Irina Lazarjewa ging gerade durch eine Unterführung am Chokoliwski-Boulevard gegen 17:00 Uhr, als ein Mercedes mit voller Geschwindigkeit hineinraste. Die Frau arbeitete in einem Kindergarten und hinterließ einen Sohn. Ihre Kollegen erfuhren von ihrem Tod aus den Nachrichten.
«Irina war eine gute, aufrichtige und einfühlsame Person, die von ihren Kollegen respektiert und von den Kindern geliebt wurde. Ihr vorzeitiger Tod ist ein schwerer Verlust für unser ganzes Kollektiv»
— aus einer Mitteilung des Kindergartens, in dem Lazarjewa arbeitete
An jenem Tag starben zusammen mit ihr noch drei weitere Personen: Oberleutnant der Polizei Dmitro Bondarschuk (23 Jahre) und Leutnant Denys Budtschenko (21 Jahre) — beide bei der Erfüllung ihrer Dienstpflichten — sowie der 12-jährige Hryhorij Hluschydsch, der gerade die sechste Klasse abgeschlossen hatte und träumte, Programmierer zu werden. Drei weitere Menschen wurden ins Krankenhaus eingeliefert.
Wer saß am Steuer
Nach Angaben der Ermittlungen und Medienberichten war der Fahrer des Mercedes-Benz Pawlo Pleshiwzew, geboren 1976, Einwohner der Region Cherson. Zum Zeitpunkt des Unfalls arbeitete er als Taxifahrer und führte einen Auftrag aus — im Wagen befand sich eine Passagierin, die ins Krankenhaus gebracht wurde.
Laut Staatsanwaltschaft wurde Pleshiwzew seit Anfang 2025 10-mal zur administrativen Verantwortung herangezogen wegen Verkehrsverstößen, darunter 5-mal wegen Geschwindigkeitsüberschreitung. Nach anderen Angaben beläuft sich die Gesamtzahl der registrierten Verstöße auf 39, davon 18 allein im Jahr 2025. Darüber hinaus war er an vier Verkehrsunfällen beteiligt, zwei davon ereigneten sich bereits 2026.
Die Expertise bestätigte: Zum Zeitpunkt des Unfalls war der Fahrer nüchtern. Das Auto verlor die Kontrolle auf der abgerundeten Straßenstelle und fuhr über die Fahrbahn hinaus.
Was droht ihm
Pleshiwzew wurde verdächtigt nach Teil 3 Artikel 286 des Strafgesetzbuches — Verstoß gegen Verkehrssicherheitsvorschriften, der zum Tod mehrerer Menschen führte. Die Strafandrohung — bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe und Fahrverbot für bis zu 3 Jahre. Das Gericht setzte ihn in Haft für 60 Tage — bis 3. August 2026 — ohne Recht auf Kaution.
Die Interessen des Angeklagten vertreten durch einen Anwalt, der bereits als «berüchtigt» in Kyiver Rechtskreisen bekannt ist.
Systemversagen, nicht Tragödie des Zufalls
Dieser Unfall handelt nicht von Plötzlichkeit. Es geht darum, dass eine Person mit Dutzenden registrierten Verstößen und vier vorherigen Verkehrsunfällen einen gültigen Führerschein hatte, das Recht hatte, Passagiere zu befördern, und völlige Bewegungsfreiheit in der Stadt hatte. Die Verwarnungsgelder scheinen ihn nicht gestoppt zu haben.
Wenn das Gericht Pleshiwzew eine echte Freiheitsstrafe verhängt — das wird einen Präzedenzfall für Fälle systematischer Verkehrssünder schaffen. Aber die Frage bleibt offen: Wird nach dieser Tragödie ein Mechanismus für die automatische Entziehung der Fahrerlaubnis nach kritischem Schwellwert von Verstößen eingeführt — oder endet die Sache wieder mit einem Urteil ohne systemische Veränderungen?