Als Schweden die Bereitstellung von über €182 Millionen für den Kauf von Tridon-Mk2-Systemen für die Ukraine ankündigte – im Rahmen eines umfassenderen Pakets im Wert von €1,2 Milliarden – erwies sich nicht die Summe, sondern die Philosophie als Hauptsache. Statt teurer Raketen – billige programmierbare Geschosse. Ein Schuss kostet etwa $27. „Shaheds" kosten zwischen $20.000 und $50.000.
Was ist Tridon Mk2 und warum wurde es gerade jetzt vorgestellt
Tridon Mk2 ist ein mobiles Luftverteidigungssystem mittlerer Reichweite von BAE Systems und Saab, das erstmals 2024 präsentiert wurde. Es basiert auf der 40-mm-Bofors-40-Mk4-Kanone, die mit einer Feuerrate von bis zu 300 Schuss pro Minute arbeitet und Ziele in einer Entfernung von bis zu 12 km bekämpft. Das System funktioniert rund um die Uhr und bei allen Wetterbedingungen und kann die Feuerrate auf 200 Schuss pro Minute senken, um Munition zu sparen.
Die Schlüsselmunition ist das 3P-Geschoss (Prefragmented, Programmable, Proximity-fuzed): ein programmierbares Wolframgeschoss mit Sprengladung, das in erforderlicher Entfernung vom Ziel detoniert. Genau diese Konstruktion ermöglicht die Bekämpfung von Kleindrohnen, auf die Raketensysteme wie Patriot physikalisch nicht ausgelegt sind, um effektiv abzuwehren.
Die Systeme für die Ukraine sind mit dem Saab-Giraffe-1X-Radar ausgestattet, das die Zielerkennung und -verfolgung erheblich verbessert. Das Paket umfasst auch Ersatzteile und umfangreiche Munitionsvorräte.
Dänemark tritt bei – und das ist wichtig
Der Kauf wird von der schwedischen Behörde FMV gleichzeitig im Namen zweier Länder durchgeführt: Schweden stellt über €182 Millionen bereit, Dänemark etwa €44 Millionen. Zusammen sind das €226 Millionen, was die Ausrüstung eines ganzen Luftabwehrbataillons ermöglicht. Wie Militarnyi berichtet, sollen die ersten Systeme innerhalb weniger Monate nach der offiziellen Bestellung in die Ukraine gelangen – die Systeme sind bereits in Produktion.
„Tridon Mk2 ist der einzige wirtschaftlich vertretbare Weg für die NATO, Drohnen im großen Maßstab zu bekämpfen"
The Forensic Archive, Analyse des Kosten-Leistungs-Verhältnisses von Luftverteidigungssystemen
Die Ökonomie des Abschusses: warum dies wirklich eine andere Logik ist
Das Problem der modernen Luftverteidigung ist nicht nur technisch, sondern auch arithmetisch. Eine Patriot-PAC-3-Rakete kostet etwa $4 Millionen. Mit ihr kann man einen „Shaheds" für $50.000 abschießen – und das ist eine wirtschaftliche Katastrophe für die verteidigende Seite. Tridon Mk2 dreht die Gleichung um: Selbst wenn für eine Drohne 5–30 Geschosse à $27 verschossen werden, bleiben die Gesamtabschusskosten um ein Vielfaches unter den Kosten des Ziels.
- Kosten eines 3P-Schusses: ca. $27
- Feuerrate: bis zu 300 Schuss/min
- Reichweite: bis zu 12 km
- Zusätzlich: Das System kann auch auf Bodenziele mit direkter Zielzuführung schießen
Darum bestellt Schweden Tridon Mk2 gleichzeitig auch für den Eigenbedarf – nicht nur für die Ukraine. Dies ist ein Signal: Das System gilt als geeignet für echte Kampfbedingungen, nicht nur für den Export.
Was bedeutet das für die Ukraine
Die Ukraine hat bereits das Problem der „Raketenmunitionserschöpfung" erlebt: Jede Welle von „Shaheds" zwingt zur Verschwendung teurer Abwehrraketen, die dramatisch knapp sind. Tridon Mk2 ersetzt nicht Patriot oder NASAMS – es füllt eine andere Lücke: Massenangriffe billiger Drohnen, bei denen Luftverteidigungsraketen überdimensioniert und irrational sind.
Falls das Bataillonspaket tatsächlich innerhalb weniger Monate ankommt, erhält die Ukraine ein Werkzeug, das es ermöglicht, Drohnenwellen ohne kritische Erschöpfung der Raketenvorräte standzuhalten – und genau das, nicht die technischen Eigenschaften, ist die hauptsächliche strategische Folge des Abkommens.
Die Frage ist anders: Wird es genug Munition für ein Bataillon unter den nächtlichen russischen Angriffsanschlägen geben – und sieht das Paket Langzeitverträge für die Lieferung von 3P-Geschossen vor, ohne die das System zu einer teuren Plattform ohne Munition wird?