Interpol hat der Ukraine direkten Zugriff auf die Datenbank gestohlener Kulturgüter eröffnet — was ändert das für die Rückgabe von Exponaten?

Nun können ukrainische Strafverfolgungsbehörden selbstständig Daten über während der Besatzung abtransportierte Artefakte eintragen. Das beschleunigt die Identifizierung, erschwert den illegalen Handel und gibt den Bürgern ein Instrument zur Mithilfe.

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Was geschehen ist

Das Generalsekretariat von INTERPOL hat nach längeren Konsultationen und rechtlicher Prüfung dem Nationalen Zentralbüro in der Ukraine die Möglichkeit eingeräumt, Informationen über während der zeitweiligen Besetzung entwendete Kulturgüter direkt in die internationale Datenbank hochzuladen. Laut Angaben der Nationalpolizei und der UNN wurden bis Mitte Februar 2026 bereits Hunderte von Objekten in die Datenbank eingetragen, ein erheblicher Teil davon – aus dem Heimatkundemuseum der Oblast Cherson.

Warum das wichtig ist

Direkter Zugang bedeutet nicht nur eine formale Erklärung: Es ist ein Instrument zur operativen Dokumentation, das die rechtliche Position der Ukraine bei Rückforderungsanfragen und in Ermittlungen zum Handel mit Kulturgütern stärkt. In der Datenbank ist unter anderem die Entwendung des Gemäldes von Ivan Shulha „Das Lied der Saporoger“ verzeichnet, das im Zeitraum 20. Oktober – 10. November 2022 aus dem Museum in Cherson verschwunden ist.

Wie prüfen und helfen

„Jeder kann mit Hilfe der offiziellen mobilen Anwendung INTERPOL ID‑Art prüfen, ob ein bestimmtes Kunstwerk international zur Fahndung ausgeschrieben ist“

— Nationale Polizei der Ukraine

Die App INTERPOL ID‑Art bietet einen einfachen Mechanismus: Bürgerinnen und Bürger, Museumsmitarbeiter und internationale Sammler können Objekte mit der Datenbank abgleichen und die Strafverfolgungsbehörden bei Übereinstimmungen informieren. Dadurch wird der Rückgabeprozess weniger abhängig von langwierigen diplomatischen Verfahren und es entsteht ein zusätzlicher Kanal zur Aufdeckung von Schmuggelströmen.

Kontext und Perspektive

Dieser Schritt stärkt die internationale Koordination in Fragen der Repatriierung und Wiederherstellung des ukrainischen Kulturerbes. Vor dem Hintergrund der jüngsten Beschädigungen an Objekten des Kiewer Höhlenklosters, das unter dem Schutz der UNESCO steht, und den Angaben des Kulturministeriums über 307 beschädigte oder zerstörte Denkmäler im vergangenen Jahr, sollte die digitale Dokumentation Teil einer umfassenden Strategie sein: von der Identifizierung bis zur Rückgabe und Restaurierung.

Analytisches Fazit: Die Datenbank wird die Exponate nicht von selbst zurückbringen, erhöht aber die Chancen, sie zu entdecken und juristisch zurückzufordern, erheblich. Der nächste Schritt besteht darin, diese Einträge in konkrete Ermittlungsmaßnahmen, Klagen und internationale Zusammenarbeit zu überführen. Ob die internationale Gemeinschaft die Register schnell in Rückgaben verwandeln kann, hängt von unserer Schnelligkeit, der Qualität der gesammelten Beweise und der Bereitschaft der Partner ab, die vorhandenen Mechanismen anzuwenden.

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