Trump erlaubte russischem Tanker, die Blockade Kubas zu durchbrechen: Was steckt dahinter?

Die USA hielten jahrelang eine Energieblockade der Insel — und machten schweigend Platz für „Anatolij Kolodkin“. Warum gerade jetzt und was das für die Sanktionspolitik Washingtons bedeutet.

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Танкер РФ "Анатолій Колодкін" (Фото: Vesselfinder)

Der Kubaner Carlos Medina ist an Stromausfälle von acht Stunden pro Tag gewöhnt. Für ihn bedeutet die Ankunft eines einzigen Tankers den Unterschied zwischen einem geladenen Telefon und Dunkelheit bis zum Morgen. Für Washington ist es eine Entscheidung, die die Logik seiner eigenen Sanktionsarchitektur zerstört.

Voraussichtlich am 31. März wird der russische Öltanker «Anatolij Kolodkin» auf Kuba eintreffen, der aus dem Hafen Ust-Luga ausgelaufen ist. Nach Angaben der Schiffsverfolgungsdienste VesselFinder und MarineTraffic befindet sich das Schiff bereits in der Karibik unmittelbar vor der Insel. Die US-Küstenwache hätte das Schiff abfangen können — tat es aber nicht. Ein informierter US-Beamter bestätigte dies der Zeitung The New York Times.

Donald Trump bestätigte die Entscheidung persönlich im Gespräch mit Journalisten: «Wir haben nichts dagegen, wenn jemand eine Ladung Öl bekommt». Kurz, ohne Details und ohne Erklärung, warum ein Prinzip, das jahrelang gegolten hatte, plötzlich nicht mehr gilt.

Die Energieblockade Kubas war eines der wenigen Druckmittel, das spürbare Wirkung zeigte. Nachdem die USA die Beschränkungen für die Lieferung von Ölprodukten verschärft hatten, versank die Insel in systematischen Blackouts — die Abschaltungen dauerten stundenlang, Krankenhäuser wurden stillgelegt, die Infrastruktur fiel aus. Das Regime in Havanna geriet unter realen Druck und nicht nur unter diplomatischen Erklärungen.

Jetzt ist Moskau de facto zum Retter der kubanischen Energieversorgung geworden — und hat dies mit dem stillschweigenden Einverständnis Washingtons getan. Keine öffentliche Vereinbarung, kein bekanntgegebenes Entgegenkommen. Einfach passierte der Tanker, und die US-Boote rückten zur Seite.

Das ist nicht das erste Signal für die Verwischung von Sanktionsgrenzen unter der aktuellen Administration, aber eines der deutlichsten: eine Beschränkung, die Havanna reale wirtschaftliche Verluste gekostet hatte, wurde einseitig aufgehoben — ohne öffentliche Begründung und ohne erkennbare Zugeständnisse seitens Kubas oder Russlands.

Wenn Washington bereit ist, den Sanktionsdruck ohne Bedingungen und öffentliche Erklärung zu lockern — welche Beschränkungen sind dann überhaupt noch unumkehrbar?

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