SBU-Drohnen im Schwarzen Meer: 136 Tanker in 10 Tagen und neue Phase der Operation gegen Russlands Schattenflotte

Die Drohnenstreitkräfte haben ihre Operationen von der Ostsee auf das Schwarze Meer ausgeweitet. Innerhalb von zehn Tagen wurden 136 Schiffe der Schattenflotte — des logistischen Rückgrats des russischen Ölexports — beschädigt.

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Роберт (Мадяр) Бровді (Фото: t.me / robert_magyar)

In dieser Nacht hat die Operation der ukrainischen Drohnensysteme (SBS) die Ostsee verlassen und sich auf das Schwarze Meer ausgeweitet. Weitere 20 Tanker aus Russlands Schattenflotte wurden angegriffen – dies ist Teil einer größeren Kampagne, die in 10 Tagen bereits 136 Schiffe zerstört hat.

Was geschieht

Die Schattenflotte ist eine Flotte von mehreren hundert Tankern, die die RF zum Umgehen westlicher Sanktionen gegen den Ölexport nutzt. Die Schiffe fahren unter Flaggen dritter Länder, sind durch undurchschaubare Systeme versichert und transportieren physisch russisches Geld von Ölfeldern zum Kriegshaushalt. Ohne diese logistische Lieferkette wäre der Sanktionsdruck des Westens deutlich wirksamer – aber genau deshalb hat er bisher weniger Ergebnisse gebracht als erwartet.

Die SBS greifen diese Lieferkette direkt an. Nach Angaben des ukrainischen Kommandos begann die Operation in der Ostsee und hat in 10 Tagen 136 Flotteneinheiten zerstört. Die Ausweitung auf das Schwarze Meer ist ein logischer nächster Schritt: Durch dieses verläuft ein großer Teil des Öls aus Noworossijsk.

Warum die Krim ein Engpass ist

Die Schwarzmeerroute ist kritisch abhängig von der Straße von Kertsch. Schiffe, die von Noworossijsk zu internationalen Märkten fahren, müssen physisch an der Küste der Krim vorbeifahren. Dies macht die Route anfällig – und deshalb charakterisiert die ukrainische Seite die Krim als Punkt, durch den man systematischen Druck auf Russlands Öllogistik ausüben kann.

«Moskau wird wegen der Krim zu Fall kommen» – diese These ist im ukrainischen Militärdiskurs nicht neu, aber jetzt erhält sie konkrete operative Bedeutung: nicht nur die Blockade der Kertsch-Brücke oder Militärversorgung, sondern auch Schläge gegen den kommerziellen Verkehr, der den Krieg finanziert.

Das eigentliche Konfliktpotenzial der Operation

Hier gibt es eine grundsätzliche Frage, die noch offenbleibt. Anschläge auf Tanker in neutralen oder fremden Gewässern sind eine rechtlich und diplomatisch komplexe Zone. Einige Schiffe der Schattenflotte sind formal nicht in russischem Besitz: Sie sind auf Strohmänner in den VAE, der Türkei und Ghana registriert. Ein Angriff auf solch ein Schiff ist möglicherweise ein Zwischenfall mit einem dritten Land, nicht mit Russland.

Wie die Ukraine einen rechtlichen Rahmen für diese Operationen aufbaut und ob es öffentlich festgehaltene Kriterien für die Zielauswahl gibt – ist bislang nicht bekannt. Dies macht die Operation nicht illegitim, bedeutet aber, dass Antworten auf diese Fragen für die langfristige Unterstützung der Kampagne durch Partner wichtig sind.

Umfang und Grenzen

136 Schiffe in 10 Tagen – das ist eine bedeutende Zahl, wenn sie unabhängig bestätigt wird. Zum Vergleich: Nach Schätzungen von Kpler und Windward umfasst Russlands Schattenflotte zwischen 400 und 600 aktive Tanker. Das bedeutet, die Operation hat bereits ein Viertel oder mehr der Gesamtzahl berührt – wenn man nur aktive Schiffe zählt und wenn die SBS-Daten korrekt sind.

Die Verifizierung ist bislang teilweise. Satellitenaufnahmen und Hafendaten können den Umfang in den kommenden Wochen bestätigen oder widerlegen – je nachdem, wie beschädigte Schiffe in den Zielhäfen ankommen (oder nicht ankommen).

Falls die Kampagne den Durchsatz des schwarzmeerischen Ölkorridors wirklich einschränkt – wie schnell wird sich das auf Russlands Einnahmen auswirken, und wird der Westen Zeit haben, während das Fenster offensteht, den Sanktionsdruck zu verstärken, bevor die Flotte ihre Routen umgestaltet?

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