ChatGPT und Roblox fallen unter strengstes EU-Digitalgesetz — wegen Dutzender Millionen Nutzer

Die Europäische Kommission plant, ChatGPT und Roblox bereits im August als „sehr große Online-Plattformen" einzustufen – ein Status, der unabhängige Audits, die Offenlegung von Algorithmen und Geldstrafen von bis zu 6% des weltweiten Umsatzes für Verstöße vorsieht.

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Ілюстративне фото: Depositphotos

Eltern, deren Kind in Roblox spielt, oder ein Student, der täglich ChatGPT nutzt — beide werden bald unter denselben Gesetzen geschützt. Die Europäische Kommission plant, ChatGPT und Roblox bereits im August offiziell in die Liste der „sehr großen Online-Plattformen" (VLOP) gemäß dem Gesetz über digitale Dienste (DSA) aufzunehmen — ein Status, den bisher hauptsächlich soziale Netzwerke und Suchmaschinen wie Facebook oder Google hatten.

Der Grund ist rein arithmetisch. OpenAI teilte mit, dass die Suchfunktion von ChatGPT durchschnittlich 120,4 Millionen aktive Nutzer pro Monat in der EU verzeichnet — das ist fast dreimal mehr als der im Gesetz festgelegte Schwellenwert von 45 Millionen. Roblox meldete etwa 48 Millionen monatliche Nutzer in der EU, knapp über der Grenze. Für Roblox ist dies besonders sensibel: Ein großer Teil dieses Publikums sind Kinder.

Was sich für Unternehmen — und für Nutzer — ändern wird

Der VLOP-Status ist keine Formalität. Unternehmen haben vier Monate nach der offiziellen Entscheidung Zeit, um die Anforderungen zu erfüllen: die Funktionsweise von Empfehlungsalgorithmen, Inhaltsmoderation und Werbung offenzulegen, Verantwortliche für den Kontakt mit Nutzern und Regulierungsbehörden zu ernennen, entdeckte Straftaten zu melden. Zusätzlich: obligatorische unabhängige Audits, regelmäßige Risikobewertung (Desinformation, Diskriminierung, Einmischung in Wahlen) und Zugang zu internen Daten für akkreditierte Forscher und die Europäische Kommission selbst.

Für den durchschnittlichen Nutzer bedeutet dies, dass der Algorithmus, der dem Kind empfohlene Inhalte in Roblox zeigt, oder die Logik, nach der ChatGPT Antworten moderiert, nicht länger die interne Angelegenheit des Unternehmens bleibt — externe Auditor und Forscher werden diese überprüfen können.

Warum ausgerechnet jetzt

Die verstärkte Aufmerksamkeit ist kein Zufall. Roblox wurde jahrelang dafür kritisiert, dass es Minderjährige in dem bei Kindern und Jugendlichen beliebten Spiel nicht ausreichend vor Bösewichten schützte. OpenAI hingegen sah sich Klagen bezüglich der Nutzersicherheit und Vorwürfen gegenüber, dass das Unternehmen die Strafverfolgungsbehörden nicht ausreichend über mögliche Bedrohungen informierte. Der VLOP-Status gibt der EU ein rechtliches Druckmittel, um systematisch Druck auf beide Unternehmen auszuüben, anstatt nur auf einzelne Skandale zu reagieren.

Der Preis der Nichtbeachtung ist real: Nach der DSA können Geldstrafen für systematische Verstöße einen Prozentsatz des globalen jährlichen Umsatzes des Unternehmens erreichen, nicht nur des Umsatzes in der EU. Für OpenAI und Roblox, die ihre Präsenz in Europa aktiv ausbauen, schafft dies einen Anreiz, die Anforderungen pünktlich zu erfüllen, anstatt mit Brüssel zu streiten.

Die noch offene Frage ist: Wird die Offenlegung von Algorithmen ein echtes Instrument zum Schutz von Kindern in Roblox und ChatGPT-Nutzern sein, oder wird es sich in Papierkram für Auditor verwandeln — dies wird sich bereits in den ersten Monaten nach der offiziellen Zuweisung des Status zeigen.

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