200.000 offene Stellen und niemand da: Wie der Arbeitsmarkt des kriegführenden Ukraines die einfache Logik von Angebot und Nachfrage durcheinander brachte

Drei Viertel der ukrainischen Unternehmen können ihre offenen Stellen nicht besetzen – und das bei offiziell fast zwei Millionen Arbeitslosen. Der Staat reagiert mit einem Prognosesystem und der digitalen Plattform „Horizont", doch Wirtschaftswissenschaftler sagen: Ohne 300.000 bis 400.000 Arbeitsmigrants pro Jahr lässt sich das Problem nicht lösen.

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Олексій Соболев (Фото: пресслужба Мінекономіки)

Auf dem Forum Jobs & Skills 4 Ukraine am 4. Juni nannte Wirtschaftsminister Aleksij Sobolew eine Zahl, die das Ausmaß zeigt: 75% der ukrainischen Unternehmen können die benötigten Arbeitskräfte nicht finden. Das einheitliche Stellenportal des Staatlichen Arbeitsamtes verzeichnet gleichzeitig über 200.000 offene Positionen. Daneben gibt es offiziell fast zwei Millionen Arbeitslose. Dies ist kein statistisches Paradoxon, sondern ein struktureller Defekt des Arbeitsmarktes.

Drei Gründe, warum Menschen und Arbeitgeber sich nicht finden

Die Arbeitsmarktexpertin Valentina Hawrijuschenko nennt drei Faktoren: Die Mobilisierung, die einen großen Teil der Männer im arbeitsfähigen Alter aus dem zivilen Markt entzogen hat; externe Migration — nach dem 24. Februar 2022 verließen mindestens 6,8 Millionen Menschen das Land; und eine strukturelle Qualifikationsinkongruenz, wenn Bewerber einfach nicht das haben, was Arbeitgeber brauchen.

Die Folge — Arbeitgeber senken ihre Anforderungen, erhöhen die Gehälter und suchen aktiv nach Menschen über 50, Veteranen und Menschen mit Behinderungen. Der Fachkräftemangel ist am kritischsten im Bauwesen, Verkehr, in der Industrie und im Gesundheitswesen. Nach Schätzungen fehlen der Ukraine etwa 4,5 Millionen Arbeitskräfte.

Was der Staat anbietet

„Wir entwickeln ein System zur Prognose des Arbeitsmarktes, das die Grundlage für staatliche Finanzierung von Bildung und Schulung, Umschulungsprogrammen und Spenderinvestitionen bilden wird"

— Wirtschaftsminister Aleksij Sobolew, Jobs & Skills 4 Ukraine Forum

Parallel kündigte die stellvertretende Ministerin die Einführung des digitalen Ökosystems „Horyzont" an — eine Plattform, die es über „Dija" ermöglicht, den Status eines Arbeitslosen zu registrieren, einen Zuschuss von bis zu 15.000 Hrn für eine Umschulung zu erhalten und Stellenangebote durch KI-Matching nach Fähigkeiten auszuwählen. Die Entscheidung zur Inbetriebnahme wurde bereits im Oktober 2025 getroffen.

Das Hauptproblem beider Initiativen — sie arbeiten mit denen, die bereits im Land sind. Aber der Bewerberkreis schrumpft physisch.

Was das Prognosesystem allein nicht lösen wird

Der Ökonom Oleg Pendzyn, Mitglied des Wirtschaftsdiskussionsclubs, sagt klar: Um die Wirtschaft zu stützen, muss die Ukraine jährlich 300.000–400.000 Arbeitsmigranten anwerben. Bauwesen, Landwirtschaft und verarbeitende Industrie — Branchen mit dem kritischsten Fachkräftemangel, wo ausländische Arbeitskräfte grundlegende Positionen besetzen können. Für den Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg werden zusätzlich 4 Millionen Arbeitskräfte benötigt.

Die derzeitige Realität ist jedoch bescheiden: Im Jahr 2025 wurden in der Ukraine etwa 9.500 Arbeitsgenehmigungen für Ausländer ausgestellt oder verlängert — um ein Vielfaches weniger als erforderlich.

  • 75% der Unternehmen — Personalfehler (Daten der Europäischen Geschäftsvereinigung)
  • 200.000+ offene Stellenangebote im Portal der Arbeitsbörse
  • 4,5 Millionen — geschätztes Arbeitskräftedefizit bereits jetzt
  • 9.500 Genehmigungen für Ausländer — tatsächliches Ausmaß der Migrantengewinnung im Jahr 2025

Das System „Horyzont" und die Arbeitsmarktprognose sind Werkzeuge für eine bessere Verteilung der vorhandenen Ressourcen. Wenn das Ministerium für Wirtschaft bis Ende 2026 keine echte Strategie zur Anwerbung von Arbeitsmigranten mit klaren Quoten und Verifizierungsmechanismen vorlegt, wird die Ziffer von 75% nur wachsen — zusammen mit den Gehältern, die sich Unternehmen nicht mehr leisten können.

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