Am 28. Juli um 14:00 Uhr Washington-Zeit findet im Nationaldom eine Trauerfeier für Senator Lindsey Graham statt. Unter den Geladenen ist Wolodymyr Selenskyj. Nach Angaben des DW-Korrespondenten Michail Komadowski unter Berufung auf zwei Quellen in der Trump-Administration wird parallel ein bilaterales Treffen der beiden Präsidenten vorbereitet, dessen Format noch abgestimmt wird.
Ein Vermittler, der nicht mehr da ist
Graham besuchte die Ukraine zehn Mal während der Vollstreckinvasion. Zuletzt traf er sich einen Tag vor seinem Tod — am 10. Juli in Kiew — mit Selenskyj. Nach Aussagen amerikanischer Beamter, die PBS News zitiert, war der Senator der wichtigste inoffizielle Kanal zwischen der Bankowaja und dem Weißen Haus in einer Zeit, in der die Beziehungen Selenskyjs zu Trump nach einem Skandal im Oval Office im Februar angespannt blieben.
«Für die Ukraine war er nicht nur ein Verbündeter, sondern ein vertrauter Vermittler bei Trump».
— PBS News, mit Bezug auf ukrainische und amerikanische Beamte
Grahams Tod durch eine Aortendissektion beraubte Kiew eines praktischen Puffers. Nun muss Selenskyj direkt mit Trump sprechen — ohne Absicherung.
Was bei diesem Treffen auf dem Spiel steht
Nach Angaben des Suspilne unter Berufung auf diplomatische Quellen ist das Treffen mit Trump bestätigt. Kyiv Post, das zuerst über einen möglichen Besuch berichtete, vermerkt: Noch vor wenigen Tagen ging es nur um «Optionsbetrachtung» — nun haben die Pläne konkrete Formen angenommen.
- Friedensprozess: Verhandlungen in Istanbul haben sich in ein dreigliedriges Format mit US-Beteiligung umgewandelt, aber ohne öffentliche Fortschritte.
- Waffen: Diskussionen über Patriot-Lieferungen und eine gemeinsame Drohnenvereinbarung signalisieren eine teilweise Entspannung.
- Mineralien: Die nach dem Februar-Konflikt unterzeichnete Vereinbarung über kritische Rohstoffe bleibt rahmengesteckt — Umsetzungsmechanismen sind noch nicht geklärt.
Warum gerade jetzt — und wem nützt das
Trump erhält die Beerdigung eines republikanischen Senators als neutralen Grund für ein Treffen, das nicht als Zugeständnis an die Ukraine dargestellt werden muss. Selenskyj erhält direkten Zugang zum US-Präsidenten ohne Vermittler — erstmals seit Monaten, als Graham diese Funktion faktisch ausübte. Das diplomatische Fenster öffnete sich durch einen Tod, nicht durch einen Durchbruch an der Front oder bei Verhandlungen.
Keine der beiden Seiten hat das Treffen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung offiziell bestätigt.
Falls Selenskyj und Trump sich am 28. Juli tatsächlich treffen — es wäre ihr erstes Gespräch, nachdem Trumps Aussage nach der Friedensplan «zu 90% vereinbart» ist. Die Frage ist, ob sich dieses Treffen zum ersten echten Test dessen entwickelt, was in den restlichen 10% steckt — oder nur ein weiteres Foto vor Flaggen bleibt.