Was passiert ist
Am 21. Februar unterzeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj zwei Verordnungen Nr. 130 und Nr. 131, mit denen ein weiteres Sanktionspaket gegen Akteure eingeführt wurde, die an der Umgehung von Beschränkungen für russische Energieträgerexporte sowie an der Versorgung des russischen militärisch‑industriellen Komplexes beteiligt sind.
Wen die Sanktionen betreffen
Das erste Paket betrifft 225 Kapitäne von Schiffen, die russische Ölprodukte unter Umgehung der Sanktionen der EU und der G7 transportieren. Unter ihnen sind Staatsangehörige aus 11 Ländern (darunter Russland, Indien und die Philippinen). Die Überwachung der Schifffahrt im Schwarzen, Roten und Baltischen Meer dokumentierte ihre Beteiligung an Operationen der sogenannten „Schattenflotte“.
Das zweite Paket umfasst 46 russische Staatsbürger, zwei iranische Staatsbürger und 44 russische Unternehmen, die den militärisch‑industriellen Komplex bedienen. Zu den genannten Betrieben gehören Reparatur‑ und Produktionswerke in Engels, Kasan, Murom, Sankt‑Petersburg, Twer und anderen Städten – jene, die Ersatzteile, Ausrüstung für elektronische Kriegführung (EW), Baugruppen für Drohnen, Raketen und gepanzerte Fahrzeuge liefern.
"Wir müssen den Wunsch, mit russischem Öl zu arbeiten, im Keim ersticken – das ist eine direkte Finanzierung des Krieges."
— Wladyslaw Wlasjuk, Berater des Präsidenten für Sanktionspolitik
Warum das wichtig ist
Ziel ist nicht nur die Bestrafung einzelner Personen, sondern ein systematischer Schlag gegen die Logistik, die es Russland ermöglicht, Beschränkungen zu umgehen. Ein Schlag gegen Kapitäne und Betreiber der Flotte erhöht die Transaktions‑ und Reputationsrisiken für Eigentümer und Versicherer der Schiffe: es wird schwieriger, Besatzungen zu finden, die Transport‑ und Wartungskosten steigen, und die Teilnahme an solchen Konstruktionen verliert an Attraktivität.
Parallel zielen die Sanktionen gegen Unternehmen des militärisch‑industriellen Komplexes darauf ab, den Zugang zu Reparaturen, Komponenten und wissenschaftlich‑technischer Unterstützung zu erschweren – das dient direkt der Armee des Gegners, weshalb sich die Reaktion gegen diesen Teil der Versorgungskette richtet.
Internationaler Kontext und Abstimmung
Kiew übermittelt Informationen an Partner zur Abstimmung – ein wichtiger Bestandteil der Wirksamkeit von Sanktionen. Bereits am 12. Februar wurden Beschränkungen gegen 91 Schiffe der Schattenflotte eingeführt; Ende Januar koordinierte die RNBO bereits Maßnahmen mit der EU, indem sie Eigentümer und Betreiber von Tankern in die Listen aufnahm.
Analysten in der EU und den USA betonen: Jede nationale Initiative wirkt stärker, wenn Partner sie schnell aufgreifen und ausweiten – etwa durch zusätzliche Bank‑, Versicherungs‑ und logistische Beschränkungen.
Was sich ändern wird und was zu erwarten ist
Die Wirkung der Sanktionen baut sich schrittweise auf. Mittelfristig ist zu erwarten: erschwerte technische Wartung der Schiffe, steigende Kosten und Komplexität bei der Versicherung von Transporten, Umschreibung von Schiffen auf andere Gerichtsbarkeiten oder Versuche, Operationen zu verschleiern. Das löst das Problem nicht sofort, erhöht aber die Kosten der Fortführung solcher Systeme für das gesamte Netzwerk der Beteiligten.
Die Ukraine hat bereits angekündigt, die Listen erweitern zu wollen – die Logik ist einfach: die finanziellen und technischen Ströme schwächen, die die Aggression unterstützen. Jetzt sind die Partner am Zug – von Erklärungen zu praktischen Schritten bei der Koordinierung von Sanktionen und der Kontrolle der Logistik.
Fazit
Diese Verordnungen sind ein weiterer Baustein einer systematischen Politik, die darauf abzielt, die Umgehung von Sanktionen schwerer und teurer zu machen. Für den Bürger ist das eine Sicherheitsfrage: Jede Grenze, an der wir dem Gegner den Zugang zu Ressourcen und der Wartung von Technik erschweren, bringt das Ende seines Angriffszyklus näher. Es gilt, die Reaktion der Partner und die praktischen Beschränkungen in Häfen, bei Versicherungen und im Finanzwesen genau zu beobachten.