Polizisten flohen aus dem Schusswechsel — jetzt trainiert das System alle nach Armeemethoden bis Ende 2026

Nach dem Vorfall, bei dem zwei Polizisten Zivilisten während eines Terroranschlags im Holossijiwski-Bezirk von Kiew im Stich gelassen hatten, startete das Innenministerium obligatorische taktische Trainingsübungen auf Truppenübungsplätzen. Die Ausbilder sind Veteranen von Kampfeinsätzen, die Dauer beträgt ein Jahr – die Frage bleibt, ob das ausreicht.

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Патрульні проходять навчання на полігонах (Фото: МВС)

Am 18. April eröffnete ein 58-jähriger Mann im Bezirk Holossijiw in Kiew das Feuer auf seine Nachbarn — sechs Tote, acht Verletzte, darunter ein Kind. Zwei Streifenpolizisten, die als erste am Ort eintrafen, drehten um und fuhren weg. Der Leiter des Innenministeriums Igor Klimenko nannte dies eine „Schande für das gesamte System". Der Leiter der Abteilung für Streifenpolizei Jewhen Schukov reichte am selben Tag seinen Rücktritt ein.

Aber ein Rücktritt ist eine Reaktion auf einen Skandal. Die Frage, die bleibt: Was ändert sich systemisch?

Rotation statt einmalige Schulung

Der erste stellvertretende Leiter der Abteilung für Streifenpolizei Alexei Biloshyzkyj erklärte LIGA.net die Logik des neuen Schulungsprogramms:

„Wir müssen eine äußerst wichtige Sache verstehen: Wir können nicht alle Streifenpolizisten auf einmal von der Linie abnehmen und zum Trainingsgelände schicken. Die Schulungsübungen auf den Trainingsgeländen werden stufenweise von allen Personalbeständen nach dem Rotationsprinzip durchgeführt".

Alexei Biloshyzkyj, erster stellvertretender Leiter der Abteilung für Streifenpolizei

Nach Angaben von Biloshyzkyj wird erwartet, dass bis Ende 2026 alle Streifenpolizisten des Landes systemisch geschult werden. Die ersten 200 Polizisten sind bereits auf den Trainingsgeländen — dies bestätigte auch das Innenministerium.

Was genau trainiert wird

Das Programm umfasst vier Richtungen:

  • Schießausbildung — Schießen unter realitätsnahen Bedingungen
  • Taktik — Szenarien zur Beseitigung eines Angreifers an öffentlichen Orten, Evakuierung von Zivilisten, Arbeit in geschlossenen Räumen
  • Taktische Medizin — Versorgung von Verletzten unmittelbar am Ort des Vorfalls
  • Psychologische Widerstandsfähigkeit — Trainieren von Maßnahmen unter dem Lärm von Explosionen und Schüssen, Kontrolle der Angst in kritischen Situationen

Nach Mitteilung des Innenministeriums sind die Ausbilder Militärangehörige des 1. und 2. Armeekorps der Nationalgarde — Menschen mit echtem Frontkampferfahrung. Dies ist ein grundlegender Unterschied zu früheren Formaten der internen Fachschulung.

Das Problem, das Trainingsgelände nicht lösen

Forensiker und pensionierte Offiziere, die nach dem Vorfall befragt wurden, wiesen darauf hin: Die Flucht der Streifenpolizisten ist nicht nur ein Mangel an Fähigkeiten, sondern auch eine fehlende Kultur der Verantwortung. Das Training auf dem Hindernisparcours bildet einen Aktionsreflex. Aber der Reflex zu bleiben — das ist etwas anderes: Er hängt davon ab, wie das System auf Feigheit reagiert und wie es in Friedenszeiten Mut belohnt.

Bislang gibt es keinen öffentlichen Mechanismus zur Bewertung des neuen Programms: weder Kriterien für die Einsatzbereitschaft einer Einheit noch Berichterstattung über die Ergebnisse der Rotationen.

Wenn das Innenministerium bis Ende 2026 keine messbaren Ergebnisse vorweist — die Anzahl der Einheiten, die einen vollständigen Zyklus durchlaufen haben, und die Statistik der Vorfälle nach der Schulung — risikiert das Programm, eine Reaktion auf einen Skandal zu bleiben und keine echte Reform der Ausbildung zu sein.

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