Große Kammer unter Durchsuchung: NABU erweitert Verfahren gegen Knjasew auf vier Richter des Obersten Gerichtshofs

Am 19. Mai führten das Nationale Büro für Korruptionsbekämpfung (NABU) und die Staatsanwaltschaft für Besondere Ermittlungen (SAP) Durchsuchungen am Obersten Gerichtshof durch und stellten drei amtierenden und einem pensionierten Richter neue Vorwürfe. Nach Aussage der Ermittlungen sollen alle vier als Mitglieder des Großen Senats Bestechungsgelder für Entscheidungen zugunsten von Konstantin Shewago angenommen haben.

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Всеволод Князєв (Фото: Facebook ексголови Верховного суду)

Am 19. Mai führten Ermittler des NABU zusammen mit der Generalstaatsanwaltschaft Durchsuchungen an den Arbeitsplätzen, Wohnungen und in Fahrzeugen einer Reihe von aktiven und ehemaligen Richtern des Obersten Gerichtshofs durch – insbesondere bei dem ehemaligen Vorsitzenden der Institution, dessen Fall vor dem WAKS verhandelt wird. Details der Mitteilung deuten auf Wsewolod Knjasew hin.

Gleichzeitig reichten die Antikorruptionsbehörden neue Verdächtigungen gegen vier Richter ein: drei sind noch im Amt, einer im Ruhestand. Dies ist die erste öffentliche Ausweitung des Kreises der Beschuldigten seit 2023.

Schema: Wie nach Ansicht der Ermittlungen eine Entscheidung gekauft wurde

Nach Materialien des NABU betrifft die Angelegenheit März–April 2023. Der Geschäftsmann Konstantin Shevago, Eigentümer der Gruppe „Finanzen und Kredit", übermittelte über einen Vermittler 2,7 Millionen Dollar an einen Anwalt, der zu dem sogenannten „Back-Office" des Obersten Gerichtshofs gehörte, um die Anteile des Unternehmens zu erhalten. Das Geld sollte nach Ansicht der Ermittlungen an den Gerichtsvorsitzenden und Richter der Großen Kammer fließen, um gegen eine erforderliche gerichtliche Entscheidung einzutauschen.

„Mit Hilfe eines verdeckten Ermittlers wurden Kontakte des Eigentümers der Gruppe ‚Finanzen und Kredit' bezüglich der Übermittlung einer unzulässigen Gegenleistung für die Annahme einer gewünschten Gerichtsentscheidung dokumentiert"

NABU-Direktor Semjon Krivonos

Am 15. Mai 2023 wurde Knjasew „auf frischer Tat" bei der Entgegennahme der zweiten Tranche festgenommen – 450.000 Dollar. Die Gesamtsumme des Verdachts beläuft sich auf 2,7 Millionen Dollar – die größte Bestechung in der Geschichte der ukrainischen Rechtsprechung.

Warum ausgerechnet die Große Kammer

Die neuen Verdächtigen sind Richter der Großen Kammer des Obersten Gerichtshofs. Dies ist ein enger Körper mit ausschließlichen Befugnissen: Er behandelt die komplexesten und außergewöhnlichsten Rechtsstreitigkeiten, und seine Entscheidungen sind endgültig und für alle Gerichte bindend. Aus diesem Grund wurde der Preis einer „richtigen" Entscheidung nach der Logik der Ermittlungen in Millionen Dollar gemessen.

Chronologie des Falls

  • Mai 2023 – Verhaftung Knjasews, Verdacht gegen den Gerichtsvorsitzenden und den Anwalt.
  • August 2023 – Verdacht gegen Konstantin Shevago ausgesprochen. Die Pressestelle des Geschäftsmanns bestritt seine Beteiligung.
  • Januar 2024 – Knjasew wurde aus der Untersuchungshaft gegen eine Kaution von 18,16 Millionen Griwna entlassen.
  • Oktober 2025 – Das WAKS erteilte die Genehmigung für ein spezielles Vorermittlungsverfahren gegen Shevago.
  • Dezember 2024 – Der Oberste Gerichtshof entzog Knjasew endgültig den Status eines Richters.
  • Mai 2026 – Die Anklage gegen den Vermittler Shevago wurde dem Gericht vorgelegt; neue Verdächtigungen gegen vier Richter.

Verdacht ist nicht Verurteilung

Alle an der Angelegenheit beteiligten Personen sind verdächtig oder beschuldigt – kein Gerichtsurteil ist bisher rechtskräftig geworden. Der Anwalt Shevacos hat von Anfang an die Beteiligung seines Mandanten an der Bestechung bestritten. Die Namen der vier neuen verdächtigen Richter wurden vom NABU noch nicht bekannt gegeben.

Sollte das WAKS die Schuld der aktiven Richter der Großen Kammer nachweisen – stellt sich die praktische Frage: Welche Entscheidungen, die von dieser Zusammensetzung getroffen wurden, unterliegen einer Überprüfung, und verfügt das System über einen Mechanismus dafür?

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