Kiew ist dem Pilotprogramm für 5G beigetreten – nach Lwiw, Charkow und Borodjanka. Drei Betreiber bauen gleichzeitig Testzonen in der Hauptstadt auf: Kyivstar, Vodafone und lifecell arbeiten auf den Frequenzen von 3500 MHz. Das Ministerium für digitale Transformation gab den Start des Pilotprojekts bekannt.
Was bereits funktioniert
In den Testzonen Kiews erreicht das Netz eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 600–800 Mbit/s, unter optimalen Bedingungen über 1,7 Gbit/s. Das ist etwa 17-mal schneller als ein typischer Haushaltstarif mit 100 Mbit/s. Für den Anschluss genügt ein Smartphone mit 5G-Unterstützung und eine USIM- oder eSIM-Karte – es sind keine zusätzlichen Einstellungen oder separaten Tarife erforderlich.
Im Rahmen des Pilotprogramms wurden im ganzen Land bereits über 300 Basisstationen installiert. Während der Tests in den vorherigen Städten erhielten fast 1,5 Millionen Nutzer Zugang zum Netz der neuen Generation.
Warum Kiew nicht einfach nur eine weitere Stadt auf der Liste ist
Die Hauptstadt ist der größte Markt und gleichzeitig die komplexeste Plattform. Nach Aussage des stellvertretenden Ministers für digitale Transformation Stanislav Prybytko erforderte die technische Phase in Kiew zusätzliche Zeit: Die Betreiber koordinierten die Standorte der Basisstationen und bestellten die Ausrüstung, um eine maximale Abdeckung zu gewährleisten.
„Jetzt läuft die rein technische Phase: Die Mobilfunkbetreiber bestellen Ausrüstung und finalisieren Standorte für Basisstationen, um die Abdeckung in der Hauptstadt so hochwertig wie möglich zu gestalten."
Stanislav Prybytko, stellvertretender Minister für digitale Transformation
Ein separater Faktor ist die Sicherheit. Vor dem nationalen Start müssen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zusammen mit dem Militär durchgeführt werden: Die 5G-Frequenzen überschneiden sich mit Frequenzbändern, die in der Verteidigung genutzt werden. Dies ist keine Formalität – genau dieser Schritt definiert den Unterschied zwischen einem „Pilotprojekt" und einem kommerziellen Netz.
Infrastruktur unter Druck
Parallel zum Rollout von 5G bewältigen die Betreiber zwei Aufgaben, die unmittelbar mit dem Krieg zusammenhängen. Erstens – Energieunabhängigkeit: 5G-Basisstationen in den vorherigen Städten sind mit Akkupufern für bis zu 10 Stunden autonome Betriebsdauer ausgestattet. Zweitens – Frequenzfreigabe: Kyivstar schaltet 3G in mehreren Städten schrittweise ab und lenkt die Ressourcen auf 4G und die Vorbereitung auf 5G um. Dies ist ein weltweiter Trend, aber in der Ukraine fiel er mit dem erzwungenen Bedarf zusammen, die Abdeckung unter Bedingungen der Infrastrukturzerstörung zu verdichten.
Die bis 2030 verabschiedete Strategie zur Entwicklung der elektronischen Kommunikation setzt sich das Ziel: Gigabit-Internet für 75% der Haushalte und einen Beitrag zum BIP in Höhe von 56 Milliarden Griwnja.
Was kommt als Nächstes
lifecell erklärte direkt: Die großflächige Einführung von 5G im ganzen Land wird nach der Wiederherstellung der Verbindungen in den deokkappierten Gebieten stattfinden. Mit anderen Worten, der vollständige kommerzielle Start ist nicht nur an die Aufhebung des Kriegszustands gebunden, sondern auch an die Wiedereingliederung von Netzen auf befreiten Gebieten – ein Prozess, dessen Zeitrahmen kein Betreiber öffentlich vorhersagt.
Wenn die Abstimmung der Frequenzen mit dem Militär nach Abschluss der aktiven Kriegsphase in die Länge gezogen wird – könnte das Kiewer Pilotprojekt Gefahr laufen, ein „ewiger Test" zu bleiben: Die Technologie existiert, die Abdeckung existiert, aber es gibt kein kommerzielles Produkt. Wird die Regierung eine konkrete Frist für diese Abstimmung festlegen – oder wird sie es als offenen Prozess ohne Verantwortlichen belassen?