Gitter statt Schalldämpfer: Polnisch-ukrainische Geschützturm lernte, FPV-Drohnen ohne Operator und ohne Funkstörungen abzuschießen

Scan Horizon von Postup Solutions fängt FPV-Drohnen autonom mit einem Netz ab – und das ist grundsätzlich wichtig, denn gerade gegen faseroptische Drohnen ist die elektronische Kampfführung machtlos.

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Система Scan Horizon (Фото: Postup Solutions)

Als am 1.–3. Mai auf dem EDTH Hackathon in Kiew das Team von Postup Solutions ein Geschütz zeigte, das eigenständig einen FPV-Drohne „hörte", verfolgte und mit einem Netz abdeckte – dahinter verbarg sich ein konkretes Problem. Über 75 % der Ausrüstungsverluste an der Front werden durch billige FPV-Drohnen verursacht, und ein immer größerer Anteil wird über Glasfaser gesteuert – das heißt, es reagiert auf keinen Jammer.

Warum ein Netz und keine Störsender

Klassische elektronische Kriegsführung blockiert das Funksignal zwischen Drohne und Pilot. Aber optische FPV-Drohnen werden über Kabel gesteuert – ihnen ist ein Jammer egal. Deshalb vermeidet Scan Horizon bewusst elektronische Gegenmaßnahmen als Neutralisierungsmethode: stattdessen physische Erfassung mit einem Netz in einer Entfernung von 2,5–6 Metern. Wenn die Drohne diese Linie erreicht – sitzt sie bereits im Netz, buchstäblich.

Wie das System das Ziel ohne Operator „sieht"

Das Geschütz hat einen 360°-Rundumblick und nutzt Sensor Fusion – die gleichzeitige parallele Verarbeitung von Daten aus drei unabhängigen Quellen:

  • Akustik: ein Mikrofonarray mit KI „hört" die Drohne bis zu 20 Meter entfernt – auch in Dunkelheit und Nebel
  • Kamera mit KI: bestätigt das Ziel visuell in etwa 25 Metern Entfernung
  • Radar: lokalisiert das Objekt bis zu 18 Metern

Die Kombination von drei Kanälen reduziert die Anzahl der Fehlalarme – ein kritischer Parameter für ein System, das ohne menschliche Beteiligung bei der Entscheidung zum Schuss funktioniert.

«In vier Hackathons gelang es uns, schrittweise nicht nur das Konzept, sondern auch ein echtes funktionierendes Ergebnis zu entwickeln und zu demonstrieren»

Wlad Kozak, CEO Postup Solutions, Dev.ua

Das Ausmaß des Problems geht über die Ukraine hinaus

Postup Solutions ist ein polnisch-ukrainisches Unternehmen, und seine Kalkulation zielt nicht nur auf die ukrainischen Streitkräfte. Nach Angaben der Entwickler bleiben über eine Million Ausrüstungseinheiten der NATO-Armeen praktisch schutzlos vor der FPV-Bedrohung. Scan Horizon wird als kostengünstiges Lösungskonzept positioniert – ein Geschütz, das sich ohne hohe Kosten pro Einheit skalieren lässt.

Gleichzeitig gibt es eine technische Einschränkung, die die Entwickler nicht verschweigen: Die Reichweite der Netzabwehr beträgt nur 2,5–6 Meter. Das bedeutet, dass das System bereits in der letzten Verteidigungslinie wirkt – wenn die Drohne unmittelbar vor dem zu schützenden Objekt ist. Das Team verspricht, die Reichweite und Zuverlässigkeit in der nächsten Version zu erhöhen, hat aber bisher keine konkreten Zahlen genannt.

Wenn die nächste Iteration von Scan Horizon die Abfangdistanz zumindest auf 15–20 Meter erhöht – wird das System aus der Kategorie «letzte Hoffnung» in die Kategorie einer vollwertigen Verteidigungslinie übergehen. Genau dieser Parameter wird darüber entscheiden, ob das autonome Geschütz zur echten Lösung zum Schutz von Ausrüstung auf offener Fläche wird oder nur für punktuelle Objekte relevant bleibt.

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