British Steel kehrt in staatliche Hand zurück: Wie £700.000 tägliche Verluste London zum Handeln zwangen

Die Regierung von Starmer bereitet die vollständige Verstaatlichung von British Steel vor — das erste Mal seit 38 Jahren. Nach einem Jahr operativer Verwaltung haben Steuerzahler bereits £377 Millionen aufgewendet, und die Kosten steigen weiter.

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Фото: British Steel

Täglich verschlang das Werk in Scunthorpe £700.000 an Verlusten. Das chinesische Unternehmen Jingye, das British Steel 2020 aus der Insolvenz für etwa £50 bis £60 Millionen kaufte, stellte schließlich die Bestellungen von Eisenerzpellets ein – dem Rohstoff, ohne den Hochöfen für immer stillstehen. Dieser Schritt im April 2025 zwang die Regierung von Keir Starmer, das Parlament am Karsamstag zu einer Notfallsitzung einzuberufen.

Ein Gesetz an einem Tag

Am 12. April 2025 verabschiedete das Parlament den Steel Industry (Special Measures) Act 2025 – vom Einbringen bis zur königlichen Unterzeichnung an einem Tag. Das Gesetz ermächtigte den Handelsminister, Stahlunternehmen, denen die Schließung drohte, direkt zu leiten. Die Regierung übernahm sofort die operative Kontrolle über British Steel: Rohstoffbeschaffung, Lohnzahlungen, Wartung der letzten beiden Hochöfen des Landes.

Hochöfen sind nicht das gleiche wie Elektrolichtbogenöfen, die Schrott einschmelzen. Sie produzieren „Primärstahl" aus Eisenerz. Sie ohne irreversible Folgen stillzulegen ist äußerst schwierig. Hätte Scunthorpe stillgestanden, wäre Großbritannien die einzige G7-Nation ohne eigene Primärstahlerzeugung geworden.

„Stahl ist eine elementare souveräne Fähigkeit. Starke Nationen in dieser Welt müssen Stahl produzieren".

Premierminister Keir Starmer, Mai 2026

Eine wachsende Rechnung

Nach Angaben des National Audit Office (NAO) kostete die Unterstützung für British Steel bis Ende Januar 2026 die Steuerzahler £377 Millionen. Weitere £15 Millionen gingen in Nebenkosten. Stand März 2026 erreichte das gesamte vom Staat investierte Betriebskapital £419 Millionen – und könnte nach Schätzungen bis 2028 £1,5 Milliarden überschreiten, wenn sich die Situation nicht ändert.

Parallel liefen Verhandlungen über einen kommerziellen Verkauf. Die Regierung bot Jingye etwa £100 Millionen an – die chinesische Seite forderte über £1 Milliarde. Eine Einigung kam nicht zustande. Am 11. Mai 2026 kündigte Starmer Gesetze an, die der Regierung die Möglichkeit einer vollständigen Verstaatlichung geben würden – unter der Bedingung, dass ein Test im öffentlichen Interesse bestanden wird.

Was der Economist sagt

David Bailey, Professor für Industriestrategie an der Business School der Universität Birmingham, warnt zusammen mit Paul Forrest: Der operative Eingriff hat die unmittelbare Krise gelöst, nicht aber das grundlegende Problem. Nach ihrer Analyse für UK in a Changing Europe sollte die Regierung das Modell des „Konservatoriums" in Betracht ziehen – eine vorübergehende staatliche Verwaltung mit klarer Transformationsstrategie zum Elektrolichtbogenbetrieb – statt offene Verstaatlichung ohne Ausstiegsstrategie.

„Verstaatlichung ist nicht das Endziel. Es muss der Anfang eines klaren und glaubwürdigen langfristigen Plans sein".

Keir Starmer, Mai 2026

Der Branchenverband UK Steel unterstützte die Entscheidung und merkte an: Wenn neben Scunthorpe der Elektrolichtbogenofen von Tata Steel in Port Talbot in Betrieb geht, könnte die Nachfrage nach Stahlschrott im Land auf 7 Millionen Tonnen pro Jahr anwachsen – was einen neuen Markt für Recycler eröffnen würde.

3.500 Arbeitsplätze und unbeantwortete Fragen

Das Werk in Scunthorpe beschäftigt direkt 3.500 Menschen; Zehntausende weitere arbeiten in den nachgelagerten Lieferketten. Eine Schließung 2025 hätte den Verlust von 2.000 bis 2.700 Arbeitsplätzen nur am Hauptstandort gedroht.

Der Übergang zu Elektrolichtbogenöfen würde, falls er stattfindet, eine erheblich geringere Arbeitnehmerzahl bedeuten – diese Technologie ist stärker automatisiert. Ob die Regierung Scunthorpe erklärt hat, wie viele Arbeitsplätze nach der „Umstrukturierung" erhalten bleiben, ist bislang unklar.

Wenn das Parlament das neue Gesetz verabschiedet und der Test im öffentlichen Interesse bestanden wird, wird British Steel erstmals seit 1988 staatliches Eigentum. Aber die eigentliche Frage liegt nicht in der Verstaatlichung selbst, sondern darin, ob danach ein konkreter Plan für den Übergang zu einer grünen Produktion folgt – mit Zeitplänen, Finanzierung und Beschäftigungsgarantien. Ohne diese werden die £419 Millionen nur eine Anzahlung auf eine viel größere Rechnung.

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