Über drei Jahre Vollkrieg hat die Ukrzaliznytsia durch russische Angriffe 209 Lokomotiven verloren — und das ist nur die offizielle Zahl für 2025 und das erste Quartal 2026. Vor dem Krieg, im April 2021, funktionierte der Fuhrpark im Normalbetrieb. Jetzt fehlen nach Aussage von Vizepremier Alexei Kuleba mindestens 100 Güterbahn- und Personenelektrolokomotiven für einen stabilen Betrieb.
Was bereits unterzeichnet wurde — und wann es wirklich ankommt
Im November 2025 unterzeichneten der französische Konzern Alstom und die Ukrzaliznytsia einen Vertrag über 55 Zweisystem-Elektrolokomotiven Alstom UA8AC im Wert von 473 Millionen Euro. Lieferung — 2027–2029. An der Produktion sind ukrainische Unternehmen aus sieben Regionen beteiligt, was ein seltenes Beispiel für Lokalisierung unter Bedingungen aktiver Kampfhandlungen darstellt.
Ein einfaches arithmetisches Faktum: Selbst wenn der Vertrag rechtzeitig erfüllt wird, deckt er nur 55% des angegebenen Bedarfs — und nur zwei Jahre nach Vertragsunterzeichnung.
Was mit Berlin besprochen wurde
Das Treffen von Kuleba mit dem Bundesverkehrsminister Deutschlands Patrick Schneider berührte drei Fragen: Modernisierung des Rollmaterials, technische Zusammenarbeit im Eisenbahnbereich und Finanzierungsmechanismen für neue Ankäufe. Konkrete Abkommen wurden nach dem Treffen nicht angekündigt.
«Heute benötigt die Ukrzaliznytsia etwa 100 Güterbahn- und Personenelektrolokomotiven, um eine stabile Logistik, Export, Personen- und Evakuierungstransporte zu gewährleisten».
Alexei Kuleba, Vizepremier für Wiederaufbau
Parallel dazu diskutiert Österreich die Übergabe von neun gebrauchten Hochgeschwindigkeitszügen Siemens Velaro — aber dies ist das Passagiertsegment, während der Güterverkehr kritisch bleibt.
Ausmaß der Zerstörung — und die Lücke zwischen Bedarf und Finanzierung
Nach einer Schätzung von RDNA5 betragen die Gesamtschäden des Verkehrssektors der Ukraine 40,3 Milliarden Dollar, und der Wiederaufbaubedarf für das nächste Jahrzehnt übersteigt 96 Milliarden. Nur 2025 erlitt die Eisenbahn etwa 800 Angriffe — die Schäden beliefen sich auf 1 Milliarde Dollar pro Jahr. Gleichzeitig beträgt die verfügbare Finanzierung für Prioritätsprojekte 2026 — 5,8 Milliarden Dollar gegenüber einem Defizit von 9,5 Milliarden.
Die Ukrzaliznytsia erhielt 2025 66 neue Wagen — und verlor gleichzeitig 60 durch Kampfhandlungen. Das heißt, der Nettozuwachs des Fuhrparks für das Jahr: 6 Einheiten.
Wo das eigentliche Problem liegt
Der Mangel an Elektrolokomotiven ist nicht nur eine Frage des Geldes. Die UZ hatte bereits eine Ausschreibung für Güterbahn-Doppelstrom-Elektrolokomotiven mit MFI-Mitteln angekündigt, doch die Ergebnisse wurden bislang nicht veröffentlicht. Der Vertrag mit Alstom wurde ohne einen öffentlichen Kompensationsmechanismus für den Fall neuer massiver Angriffe auf die Infrastruktur während der Lieferzeit unterzeichnet.
Wenn das Tempo der Angriffe auf die Eisenbahn auf dem Niveau von 2025 bleibt, könnte die UZ bis zur Ankunft der ersten Alstom-Lokomotiven 2027 noch 80–100 Einheiten Rollmaterial verlieren — was die Situation praktisch in eine Sackgasse führt. Die Frage an die Verhandlungen mit Berlin: Wurde ein beschleunigter Lieferzeitplan oder ein Versicherungsmechanismus für den Fall neuer Zerstörungen erörtert — eine öffentliche Antwort gibt es bislang nicht.