Was passiert ist
Am 19. Februar 2026 erklärte die Nationalbank der Ukraine (NBU) Мотор‑Банк und den Перший інвестиційний банк (PIN банк) für zahlungsunfähig. Die offizielle Mitteilung wurde auf der Website der NBU veröffentlicht — die Entscheidung fiel nach einer längeren Überwachung der Tätigkeit beider Institute.
„Stand 1. Februar 2026 betrug ihr kumulierter Anteil am Bankensektor 0,02 % der Aktiva der zahlungsfähigen Banken, daher wird ihre Insolvenz die Stabilität des ukrainischen Finanzsystems nicht beeinträchtigen.“
— Nationalbank der Ukraine
Warum gerade jetzt
Der Grund ist formell und nachvollziehbar: Beide Banken erfüllten nicht die Anforderungen des Regulators zur Vorlage überarbeiteter Sanierungspläne. Bereits am 16. Dezember 2025 hatte die NBU sie wegen lang andauernder risikoreicher Tätigkeit und eines Verstoßes gegen die Vorschrift über die Mindesthöhe des regulatorischen Kapitals in die Kategorie der problematischen Institute eingestuft.
Zum Zeitpunkt der Entscheidung betrug das regulatorische Kapital von Мотор‑Банк 173 Mio. UAH, beim PIN Bank 73 Mio. UAH, bei einer von der NBU festgelegten Mindestanforderung von 200 Mio. UAH. Das ist ein technischer, aber entscheidender Grund — ohne ausreichendes Kapital kann eine Bank die Stabilität des Betriebs und den Schutz der Einleger nicht sicherstellen.
Eigentümer und politischer Kontext
Мотор‑Банк gehörte früher Wjatscheslaw Bohuslajew; die Vermögenswerte dieses Umfelds wurden im Rahmen des Sanktionsgesetzes 2024 beschlagnahmt. Der PIN Bank wurde 2023 verstaatlicht; zuvor gehörte er Jewhen Hiner. Daher ist die Entscheidung der NBU nicht nur als finanzielle, sondern auch als staatliche Reaktion auf Risiken im Zusammenhang mit Eigentumsverhältnissen und Sanktionshintergrund zu sehen.
Was sich für den Markt ändert
Nach der Schließung dieser beiden Institute verbleiben fünf Banken in staatlichem Eigentum: ПриватБанк, Ощадбанк, Укрексімбанк, Укргазбанк und Сенс Банк. Die Gesamtzahl der Banken in der Ukraine ist auf 58 geschrumpft.
Im Jahr 2025 stellten zudem die RVS Bank und die Bank Портал ihre Tätigkeit ein. Auf Basis der RVS wurde eine Übergangsbank — Iute Bank — gegründet, die später an die estnische Gruppe Iute Group AS verkauft wurde. Diese Ereigniskette weist auf zwei Trends hin: Marktkonsolidierung und die aktive Arbeit des Regulators, den Finanzsektor von riskanten Aktiva zu bereinigen.
Analyse und Folgen
Die Fakten zeigen, dass kein unmittelbares systemisches Risiko besteht — der Anteil der geschlossenen Banken ist verschwindend gering. Wichtiger ist die Botschaft: Die NBU verschärft die Anforderungen und zögert nicht, Eingriffsinstrumente selbst bei Instituten mit politisch sensibler Eigentumsgeschichte anzuwenden. Für Kundinnen und Kunden ist das eine Aufforderung, Fragen zur Kapitalausstattung und Transparenz der Banken zu stellen; für den Markt bedeutet es einen weiteren Impuls zur professionellen Konsolidierung.
Fazit
Die Entscheidung der NBU ist Teil einer systematischen Politik zur Bereinigung des Sektors und zur Anhebung der Standards. Sie wird die Stabilität des Systems kaum gefährden, zwingt die Akteure aber zu strengerem Vorgehen. Der nächste Schritt ist die Kontrolle der Umsetzung der neuen Anforderungen und eine weitere Konsolidierung; ob sich die regulatorische Rhetorik in dauerhafte Regeln verwandelt, hängt davon ab, ob Staat und Markt Erklärungen in konkrete Investitionen und institutionelle Veränderungen umsetzen können.