115.000 Grenzübergänge täglich, aber 250.000 sind nicht zurückgekehrt: Was die Zahlen über die Grenzverkehrsbewegungen aussagen

Der Sommerpeak an der Grenze verdeckt das eigentliche Bild: Die Ausreisen übersteigen die Einreisen, und dieser Unterschied beläuft sich über ein halbes Jahr auf 250.000 Menschen — halb so viel wie vor einem Jahr.

57
Teilen:

An den Wochenenden im Juni können die Warteschlangen bei „Shegini" oder „Ustyluh" mehrere Stunden lang sein. Doch hinter diesem saisonalen Andrang verbirgt sich ein anderes Phänomen — ein demografisches.

Ein Rekord ohne Sensation

Nach Angaben des Sprechers des Staatlichen Grenzschutzes Andrij Demchenko überquerten im Frühjahr täglich etwa 85.000 Menschen die Grenze, im Juni liegt diese Zahl stabil über 100.000, an den Wochenenden erreicht sie 115.000. Der Grund ist die Urlaubssaison, die in jedem friedlichen Jahr üblich ist.

Die größte Belastung wird in Richtung Polen verzeichnet — konkret an den Grenzübergängen „Shegini" und „Ustyluh". Demchenko empfiehlt, frühe Wochentagen zu wählen und vorab die Auslastung auf der offiziellen Website des Grenzschutzes zu überprüfen, wo die Daten alle 10 Minuten aktualisiert werden.

„Morgens zum Beispiel am 8. Juni gab es bei der Ausreise aus der Ukraine keine Warteschlangen. Deshalb rate ich den Menschen, sich über die Auslastung der Grenzübergänge zu informieren und weniger belastete Richtungen zu wählen".

Andrij Demchenko, Sprecher des Grenzschutzes

Mehr Ausreisen als Einreisen

Der Gesamtpassagierverkehr wächst, aber asymmetrisch. Nach Daten der Analyseplattform „Opendatabot" auf der Grundlage von Grenzschutzstatistiken verließen Ukrainer im ersten Halbjahr 2025 das Land 7,17 Millionen Mal und kehrten 6,92 Millionen Mal zurück. Die Differenz beträgt 250.000 Personen, die die Grenze überschritten und nicht zurückkehrten.

Zum Vergleich: Im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres war dieser Wert 1,6-mal höher. Das heißt, das Tempo der „Ausreisen ohne Rückkehr" verlangsamt sich — ist aber nicht gestoppt.

Die Gesamtzahl der Grenzübertritte ist um 4% im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 gestiegen. Von allen Grenzübertritte entfallen 85% auf Bürger der Ukraine.

Was dahinter steckt

Das Beispiel der Woche vom 30. Mai bis 5. Juni zeigt die Dynamik deutlich: Ausreisen — 292.000, Einreisen — 262.000. Nach Angaben von RBK-Ukraine charakterisiert der Grenzschutz gerade den Juni als „überwiegend Ausreisemonat" — im Gegensatz zu Juli und August, wenn nach Angaben von Demchenko die Einreisen traditionell die Ausreisen übersteigen.

  • Größte Warteschlangen: „Shegini" und „Ustyluh" (Richtung Polen)
  • Weniger belastete Zeit: Frühe Wochentage
  • Spitzenlast der Woche: Abendstunden und Wochenenden
  • Alternative: Rumänische und slowakische Richtungen — kürzere Schlangen

Seit Beginn der vollumfänglichen Invasion haben über 3 Millionen Bürger der Ukraine das Land verlassen und sind bislang nicht zurückgekehrt — diese Gesamtzahl gibt der Grenzschutz an.

Sollten die Einreisen im Juli–August tatsächlich die Ausreisen übersteigen, wie 2024, wird sich der Saldo des ersten Halbjahres teilweise ausgleichen. Aber ob dies ein nachhaltiger Trend wird, hängt davon ab, ob die Friedensverhandlungen bis Ende des Sommers von Grund auf voranschreiten.

Weltnachrichten