Produktion von bis zu 1.000 Abfängern pro Tag: Wenn die Technik den Menschen überholt – neuer Engpass in der Verteidigung

Die Aussage des Präsidenten über eine tägliche Produktion von bis zu 1000 Abfangsystemen unterstreicht: Der Bestand an Ausrüstung wächst, doch es fehlt an Bedienpersonal und mobilen Teams. Warum das jetzt wichtig ist und was das für die Sicherheit des Landes bedeutet.

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Das Wichtigste

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass die Ukraine bis zu 1000 Abfangdrohnen pro Tag herstellen könne, derzeit jedoch Operatoren und entsprechende mobile Einsatzgruppen fehlen. Das eröffnet einen neuen Engpass: das technische Potenzial wächst schneller als die personellen und organisatorischen Ressourcen, die es nutzen.

Was der Präsident sagte

„Was die ‚Koalition der Willigen‘ betrifft, wird sie erst nach Kriegsende, erst nach einem Waffenstillstand als Sicherheitsgarant fungieren. Solange uns also ‚Shaheds‘ treffen und der Krieg nicht beendet ist, können wir nicht auf ihre Hilfe zählen. Nur im Rahmen unserer bilateralen Partnerschaftsverträge.“

— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

„Sie wollen jetzt bis zu 1000. Mal sehen. Ich sehe bislang im Durchschnitt 350 – das sind ihre Möglichkeiten.“

— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

„Aber das reicht nicht. Unsere Abfangdrohnen haben die Zahl unserer Operatoren bereits überholt. Deshalb müssen wir jetzt die Anzahl der Abfanggruppen, also der entsprechenden mobilen Einsatzgruppen, aufholen.“

— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Zahlen und Kontext

Nach Angaben des Präsidenten strebte Russland an, auf einen Wert von etwa 1000 Angriffs-UAVs („Shaheds“) pro Tag zu kommen, doch die derzeitige durchschnittliche Tagesintensität liegt bei rund 350 Einheiten (zuvor 200–250). Eine wichtige technische Rechnung: Auf eine angreifende Drohne sollten mindestens zwei Abfangdrohnen kommen. Das bedeutet, im Falle von 1000 Angriffen müssten täglich etwa 2000 Abfangdrohnen eingesetzt werden — deutlich mehr, als heute sowohl an Technik als auch an Operatoren und mobilen Einsatzgruppen verfügbar ist.

Auswirkungen an der Front

Eine fragmentierte, leistungsfähige Produktionslinie ist ein Vorteil, bleibt aber ohne ein proportionales Wachstum an Personal und Logistik nur begrenzt wirksam. Es braucht nicht nur Maschinen auf dem Fließband, sondern schnelle, gut ausgebildete Einheiten, die Abfangdrohnen aufstellen, sie koordinieren und unter Feldbedingungen technischen Support leisten können.

Was Experten sagen

Analysten von Defense Express weisen darauf hin, dass die Intensivierung der Angriffe (Zunahme der Zahl der Drohnen und des Personals, das sie betreut) schrittweise erfolgt: technologisches Anwachsen geht einher mit der Aufstockung personeller Ressourcen. Zudem deuteten offizielle Meldungen im Dezember und Januar auf eine Zunahme des Drohnenpersonals bei den Russen und auf Pläne hin, solche Einheiten im Jahr 2026 deutlich auszubauen.

Was als Nächstes zu tun ist

Kurze Liste der Prioritäten, die sich aus der aktuellen Lage ergeben:

  • Die Ausbildung von Operatoren und die Bildung mobiler Gruppen beschleunigen — Training durch Praxis und Simulatoren kann den Zeitaufwand verkürzen.
  • In die Automatisierung von Steuerung und Erkennung investieren — damit jeder Operator effizienter mehr Plattformen überwachen und kontrollieren kann.
  • Finanzierung und Nachschub mit Partnern koordinieren — Selenskyj hat die Rolle bilateraler Abkommen unter den aktuellen Bedingungen betont.
  • Logistik nicht nur für die Produktion, sondern auch für den Einsatz planen — Lager, Transport, technische Wartung in der Kampfzone.

Vor diesem Hintergrund ist der technische Vorsprung der Ukraine eine reale Ressource, doch seine Wirksamkeit hängt von den Menschen und den Systemen ihrer Unterstützung ab. Ob es gelingt, nicht nur die Zahl der Abfangdrohnen, sondern auch die der ausgebildeten, eingespielten Kräfte, die sie einsetzen, zu erhöhen — das wird die Belastbarkeit der Luftverteidigung in den kommenden Monaten bestimmen.

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