Gasleitungs-Megaprojekt durch die Sahara: 50 Jahre Planung, 13 Milliarden Dollar und eine Militärjunta im Weg

Nigeria, Niger und Algerien haben den Bau der Transsahara-Gasleitung beschleunigt – doch zwischen nigerianischen Lagerstätten und europäischen Herden verlaufen 841 Kilometer durch ein Land, das von einer Militärjunta beherrscht wird.

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Зустріч міністрів щодо будівництва Транссахарського газопроводу в Алжирі, 3 червня 2026 року (фото - EPA)

Die Idee einer Pipelines durch die Sahara wurde erstmals in den 1970er Jahren vorgebracht. Seitdem versinkt das Projekt in Verhandlungen, technischen Studien und regionalen Krisen. Nun, in den Jahren 2025–2026, nimmt es endlich physische Gestalt an — aber mit einem geopolitischen Knoten in der Mitte der Route.

Was wird gebaut und wo

Der algerische Abschnitt der Pipeline beträgt 2300 km, der nigerianische — 1030 km; die unterstützende Infrastruktur in beiden Ländern ist zu etwa 70% fertiggestellt. Der problematischste Abschnitt — 841 km durch Niger — wurde bisher nicht begonnen. Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune gab bekannt, dass das staatliche Unternehmen Sonatrach den Bau leiten und mit der Verlegung der Pipeline durch das Territorium Nigers beginnen wird.

Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 13 Milliarden Dollar geschätzt. Die über 4000 km lange Pipeline soll jährlich bis zu 30 Milliarden Kubikmeter Gas zur algerischen Mittelmeerküste transportieren — zur weiteren Ausfuhr nach Europa über die Pipeline Transmed oder in Form von Flüssigerdgas.

Was bedeutet dies für Europa

Der Anteil Russlands bei der Einfuhr von Pipelinegas der EU sank von etwa 40% im Jahr 2021 auf etwa 6% im Jahr 2025; zusammen mit Flüssigerdgas deckt Russland etwa 12% der gesamten Gaseinfuhren der EU. Algerien liefert bereits 25–30 Milliarden Kubikmeter pro Jahr nach Italien und Spanien über bestehende Pipelines. Die zusätzlichen 30 Milliarden von TSGP stellen eine mögliche Verdoppelung des algerischen Korridors dar und könnten das Volumen ersetzen, das Russland noch behält.

Nigeria liefert bereits 8–12 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas pro Jahr nach Europa — die Pipeline könnte diesen Wert ohne Bedarf einer Tankflotte verdreifachen.

Die Junta als Transiteur

Das Hauptrisiko des Projekts ist nicht technischer Natur. Die Direktorin von Strategic Stabilisation Advisors und ehemalige Beamtin des US-Außenministeriums Anelise Bernard stellte fest, dass Sicherheitsexperten über die Instabilität in der Region besorgt sind. Analytiker weisen auf zwei Schlüsselfaktoren hin: Die Sicherheitslage in Niger und den benachbarten Gebieten stellt ein erhebliches Risiko dar, sowohl vor als auch nach dem Bau; darüber hinaus erhöht die Abhängigkeit von der noch nicht fertiggestellten nigerianischen Pipeline AKK die Unsicherheit.

Im Juli 2023 fand in Niger ein Militärputsch statt. Die diplomatische Annäherung zwischen Niger und Algerien, die durch den Besuch von General Abdurrahman Tiani in Algerien im Februar 2026 formalisiert wurde, wurde nach einer zehmonatigen „Abkühlung" möglich, die durch einen Drohnenvorfall an der Grenze verursacht worden war. Mit anderen Worten: Der Zeitplan für den Bau des Abschnitts durch Niger hängt unmittelbar von den persönlichen Beziehungen zwischen den beiden Führungspersonen ab — nicht von Institutionen.

«Wir haben uns auf den Start des Projekts zur Fertigstellung der Transsahara-Pipeline durch nigerisches Territorium geeinigt. Sonatrach wird die Leitung übernehmen und mit der Verlegung der Pipeline beginnen».

Abdelmadjid Tebboune, Präsident Algeriens — gemeinsame Pressekonferenz mit Nigers Anführer Tiani, Algier, Februar 2026

Was in offiziellen Aussagen fehlt

  • Finanzierungsquelle — 13 Milliarden Dollar. Die Vereinbarung vom Februar 2025 aktualisierte die technisch-wirtschaftliche Machbarkeitsstudie, kündigte aber keinen Investor an.
  • Inbetriebnahmetermin — offiziell «bis 2030», aber das Projekt sollte bereits 2015 fertig sein.
  • Schutzmaßnahmen für die Infrastruktur — 841 km Pipeline durch ein Gebiet mit aktiver Dschihadisten-Aktivität ohne öffentlich vereinbarten Schutzprotokoll.

Der amerikanische Analyst Jeff Kroll stellte fest, dass TSGP technisch gesehen keine ernsthaften technischen Hindernisse hat, ungeachtet der Bedenken hinsichtlich der Sicherheit in der Sahel-Region. Technische Machbarkeit und politische Stabilität sind verschiedene Dinge.

Falls Niger unter der Kontrolle einer Junta bleibt, die sich an Moskau und Peking orientiert, und falls die nächste diplomatische Krise zwischen Niamey und Algier das Projekt erneut einfriert — hat die EU dann einen echten Plan B, um diesen Gaskorridor zu füllen, oder wird die Transsahara-Pipeline erneut nur ein Versprechen auf dem Papier bleiben?

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