Wiederholt sich 1998: Banker Onistrat über Armut, das Verschwinden der Mittelschicht und Geld für Waffen

Der ehemalige Banker und Militär Andrij Onistrat erklärt, warum die Armutsstudie der Weltbank über die Ukraine gefährlicher ist als sie scheint, und wie der Mangel an Betriebskapital bei Waffenherstellern die Front beeinflusst.

36
Teilen:

Die vierte Folge des Podcasts „Kriegsgeld" auf dem LIGA Geschäfts-Kanal könnte wie eine weitere Analyse der Makroökonomie wirken. Aber der Gast — Militär und ehemaliger Banker Andriy Onistrat — verlagert das Gespräch sofort von abstrakten Zahlen auf eine praktische Ebene: Was bedeutet konkret das Verschwinden der Mittelschicht für jemanden, der gerade versucht, ein Geschäft zu eröffnen, einen Kredit aufzunehmen oder einfach nur Ersparnisse zu sparen.

Die Schlagzeile der Weltbank und was dahinter steckt

Die Studie der Weltbank zum Armutsgrad in der Ukraine erregte vor allem wegen ihrer Schlagzeile Aufmerksamkeit. Onistrat schlägt vor, tiefer zu schauen: Das Problem liegt nicht in der Zahl selbst, sondern in der Struktur der Verluste. Die Mittelschicht ist der Teil der Gesellschaft, der die Hauptsteuern zahlt, sich Kredite nimmt und Nachfrage nach langzyklischen Waren schafft. Wenn sich diese Gruppe zusammenzieht, verliert die Wirtschaft nicht nur Einkommen, sondern auch die Fähigkeit zur Erholung ohne externe Unterstützung.

Beschuss von Lagern — das betrifft auch die Banken

Auf den ersten Blick sind Schläge gegen Logistik und Lagerhäuser ein Thema für Produktion und Einzelhandel. Onistrat zeigt eine andere Verbindung: Beschädigte Logistik führt zu unterbrochenen Lieferungen, gestoppten Zahlungen und problematischen Krediten für Banken, die diese Lieferketten finanziert haben. Das Bankensystem spürt die Folgen von Beschuss mit einer Verzögerung von mehreren Monaten — genau dann, wenn die Statistik bereits über den konkreten Schlag schweigt.

Warum Waffenhersteller kein Geld haben, obwohl die Nachfrage rekordverdächtig ist

Der praktischste Teil des Gesprächs — über Miltech-Unternehmen. Die Nachfrage nach ihren Produkten ist kritisch, es gibt Bestellungen, aber Betriebsmittel sind knapp. Der Grund liegt in der Länge des Produktionszyklus: Geld für den Vertrag kommt Monate, nachdem das Unternehmen bereits Ressourcen für Rohstoffe, Komponenten und Gehälter ausgegeben hat. Bankenkreditvergabe schließt diese Lücke nicht immer und nicht für alle.

Onistrat erklärt, wie einige Unternehmen versuchen, diese Falle durch die Ausgabe von Anleihen zu umgehen — indem sie private Investoren direkt anzapfen, ohne Banken als Vermittler. Der Mechanismus ist für die Wirtschaft insgesamt nicht neu, aber für die Rüstungsindustrie in der Ukraine wird er gerade erst gebildet, und die Frage des Investorenvertrauens ist hier nicht weniger wichtig als die Rentabilitätsfrage.

Die Nationalbank zwischen Stabilisierung und Liberalisierung

Ein separater Gesprächsblock — über die Politik der Nationalbank, die Onistrat als „militärischen Stabilisator" bezeichnet, und die kürzliche Währungsliberalisierung. Die Frage, die offen bleibt: Kommt die Liberalisierung der Fähigkeit der Wirtschaft, sie zu ertragen, nicht zuvor, während der Krieg andauert und das Geschäft weiterhin Vermögenswerte unter Beschuss verliert.

Wenn sich der Trend mit der Schrumpfung der Mittelschicht und dem Mangel an Betriebsmitteln bei Waffenherstellern im nächsten Jahr nicht ändert, wird das Bankensystem dann dem doppelten Druck standhalten — von Kriegsverlusten und von der Rückkehr zu den Vorkriegsregeln?

  • Frühere Folgen des Podcasts „Kriegsgeld" mit Andriy Onistrat sind auf dem LIGA Geschäfts-Kanal verfügbar.

Weltnachrichten