Tag des Heiligen Basilius (1. Januar): Aussäen, Verbote und agrarisches Gedächtnis der Ukraine

Am 1. Januar ehren die Orthodoxen Basilius den Großen und die Beschneidung des Herrn. Wir beleuchten, warum der Brauch des Aussäens nicht nur ein Ritual ist, sondern ein Symbol für die Verbindung zur Erde, die Hoffnung auf die Ernte und die kulturelle Widerstandsfähigkeit — heute wichtiger denn je.

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Nach Angaben der UNN feiern die Orthodoxen am 1. Januar das Fest des heiligen Basilius und der Beschneidung des Herrn. Diese Kalendertage verbinden religiösen Gehalt und Volksbräuche, der auffälligste darunter ist das Aussäen. Wir erklären, was diese Tradition ist, welche Verbote damit verbunden sind und warum sie heute Bedeutung hat.

Herkunft und Sinn der Feste

Basilius der Große ist eine Gestalt von kirchlicher Bedeutung und historischer Assoziation mit dem Segen der Feldarbeit. Im Kirchenkalender fällt zum Fest des Basilius die Beschneidung des Herrn — eine Erinnerung an den alttestamentlichen Ritus, durch den Christus in den gesellschaftlich-religiösen Kontext jener Zeit eintrat. Die Verbindung von religiösem und agrarischem in der Volkstradition erklärt man als Bestreben, die spirituelle Erneuerung des Jahres mit praktischen Anweisungen für eine gute Ernte zu verbinden.

Traditionen des Aussäens

Der zentrale Bestandteil des Rituals ist das Aussäen mit Getreide. Morgens soll als Erster ein Mann ins Haus kommen: das nennt man den "ersten Säer". Die Säer, meist Jungen oder junge Männer, treten in die Wohnung und werfen eine Handvoll Korn auf die Schwelle oder unter den Tisch, während sie Wünsche für Wohlergehen und Wohlstand aussprechen. Dafür bewirten die Gastgeber sie.

Säe, säe, ich säe
Glück und Freude wünsche ich euch.
Dass euch das ganze neue Jahr
Besser sei als das vergangene Jahr!

— volkstümliche Saatformel

Ethnographen weisen darauf hin, dass das Aussäen eine Form des „ersten Schritts“ im Jahr ist, ein Ritual der Übertragung des Segens von der Nachbarschaft an die Familie. In ländlichen Gemeinden blieb das Ritual nahezu unverändert; in Städten passt man es an — anstelle eines großen Rituals verwendet man symbolische Handvoll Korn oder dekorative Elemente.

Verbote und Aberglauben am 1. Januar

Mit dem Fest sind auch Aberglauben verbunden, die traditionell die Rolle sozialer Normen erfüllten: An diesem Tag gilt es als unüblich, sich mit kleinen Hausarbeiten und Handarbeiten zu beschäftigen; es ist unerwünscht zu streiten oder zu lästern. Es gibt auch praktische Überzeugungen: Bringt den Müll nicht hinaus — denn zusammen mit dem Abfall könnte man das Glück aus dem Haus „herausschaffen“. Solche Normen, so die Forscher der Volkskultur, wirkten als Mechanismus zur Bewahrung des Wohlergehens und der symbolischen Ordnung in der Gemeinschaft.

Die Beschneidung des Herrn im Kontext

Die Beschneidung des Herrn erinnert im kirchlichen Maßstab an die Zugehörigkeit zur Geschichte des Glaubens. Für Gläubige ist es ein Tag des Gebets und der Teilnahme am Gottesdienst; für die traditionelle Kultur ist es eine weitere Sinnschicht, die den 1. Januar zu einem vielschichtigen Fest macht.

Warum das heute wichtig ist

Das Aussäen ist mehr als Folklore: Es ist ein Zeichen der Verbindung zur Erde und zu den Generationen, die von ihr abhängen. In einer Zeit, in der Fragen des Wiederaufbaus von Infrastruktur und der Wiederbelebung der Dörfer sehr drängend sein werden, erinnern solche Traditionen an den Wert agrarer Erinnerung und sozialer Solidarität. Die Bewahrung des Rituals ist kein Rückfall in die Vergangenheit, sondern ein Weg, eine starke kulturelle Verbindung aufrechtzuerhalten, die hilft, den Wiederaufbau als gemeinsame Aufgabe zu begreifen.

Nun ist die Gemeinde am Zug: Wie lassen sich die Bräuche so anpassen, dass sie den heutigen Bedürfnissen der Ukraine dienen — dem Erhalt der Traditionen, der Unterstützung der Landwirte und der Wiederbelebung der ländlichen Gemeinden?

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