75% der Staatsaktiva sind Ballast. Neuer Chef der FDMU öffnete „verstopfte Schränke"

Dmitro Natalucha führte die erste Revision nach 18 Monaten ohne Leitung im Fonds durch — und erhielt ein besorgniserregendes Bild: Die meisten Objekte in der Warteschlange zur Privatisierung sind keinen Papierverschwendung wert. Doch das eigentliche Problem liegt nicht in dem Nutzlosen, sondern in dem, was übrig geblieben ist.

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Фото: Дмитро Наталуха / Facebook

Dmytro Natalukha übernahm den Vorsitz des Staatlichen Vermögensfonds am 14. Januar 2026 — als fünfter Leiter während des Vollkrieges. Er übernahm eine Struktur, die über anderthalb Jahre ohne Leitung tätig war: eine vakante Buchhaltungsabteilung, keine Audit-Hierarchie. Das Erste, das das neue Team tat, war eine Inventur durchzuführen.

Was die Prüfung zeigte

Das Ergebnis war drastisch. Von über tausend Objekten der Kleinprivatisierung hat nur ein Viertel einen echten Wert. Von 19 Objekten der Großprivatisierung charakterisiert Natalukha 53% als aussichtslos.

«Wir haben einfach alte verstopfte Schränke geöffnet und geschaut, was darin ist. Und wir sind leise erschrocken».

Dmytro Natalukha, Vorsitzender des FDSM — Facebook

Das ist keine abstrakte Zahl. Nach Angaben von Slovo i Dilo brachte die Privatisierung in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 2,9 Milliarden Hrywnja in den Haushalt — während die Planziele jahrelang systematisch nicht erfüllt wurden. Der Staat hat jahrelang versucht, das zu verkaufen, das niemand kaufen wollte — und zählte dies als Vermögenswerte.

Das Problem liegt nicht im Müll — sondern in dem, was übrig bleibt

Unter den «aussichtsreichen» Objekten der Großprivatisierung befinden sich das Odessaer Hafenwerk (OPZ), das Einkaufszentrum Ocean Plaza in Kyjiw, das Demurinski-Bergbau- und Aufbereitungskombinat und das Nikolajewer Tonerdewerk. Nach Angaben von Inventure plant das FDSM, genau diese vier Vermögenswerte in nächster Zeit zum Verkauf anzubieten.

Aber alle sind komplexe Geschäfte. Das OPZ wird nicht nur durch eine Schuld von 193 Millionen Dollar gegenüber Ostchem behindert, sondern vor allem durch Kriegsrisiken: Das Werk befindet sich in der Region Odessa in einer Zone mit Raketenangriffen. Nach Aussage von Natalukha könnten gerade «die Flagge, der Status oder der internationale Ruf» des Käufers eine echte Sicherheitsgarantie für den Vermögenswert darstellen — das heißt, der Fonds sucht faktisch nach einem strategischen Investor mit geopolitischer Absicherung.

«Verborgene Privatisierung» als Systemproblem

Nach Angaben von Forbes Ukraine identifiziert Natalukha ein weiteres Problem — tiefer als das Register unnötiger Objekte. Bei staatlichen Unternehmen, die formal nicht privatisiert wurden, gilt seit Jahren folgendes Schema: Gewinne gehen an das Management, Verluste an den Haushalt. Er nennt dies «verborgene Privatisierung durch Management».

Um diese Logik zu durchbrechen, erwägt das FDSM ein neues Modell: Staatsvermögen als einzelnes Investitionsportfolio verwalten, das Management in strategisch wichtigen Unternehmen wechseln und einige von ihnen auf IPO oder teilweisen Verkauf der Staatsanteile vorbereiten. Nach Angaben von Mind.ua könnte der Fonds bereits 2026 ein umfassendes Audit der verwalteten Vermögenswerte durchführen und die Leitung bei Schlüsselunternehmen wechseln.

Die Prüfung offenbarte das Ausmaß der Vernachlässigung. Aber die Liste der «aussichtsreichen» Objekte — OPZ, Tonerdewerk, Ocean Plaza — sind Vermögenswerte, die unter früheren Teams jahrelang nicht verkauft werden konnten, und jeder von ihnen birgt ein separates Rechts-, Schulden- oder Sicherheitsrisiko.

Wenn das FDSM bis Ende 2026 mindestens ein großes Objekt unter transparenten Bedingungen und zum Marktpreis verkauft — wird dies der erste echte Test dafür sein, ob sich die Logik des Fonds geändert hat, und nicht nur sein Leiter.

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