JCB will einen Geschwindigkeitsrekord auf dem Wasser brechen – und beweisen, dass Wasserstoffantrieb nicht nur für Lastwagen geeignet ist

Nach 20 Jahren kehrt das britische Unternehmen mit dem Wasserstoff-Bolide Hydromax auf die Salzebenen von Bonneville zurück, um seinen Dieselmax-Rekord zu brechen. Die Einsätze sind höher als sie scheinen.

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Ілюстративне фото: JCB

Im Jahr 2006 stellte JCB einen Geschwindigkeitsrekord für Dieselfahrzeuge auf den berühmten Salzbetten von Bonneville im US-Bundesstaat Utah auf — der Rennwagen Dieselmax erreichte eine Geschwindigkeit von 563 km/h. Nun kehrt das Unternehmen mit einem grundlegend anderen Fahrzeug zurück: JCB Hydromax läuft auf Wasserstoff, und das Ziel ist nicht nur, die bisherige Leistung zu übertreffen, sondern eine öffentliche Erklärung darüber abzugeben, wohin sich Schwerlastmaschinen entwickeln.

Was ist Hydromax und warum ist das nicht nur PR

Hydromax ist kein Konzeptfahrzeug für eine Automesse. Der Rennwagen ist mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet, der Wasserstoff statt Benzin oder Diesel verbrennt. Dieser Ansatz unterscheidet sich von Wasserstoff-Brennstoffzellen, bei denen Wasserstoff in Elektrizität umgewandelt wird: Hier handelt es sich um klassische Mechanik, aber mit null CO₂-Emissionen am Auspuff.

Für JCB ist dies nicht das erste Experiment mit Wasserstoff. Das Unternehmen entwickelt seit mehreren Jahren Wasserstoffmotoren für seine Baumaschinen — Bagger, Radlader, Teleskopstapler. Der Rekordversuch in Bonneville ist eine Möglichkeit, die Technologie unter extremen Bedingungen zu testen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf eine Alternative zur Elektrifizierung im schweren Segment zu lenken.

Warum Bonneville und warum jetzt

Die Salzbetten von Bonneville sind ein klassischer Ort für Geschwindigkeitsrekorde: ebene Oberfläche, hohe Höhenlage, vorhersehbare Bedingungen. Aber auch die Wahl des Zeitpunkts ist kein Zufall. Die Schwerlastindustrie steht unter Druck von Regulierungsbehörden bezüglich Dekarbonisierung, aber es gibt noch keine einheitliche Lösung — Elektrizität oder Wasserstoff.

Baumaschinen und Landmaschinen haben ihre Besonderheiten: Sie arbeiten an schwer zugänglichen Orten, wo es keine Ladeinfrastruktur gibt, und die Lastzuzyklen sind so intensiv, dass heutige Batterien das nicht aushalten. Ein Wasserstoffmotor, der genauso schnell getankt werden kann wie ein Dieselmotor, ist eine technologisch attraktivere Lösung für dieses Segment.

Der eigentliche Konflikt: Wasserstoff gegen Elektrik in Schwerlastmaschinen

Der Hauptkonflikt liegt hier nicht zwischen JCB und Konkurrenten, sondern zwischen zwei technologischen Wegen. Die meisten Hersteller — Caterpillar, Komatsu, Volvo CE — setzen auf Batterieelektrifizierung oder Hybrid-Systeme. JCB wählt den Wasserstoffverbrennungsmotor als Hauptausrichtung.

Das Argument des Unternehmens: Ein Wasserstoffmotor ist günstiger in der Herstellung als Brennstoffzellen, benötigt keine seltenen Erdelemente für Batterien und kann die vorhandene Service-Infrastruktur nutzen. Das Gegenargument von Kritikern: Die Produktion von grünem Wasserstoff ist immer noch teuer, und sein Transport und seine Lagerung sind technisch kompliziert.

Der Rekord in Bonneville wird diese Kontroverse nicht allein lösen. Aber wenn Hydromax eine Marke über 600 km/h setzt, wäre das ein anschaulicher Beweis dafür, dass Wasserstoffantrieb zu mehr fähig ist als nur ein langsamer Lader auf einer Baustelle.

Was kommt als Nächstes

Das genaue Datum des Versuchs wurde noch nicht angekündigt — JCB führt Vorbereitungen durch, die Motor-Tests und aerodynamische Verbesserungen des Rennwagens umfassen. Die Salzsaison in Bonneville findet traditionell im August–September statt, wenn die Oberfläche am besten für Rekordfahrten geeignet ist.

Wenn der Versuch gelingt, wird der Druck auf Konkurrenten bezüglich der Frage „warum nicht Wasserstoff?" spürbar konkreter. Falls nicht, werden Kritiker Grund haben zu behaupten, dass JCBs Wette auf Wasserstoffverbrennungsmotoren ein Irrweg war. Die Frage ist, ob die Industrie bereit ist zu warten, während die Regulierungsdeadlines bereits festgelegt sind.

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