Am 28. Juli wird Selenskyj nach Washington fliegen und hat zwei Punkte auf seinem Programm: sich von Senator Lindsey Graham verabschieden und sich im Weißen Haus mit Trump treffen. Das Datum ist kein Zufall — und nicht nur wegen der Trauerzeremonie.
Kontext: Nach Manila ist die Diplomatie zum Erliegen gekommen
Am 23. Juli führte Außenminister Marco Rubio in Manila ein 35-minütiges Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Nach Aussage von Rubio selbst waren die Verhandlungen „offen und ehrlich", es gab aber keinen Durchbruch — weder bei einer Waffenstillstandsformel noch bei Sicherheitsgarantien. Der Kremlin-Vertreter Dmitri Peskow spielte im Vorfeld die Erwartungen herunter.
„Das wird nicht auf einer Pressekonferenz passieren. Das wird nicht bei einem einzigen Treffen auf den Philippinen passieren."
— US-Außenminister Marco Rubio nach Verhandlungen mit Lawrow
Genau in diesem Vakuum entsteht nun das Washingtoner Treffen. Am 22. Juli sprach Selenskyj mit Trumps Spezialgesandten Steve Witkoff und Jared Kushner — die Seiten diskutierten nach Angaben von Axios darüber, wie man „die diplomatischen Bemühungen erneuern" könne. Zwei Tage später bestätigte das Weiße Haus das Treffen gegenüber Reuters.
Graham als Grund und als Symbol
Senator Lindsey Graham — Republikaner aus South Carolina — besuchte die Ukraine nach der vollständigen Invasion zehnmal. Am 10. Juli war er in Kyjiw, wo er sich mit Selenskyj traf und ihm die Unterstützung des Kongresses zusicherte. Am nächsten Tag starb Graham — Aortendissektion, 71 Jahre alt. Nun fliegt Selenskyj zu seiner Beerdigung.
Für Selenskyj ist die Teilnahme an der Trauerzeremonie nicht nur eine Geste der Dankbarkeit. Graham war einer der wenigen Republikaner, der Trump öffentlich zur Unterstützung der Ukraine drängte. Sein Tod schwächt die pro-ukrainische Lobby im Senat, und das Treffen mit Trump am selben Tag erhält zusätzliches symbolisches Gewicht.
Was auf dem Spiel steht
Das Weiße Haus kündigte keine konkrete Agenda an. Der Kontext zeigt sie aber ziemlich deutlich:
- Formel zur Beendigung des Krieges. Rubio gab zu, dass das zentrale Problem darin besteht, Bedingungen zu finden, die Kyjiw akzeptiert und Moskau nicht ablehnt. Selenskyj sagte früher, dass ein trilaterales Treffen „bis zum Herbst" stattfinden sollte.
- Waffen und Sanktionen. Moskau forderte Washington auf, Lieferungen über NATO-Mechanismen zu stoppen — Rubio lehnte öffentlich ab, der Druck dauert aber an.
- Mineralienabkommen. Nach dem skandalösen Zusammenbruch im Februar im Oval Office verschwand das Thema nicht: Washington erwägt weiterhin wirtschaftliche Partnerschaft als Teil der Friedensschutz-Architektur.
Nach Aussage Selenskyjs hätte sich das trilaterale Treffen bereits im Juli abgespielt, wenn es von der Ukraine abhinge. Nun besteht die Chance, zumindest ihre Vorbereitung zu beschleunigen.
Sollte das Weiße Haus nach dem 28. Juli keinen konkreten Verhandlungsmechanismus ankündigen — keine neue Runde oder neue Bedingungen für Moskau — wird das Treffen ein weiterer „produktiver Dialog" ohne Folgen bleiben: genau so beschrieb Washington Manila.