Snapdragon 6 Gen 5: Wi-Fi 7 und 144 Hz in einem Budget-Modell – allerdings auf Kosten von USB 2.0 und einer geringeren Speicherleistung beim Einstiegsmodell

Qualcomm hat zwei neue Chips für preisgünstige Smartphones angekündigt. Hinter jedem „Pluspunkt“ in den technischen Daten verbirgt sich ein Kompromiss, auf den der Hersteller nicht besonders hinweist.

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Snapdragon 4 Gen 5 (Фото: Qualcomm)

Qualcomm hat offiziell den Snapdragon 6 Gen 5 und den Snapdragon 4 Gen 5 vorgestellt – Prozessoren für Smartphones der Mittelklasse und des Einstiegssegments. Die ersten Geräte auf ihrer Basis werden in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 erwartet. Auf dem Papier wirken beide Chips wie ein Fortschritt. Ein genauerer Vergleich mit den Spezifikationen ihrer Vorgänger zeichnet jedoch ein anderes Bild.

Was sich tatsächlich verbessert hat

Der Snapdragon 6 Gen 5 wird im 4-Nanometer-Verfahren von TSMC gefertigt. Der Chip verfügt über acht Kerne: vier Performance-Kerne mit 2,6 GHz und vier Effizienz-Kerne mit 2,0 GHz. Die Adreno-Grafik ist um 21 % schneller geworden, Apps starten 20 % schneller, und die Latenz der Benutzeroberfläche ist im Vergleich zu Gen 4 um 18 % gesunken. Unterstützung für Displays bis 144 Hz, Wi-Fi 7 und Bluetooth 6.0 hält damit erstmals Einzug in Qualcomms budgetorientierter Klasse.

Der Snapdragon 4 Gen 5 basiert ebenfalls auf einem 4-nm-Prozess. Er besitzt zwei Performance-Kerne mit 2,4 GHz und sechs Effizienz-Kerne mit 2,0 GHz. Die GPU-Leistung steigt um 77 %, zudem kommt Unterstützung für 4K-Videoaufnahmen hinzu – eine Option, die es in diesem Preissegment bislang nicht gab.

Kompromisse, die Qualcomm nicht in die Überschriften geschrieben hat

Hier wird es besonders interessant. Der Snapdragon 6 Gen 5 stuft die USB-Schnittstelle auf Version 2.0 zurück – ein Rückschritt gegenüber dem Gen 4 mit USB 3.1. Das bedeutet langsamere Dateiübertragungen und eingeschränkte Möglichkeiten beim Anschluss externer Geräte. Gleichzeitig entfallen die Unterstützung für mmWave-5G sowie das L2-GPS-Band.

Noch aussagekräftiger ist die Situation beim kleineren Modell. Während der Snapdragon 4 Gen 4 schnellen LPDDR5-Speicher unterstützte, kehrt der Gen 5 zu LPDDR4X mit einer maximalen Taktfrequenz von 2133 MHz zurück – im Vergleich zu 3200 MHz beim Vorgänger. Für den Nutzer ist das spürbar: Langsamerer Speicher begrenzt Multitasking und Datendurchsatz, trotz aller Fortschritte bei der Grafikleistung.

„Qualcomm scheint bewusst zwischen Premium-Funktionen und Produktionskosten zu balancieren: Selten genutzte Hardware – mmWave, schneller USB – wird gestrichen, um das Budget in GPU- und Kamerafunktionen zu investieren.“

Notebookcheck, technische Analyse der Gen-5-Spezifikationen

Warum das über technische Daten hinaus relevant ist

Es geht um das Marktsegment, in dem der Großteil aller Smartphones weltweit verkauft wird. Laut Counterpoint Research hält Qualcomm rund 62 % des Marktes für Flaggschiff-SoCs, doch die Mittel- und Einstiegsklassen sorgen für das eigentliche Liefer- und Absatzvolumen. Der Wettbewerber MediaTek übt in diesem Bereich starken Druck aus, weshalb jede Entscheidung von Qualcomm nicht nur eine technische, sondern auch eine wirtschaftliche ist.

Smartphone-Hersteller, die zwischen Gen 5 und MediaTek-Dimensity-Alternativen wählen, erhalten ein klares Signal: Wi-Fi 7 und eine schnellere GPU im Tausch gegen langsameren USB und langsameren Speicher. Für den Endkunden hängt die Priorität vom Nutzungsszenario ab – doch er wird kaum das Kleingedruckte der technischen Daten lesen.

Wenn Android-Hersteller im Jahr 2026 zwischen dem Snapdragon 4 Gen 5 und MediaTek Dimensity entscheiden, könnte der Rückschritt auf LPDDR4X-Speicher zu einem ausschlaggebenden Argument gegen Qualcomm werden – allerdings nur dann, wenn Käufer lernen, nicht nur auf den Namen des Chips, sondern auch auf den verbauten RAM-Typ zu achten.

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