Kontakt mit israelischen Kollegen haben.
  • Der tägliche Austausch von Geheimdienstinformationen zwischen den beiden Ländern — vor allem zur iranischen Nuklearprogramm — läuft laut NBC-Quellen vorerst unverändert weiter.
  • Das Pentagon weigert sich, die Bewertung öffentlich zu kommentieren.

Die israelische Seite reagiert standardmäßig: Die Botschaft in Washington nennt die Vorwürfe «völlig falsch» und behauptet, dass «Israel keine Geheimdienstinformationen über amerikanische Organisationen sammelt, geschweige denn über amerikanische Regierungsbeamte». Das Weiße Haus gab eine separate Gegenstellung ab: Die Pressesprecherin des Pentagon weder bestätigte noch dementierte spezifische Details.

Bezeichnend ist, dass amerikanische Gegenspionagebeamte seit langem Israel unter den aktivsten ausländischen Geheimdiensten auf amerikanischem Territorium einordnen — neben Frankreich, China und Russland — aber öffentlich nicht darüber sprechen. Die Erhöhung des Bedrohungsniveaus auf «kritisch» ist ein Schritt, der über die routinemäßige Überprüfung hinausgeht.

Wo diese Situation brechen könnte

Die Schlüsselvariable sind die iranischen Verhandlungen. Wenn Washington ein Abkommen mit Teheran unter Bedingungen unterzeichnet, die Netanjahu für inakzeptabel hält, wird der Anreiz für den israelischen Geheimdienst, Informationen über amerikanische Absichten zu sammeln, nur wachsen. Die Frage ist nicht, ob es den nächsten Skandal geben wird, sondern ob er vor oder nach der Unterzeichnung eines Abkommens eintritt.

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