In der Nacht zum 5. August entdeckte ein Mitarbeiter in der Frachtzone des Flughafens Leipzig/Halle eine Drohne mit angebrachtem Sprengstoff – buchstäblich Dutzende Meter entfernt von einem Antonov-Airlines-Flugzeug, das gerade Militärmunition aus Frankreich gebracht hatte. Der Zünder funktionierte nicht, der Sprengstoff – vermutlich PETN und Semtex – wurde durch eine kontrollierte Sprengung vernichtet. Aber das Wichtigste an dem Zwischenfall liegt nicht darin, was geschah, sondern darin, was nicht geschah: Das Drohnenerkennungssystem erfasste das Gerät überhaupt nicht.
Leipzig/Halle ist kein zufälliger Punkt auf der Karte. Dies ist einer der größten Frachthubs Europas, und genau dorthin verlegte Antonov Airlines einen Teil ihrer An-124-Flugzeuge nach der Zerstörung des Stützpunkts in Hostomel im Jahr 2022. Flugzeuge mit Militärgütern hier sind keine Seltenheit, sondern Routine. Wenn jemand ein Ziel mit maximaler Resonanz und minimalem Risiko von Zufallsopfern suchen wollte, wäre die Frachtzone nachts fast ideal geeignet.
Die Drohne, die keiner sah
Deutschlands Innenminister Alexander Dobrindt nannte den Zwischenfall ein neues Ausmaß an Bedrohung und ein mögliches hybrides Angriffszenario. Seine Worte sollten in Fakten aufgelöst werden: Nach bisherigen Erkenntnissen wurde militärische Sprengstoff verwendet, die Vorbereitung einer solchen Operation erfordert spezialisiertes technisches Wissen und Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff – das ist kein Hobby-Drohne aus dem Baumarkt.
Eine journalistische Untersuchung liefert ein Detail, das mehr Sorgen bereitet als der Sabotageversuch selbst: Das Gerät könnte speziell modifiziert worden sein, um den Drohnenabwehrschutz des Flughafens zu umgehen. Falls dies bestätigt wird, geht es nicht um Glück oder Pech, sondern um bewusste technische Vorbereitung eines Anschlags auf kritische Infrastruktur im Zentrum Europas.
Das Drohnenerkennungssystem am Flughafen erfasste die Drohne nicht – obwohl es sich um ein Gerät mit Sprengstoff in der Nähe eines Flugzeugs mit Militärgütern handelte.
Ein zweites Objekt und eine offene Frage
Nach der Entdeckung der Drohne wurden Flüge am Flughafen eingestellt. Eines der Frachtflugzeuge schaffte es nicht zu landen und stieß beim erneuten Steigen mit einem unbekannten Objekt zusammen – nach der Landung in Hannover wurden Beschädigungen am Rumpf gefunden. Ob es sich um eine zweite Drohne oder ein zufälliges Objekt handelte, hat die Polizei bislang nicht geklärt. Aber die bloße Tatsache, dass die Trümmer noch immer gesucht werden und der Zusammenhang mit dem ersten Zwischenfall weder bestätigt noch ausgeschlossen ist, lässt die Ermittlungen viel länger im Ungewissen bleiben, als die deutsche Regierung es gerne hätte.
Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeyev und einige deutsche Politiker nennen den möglichen Auftraggeber direkt – Russland. Das Ermittlungsverfahren hat keine offiziellen Beweise veröffentlicht, und das ist ein grundlegender Unterschied zwischen politischer Bewertung und kriminalistischem Schluss. Die Ermittlungen werden von einer Abteilung der Dresdener Generalstaatsanwaltschaft geleitet, die sich auf Extremismus spezialisiert hat – die Zuständigkeit selbst deutet darauf hin, in welcher Kategorie Berlin das Ereignis einstuft.
Ein Flicken auf einem System, das mit Sprengstoff getestet wurde
Die Antwort Deutschlands ist bereits sichtbar: Acht der größten Flughäfen des Landes, einschließlich Frankfurt und Berlin, rüsten sich mit neuen Drohnenabwehrsystemen aus. In Frankfurt funktioniert es bereits, der Rest wird bis Ende des Jahres aktualisiert. Leipzig steht auf dieser Liste nicht zufällig – genau dort wurde die Technologie nicht durch Trainings, sondern durch einen echten Angriffsversuch getestet.
Die Frage, die offenbleibt: Wenn die modifizierte Drohne die vorhandene Abwehr wirklich umging, wie gut sind die neuen Erkennungssysteme auf Drohnen vorbereitet, die speziell zum Umgehen der Erkennung konstruiert sind und nicht zum zufälligen Eindringen in das Radarfeld?