Versailles statt Druck: Wie Macron mit Trump um die Zukunft der EU auf dem G7-Gipfel verhandelt

Frankreich verschob die Daten des Gipfels, um UFC-Kämpfern im Weißen Haus nicht in die Quere zu kommen, und lädt Trump nun zu einem privaten Dinner in Versailles ein – während die EU auf Zölle von 30% wartet, die ab August den transatlantischen Handel auf ein Minimum kürzen könnten.

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Президенти Франції та США (Фото: Yoan Valat / EPA)

Das Datum des G7-Gipfels in Évian-les-Bains wurde bereits einmal geändert — vom 14.–16. auf den 15.–17. Juni. Der Grund ist prosaisch: Trump organisiert einen UFC-Kampf im Weißen Haus zu seinem 80. Geburtstag am 14. Juni, und Paris beschloss, nicht zu konkurrieren. Jetzt, so Reuters, ist Macron noch weiter gegangen — er hat den amerikanischen Präsidenten zu einem privaten Abendessen im Schloss Versailles am Tag nach dem Gipfel, dem 18. Juni, eingeladen, und das ohne die anderen G7-Führungspersonen.

Diplomatie durch Symbolik

Die Einladung sollte nach Angaben von zwei Reuters-Quellen die gemeinsame französisch-amerikanische Geschichte betonen, im Vorfeld des 250. Jahrestags der USA am 4. Juli. Versailles ist der Ort, an dem 1783 der Friedensvertrag unterzeichnet wurde, der Amerikas Unabhängigkeit von Großbritannien besiegelte. Das Symbol wurde nicht zufällig gewählt.

«Macron möchte sehr, dass Trump fährt, fleht ihn an zu fahren»

— hochrangiger Beamter des Weißen Hauses, zitiert von Reuters

Aber derselbe Beamte fügte hinzu: Trump hat noch nicht entschieden, ob er überhaupt am G7-Gipfel selbst teilnehmen wird — ganz zu schweigen von Versailles.

Was hinter dem symbolischen Abendessen steckt

Die diplomatische Werbung findet vor dem Hintergrund echter Zahlen statt. Im Juli kündigte Trump an, ab dem 1. August 30-prozentige Zölle auf europäische Waren einzuführen — höher als die ursprünglichen 20% und die vorübergehende Pause von 10%. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič nannte diese Rate «absolut inakzeptabel»: «Dies ist ein Niveau, das praktisch jeden Handel verbietet».

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte daraufhin die Vorbereitung «verhältnismäßiger Gegenmaßnahmen» gegen amerikanische Waren im Wert von bis zu 93 Milliarden Euro an — falls keine Einigung bis Ende August erzielt wird.

Was das normale Menschen kostet

Die EZB senkte im Juni bereits zum siebten Mal in Folge die Leitzinsen — auf 2,0% — und nannte die Handelsunsicherheit direkt einen Schlüsselfaktor. Die Wachstumsprognose der Eurozone wurde nach unten revidiert: 0,9% im Jahr 2025 statt der früher erwarteten 1,1%. Nach Schätzungen von Ökonomen des Brügel-Instituts würde ein Szenario ohne Einigung zu einer Reduktion des EU-BIP um 0,3 Prozentpunkte führen — Deutschland steht bei minus 0,4%. Zum Vergleich: Covid kostete Europa 5,6% des BIP, die Energiekrise nach der russischen Invasion — 2,4%. Der Handelskrieg sieht bisher weniger zerstörerisch aus, aber nur unter der Bedingung, dass er nicht zu einem vollständigen Krieg wird.

Auf einem Mini-Gipfel der Handelsminister der G7 in Paris gab der amerikanische Handelsvertreter Jamieson Greer bereits ein Signal über den Ansatz Washingtons: «Die USA betrachten Handelspolitik in erster Linie als innenpolitisch». Mit anderen Worten: Es ist kein multilateraler Kompromiss im Rahmen der G7 zu erwarten — nur bilaterale Abkommen, wie es bereits mit Großbritannien geschehen ist.

Macrons Einsatz

Die französische Strategie basiert darauf, dass persönlicher Kontakt mit Trump mehr zählt als institutionelle Mechanismen. Versailles ist keine Diplomatie, sondern Aufmerksamkeitsmanagement: dafür sorgen, dass der US-Präsident anreist, die Pracht erlebt und in einer der Verhandlungen über Zölle und Sicherheit günstigen Stimmung bleibt. Die bisherige Erfahrung — Trumps Einladung zur Pariser Militärparade 2017 — funktionierte damals.

Wenn Trump doch nicht nach Évian kommt, wird der Gipfel zu einem Forum der sieben Länder ohne den einflussreichsten Teilnehmer — und Macron findet sich in einer Situation wieder, in der die Wette auf persönliche Diplomatie gegen die Wette auf Ignorieren verloren hat. Die Frage ist, ob die EU bis zum 1. August ein bilaterales Abkommen mit den USA unterzeichnet — oder ob das nächste Mal bereits mit 30% Zöllen als neuer Norm verhandelt werden muss.

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