Großbritannien bereitet nach Australien Verbot von sozialen Medien für Kinder unter 16 Jahren vor

TikTok, Instagram, YouTube, Snapchat, Facebook und X könnten für minderjährige Briten unzugänglich werden. London untersucht die australischen Erfahrungen – doch Fragen zur Umsetzung bleiben offen.

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Кір Стармер (Фото: EPA / ANDY RAIN)

Die britische Regierung erwägt ein gesetzliches Verbot sozialer Netzwerke für Kinder unter 16 Jahren. Das Verbot würde TikTok, Snapchat, YouTube, Instagram, Facebook und X umfassen. Großbritannien folgt damit dem Beispiel Australiens, das Ende 2024 ein ähnliches Gesetz verabschiedete.

Der eigentliche Konflikt liegt hier nicht zwischen „Kinderschutz" und „Internetfreiheit" – das ist eine Vereinfachung. Die Widersprüche sind tiefergehend: Der Staat möchte die Verantwortung auf die Plattformen übertragen, verfügt aber über kein zuverlässiges Altersverifikationsinstrument, das nicht gleichzeitig zur Massenerfassung biometrischer Bürgerdaten führt.

Das australische Modell, an dem sich Großbritannien orientiert, verpflichtet die Plattformen selbst zu beweisen, dass sie „angemessene Maßnahmen" zur Sperrung Minderjähriger ergriffen haben – Geldstrafen für systematische Verstöße erreichen 50 Millionen australische Dollar. Doch die ersten Monate nach Verabschiedung des Gesetzes zeigten: Jugendliche umgehen die Beschränkungen innerhalb von Minuten über VPN, während Plattformen von „Compliance" berichten.

Britische Forscher der Organisation Internet Watch Foundation stellen fest, dass Kinder in Großbritannien auf schädliche Inhalte hauptsächlich nicht über auf ihren Namen registrierte Konten, sondern über Konten ihrer Eltern oder gefälschte Profile mit höherem Alter stoßen. Ein Alterverbot beseitigt dieses Problem nicht – es verschärft es nur.

Befürworter des Gesetzes berufen sich auf Studien des Psychologen Jonathan Haidt, dessen Buch „The Anxious Generation" zum Ausgangspunkt der Diskussion wurde: Der dramatische Anstieg von Angststörungen und Depressionen bei Jugendlichen in den Jahren 2012–2015 fällt zeitlich mit der Massenverbreitung von Smartphones und algorithmischen Feeds zusammen. Aber zeitliche Übereinstimmung ist kein Kausalzusammenhang, und ein Teil der Forscher, insbesondere vom Oxford Internet Institute, bestreitet die Stärke dieses Korrelationszusammenhangs.

Die Plattformen haben bereits erklärt, dass sie einen „verantwortungsvollen Ansatz" zum Schutz von Kindern unterstützen – eine Formulierung, die vage genug ist, um zu nichts Konkretem zu verpflichten. Meta bewirbt sein eigenes Altersverifikationssystem über Elternkonten, das Kritiker eher als Marketing denn als Schutz bezeichnen.

Ein Gesetz ohne Durchsetzungsmechanismus dokumentiert die politische Position der Regierung – ändert aber nicht das Verhalten der Plattformen. Es geht nicht darum, ob es ein britisches Gesetz geben wird, sondern ob es unabhängige Audits der Plattformen mit öffentlicher Berichterstattung vorsieht – ohne dies wird es das Schicksal Dutzender europäischer Initiativen teilen, die bloß Absichtserklärungen blieben.

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