Dopamin, Blutgefäße und die Grenze der Vernunft: Was das Kontrastbad wirklich mit dem Körper macht

Ein Wechselbad trainiert den Gefäßtonus und führt zu einem Dopaminausstoß — doch für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck ist dies keine Abhärtung, sondern ein Risiko. Ein Arzt des Gesundheitsministeriums hat den Mechanismus auseinander genommen.

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Millionen von Menschen schalten morgens das Wasser von heiß auf kalt um — manche „für Frische", manche auf Rat von TikTok, manche weil das schon der Großvater gemacht hat. Aber was genau passiert eigentlich im Körper während dieses Stresses und wo verläuft die Grenze zwischen Nutzen und Schaden? Otto Stoyika, Kandidat der Medizinwissenschaften, Arzt des Kiewer Stadtzentrums für Krankheitskontrolle und -prävention des Gesundheitsministeriums der Ukraine und Experte für öffentliche Gesundheit, hat den Mechanismus für UNN erklärt.

Was passiert im Körper

Die Hauptwirkung der Kontrastdusche ist die Reaktion der Blutgefäße und des Nervensystems auf die plötzliche Temperaturveränderung. Kaltes Wasser zwingt die Blutgefäße sich zusammenzuziehen, heißes — sie zu erweitern. Dies ist eine Art Krafttraining für die Gefäßwand: sie wird elastischer und reagiert besser auf Temperaturschwankungen und körperliche Belastung.

Parallel dazu wird das Nervensystem aktiviert. Nach Stoyikas Aussage verbirgt sich hier genau der „Dopamin-Effekt", über den man in sozialen Medien so gerne spricht. Kältestress stimuliert tatsächlich die Freisetzung von Dopamin — einem Neurotransmitter, der mit Motivation und Lustempfinden verbunden ist. Studien zur Kälteimmersion bei einer Temperatur von 14°C verzeichneten einen Anstieg des Dopaminspiegels im Blutplasma um 250% — und dieser Effekt hält länger an als bei den meisten anderen Stimulanzien.

Gleichzeitig warnt Stoyika vor übertriebenen Erwartungen bezüglich der Immunität:

«Die Immunität ist ein sehr komplexes System, das nach seinen eigenen Mechanismen funktioniert. Man kann nicht sagen, dass die Kontrastdusche direkt die Immunität erhöht. Aber sie trainiert die Anpassungsmechanismen des Körpers, hilft Belastungen und Umweltveränderungen besser zu ertragen».

Otto Stoyika, Experte für öffentliche Gesundheit des Gesundheitsministeriums der Ukraine

Wem — Stopp

Die Begeisterung für die Kontrastdusche verdeckt oft echte Risiken. Gegenanzeigen sind nicht Vorsichtsmaßnahmen zur Sicherheit, sondern eine medizinische Grenze:

  • Hypertonie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen — Kälte erhöht den Blutdruck und die Belastung des Herzens stark; Risiko von Gefäßkrampf.
  • Arrhythmie — Temperaturschock kann Rhythmusstörungen auslösen.
  • Akute Entzündungsprozesse, Atemwegsinfekte, erhöhte Temperatur — jeder zusätzliche Stress für den Körper in diesem Moment ist überflüssig.
  • Schwangerschaft — plötzliche Temperaturschwankungen sind nicht erwünscht wegen der unvorhersehbaren Gefäßreaktion.
  • Nieren- und Blasenentzündungen — Unterkühlung kann den Zustand verschärfen.

Forscher weisen auch darauf hin, dass mit dem Alter die adrenomedulläre Reaktion schwächer wird — mit anderen Worten, die gleiche Dosis Kälte belastet das Herz-Kreislauf-System im höheren Alter stärker als im jungen Alter.

Wie man es richtig macht — wenn man es macht

Stoyika betont: kein Fanatismus. Einige Prinzipien, die sowohl durch Praxis als auch durch Forschung bestätigt sind:

  • Mit einem minimalen Temperaturunterschied beginnen — nicht mit eiskaltem Wasser nach kochendem.
  • Immer mit warmem Wasser beginnen, mit kaltem beenden.
  • Die Dauer des Aufenthalts unter Kälte bestimmt nicht die Stärke des Effekts: kurze Zyklen funktionieren genauso wie lange.
  • Auf die Signale des Körpers hören: Schwindel, Schüttelfrost, Unbehagen in der Brust — Grund zum Anhalten und einen Arzt zu konsultieren.

Die Frage „mit dem Kopf oder ohne" bleibt umstritten: Der Wechsel von Temperaturen erzeugt eine zusätzliche Belastung für die Blutgefäße des Gehirns, daher sollten Menschen mit Gefäßproblemen dies vermeiden.

Die Kontrastdusche ist ein Werkzeug, kein Ritual. Wenn in einem Jahr, nachdem die Neurowissenschaft den Mechanismus der Dopaminreaktion auf Kälte endgültig erklärt hat, ein klares Dosierungsprotokoll erscheint — wird sich dann die Haltung der Medizin dazu als vollwertige Therapie ändern, nicht nur als eine Abhärtungsgewohnheit?

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