In der Nacht zum Donnerstag, 16. Juli, griff Russland die Ukraine mit einem massiven kombinierten Anschlag an: 8 ballistische Iskander-M/S-400-Raketen, 4 Marineflugkörper Ch-22/32, eine Antiradarkasierungsrakete Ch-31P, 5 Loiteringmunitionssysteme „Banderol" und 146 Angriffsdrohnen. Nach Angaben der Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine vernichtete die Flugabwehr 3 ballistische Raketen und 129 Drohnen. Fünf ballistische Raketen erreichten ihre Ziele.
Darnyzkyj und Sviatoschinskij: was und wo
Die Auswirkungen wurden in zwei Stadtbezirken der Hauptstadt dokumentiert. Im Darnyzkyj-Bezirk fielen Raketensplitter auf ein unbewohntes Gelände — später wurde ein weiterer Treffer in einem unbewohnten Gebäude bestätigt. Hier starben zwei Menschen, mehrere weitere wurden verletzt. Im Sviatoschinskij-Bezirk traf eine Rakete Lagerhallen, wo ein großes Feuer ausbrach.
Nach Aussage des Bürgermeisters Vitali Klitschko wurden insgesamt sechs Einwohner der Hauptstadt verletzt.
Darunter ein 16-jähriger Junge. Drei Verletzte wurden von Medizinern ins Krankenhaus eingeliefert.
— Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew
Die Rettungskräfte des Notfalldienstes bestätigten beide Todesfälle und Brände — in einem Verwaltungs- und Lagergebäude und in geparkten Lastkraftwagen daneben.
Drei von acht abgeschossen: Der Kontext ist wichtig
Das Ergebnis der Luftabwehr in dieser Nacht ist angesichts der vorherigen Tage mehrdeutig. Am 11. Juli konnte die ukrainische Flugabwehr keine der sechs ballistische Iskander-M-Raketen abfangen. Am 14. Juli — zerstörte fünf von acht; der Luftfahrtexperte Bogdan Dolinets verbindet dies mit dem Einsatz von PAC-3-Raketen. In der Nacht zum 16. wurden drei abgeschossen — das heißt, der Bestand an Abfangraketen wurde entweder auf eine breitere Front verteilt oder fehlte einfach.
Selenskyj — an die Verbündeten vor Ankara
Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte direkt:
Unsere Kämpfer haben gute Ergebnisse beim Abschuss von Drohnen und Marineflugkörpern gezeigt, aber leider nicht bei russischen ballistischen Raketen. Und der Grund liegt genau in unzureichenden Lieferungen von Abfangraketen. Solange Raketen für „Patriot" in den Lagern der Verbündeten bleiben, ermutigt dies Russland nur.
— Wolodymyr Selenskyj
Die Erklärung erging am Vorabend des NATO-Gipfels in Ankara — und ist eine direkte Forderung und kein diplomatischer Hinweis. Selenskyj wandte sich separat an die USA und europäische Partner mit der Aufforderung, auf dem Gipfel konkrete Entscheidungen zur Stärkung des ukrainischen Himmels zu treffen.
Sollten sich die Lieferungen von PAC-3-Raketen nach Ankara nicht beschleunigen, wird Kiew wahrscheinlich neue Anschläge mit der gleichen Arithmetik erhalten: einige abgeschossen — der Rest treffen ins Ziel.