203 Millionen aus der Pipeline: Wie man in der Prykarpattja Gas direkt aus der Leitung stahl

Die Generalstaatsanwaltschaft deckt das System des illegalen Gasdiebstahls aus dem Gastransportsystem in der Karpatenregion auf. Schäden in Höhe von 203 Millionen Hrywnja. Details, die durch ihre Einfachheit schockieren.

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Фото пресслужби прокуратури

Wenn der Staat Krieg führt und die Gaspreise Millionen von Ukrainern in die Tasche greifen, hat sich im Prykarpattja jemand einfach an die Hauptgasleitung angeschlossen und Jahre lang Gas gepumpt. Die Generalstaatsanwaltschaft nannte dieses System „primitiv" — und das ist wohl die treffendste Charakterisierung dessen, was vorgefallen ist.

Was ist geschehen

Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte die Ergebnisse der Ermittlungen zur großflächigen illegalen Entnahme von Erdgas aus dem Gastransportsystem in der Region Prykarpattja. Nach Angaben der Generalstaatsanwältin belaufen sich die Gesamtschäden auf 203 Millionen Hrywnja. Die Verdächtigen in diesem Fall waren physisch in die Gasleitung eingedrungen und leiteten das Energieträger an offiziellen Zählern und Abrechnungen vorbei ab.

Die Ermittler beschlagnahmten Beweise, dokumentierten die Ausrüstung vor Ort und eröffneten ein Strafverfahren. Die konkreten Namen der Verdächtigen und ihr Status werden derzeit nicht bekannt gegeben — der Fall befindet sich in einer aktiven Ermittlungsphase.

Warum „primitiv" ein Urteil über das System ist, nicht nur über die Verbrecher

Der Begriff „primitives System" klingt nach Verharmlosung, aber in Wirklichkeit ist er das gefährlichste Signal. Primitiv bedeutet, dass keine komplexen Korruptionsketten, gefälschten Dokumente oder Offshore-Konten erforderlich sind. Es genügt physischer Zugang zum Rohr und das Fehlen einer angemessenen technischen Überwachung in diesem Bereich.

Das Gastransportsystem der Ukraine ist eines der größten Gastransportsysteme Europas. Seine Länge übersteigt 37.000 Kilometer. Es ist unmöglich, jeden Meter physisch zu kontrollieren ohne automatisierte Systeme zur Druckausgleichung und Durchsatzüberwachung. Wenn das „primitive" System lange genug funktioniert hat, um Schäden in Höhe von 203 Millionen Hrywnja anzusammeln, liegt das Problem nicht nur bei den Verbrechern.

Kontext: Gas als Ressource in Kriegszeiten

Prykarpattja ist eine Region mit eigenem Gasabbau und entwickelter Infrastruktur. Hier befinden sich Teile der unterirdischen Speicher und ein weitverzweigtes Netz von Verteilerstationen. In einer Zeit, in der Russland systematisch die Energieinfrastruktur der Ukraine angreift und Naftohaz über die Erhaltung der Transitkapazitäten verhandelt, ist ein Diebstahl aus dem Gastransportsystem nicht nur eine wirtschaftliche Straftat. Es ist ein Schlag gegen das System, das die Wärme in den Häusern und das Energiebudget des Landes ausgleicht.

203 Millionen Hrywnja — das ist ungefähr der Wert mehrerer Umspannwerke, die Ukrenerho nach Raketenangriffen wiederherstellt, oder das Monatsgehalt mehrerer Tausend Lehrer in Dörfern der Region Prykarpattja.

Was kommt danach

Die Staatsanwaltschaft kündigte die Fortsetzung der Ermittlungsmaßnahmen an. Ob die Sache zu Urteilen mit echten Strafen führt, ist eine andere Frage: Ukrainische Gerichte haben eine etablierte Praxis von Bewährungsstrafen in Fällen der Unterschlagung von Staatsressourcen, wenn die Angeklagten nicht mit organisierter Kriminalität verbunden sind oder keinen „zusätzlichen" öffentlichen Druck auslösen.

Falls die Ermittlungen feststellen, dass das System mit Wissen oder unter Beteiligung von Beamten des „Operators des Gastransportsystems der Ukraine" oder regionaler Gasversorgungsunternehmen funktionierte, wird die Sache in die Kategorie der Systemkorruption übergehen. Solange dies nicht bewiesen ist, haben wir eine Straftat ohne Namen und ein Urteil ohne Datum.

Wird die Staatsanwaltschaft den Fall bis zu einem echten Urteil bringen können, ohne dass dieser „zerfließt", wenn die Sache an das Gericht übergeben wird — besonders wenn sich unter den Verdächtigen Menschen mit administrativer Ressource herausstellen?

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