Als der Verwaltungsrat von BP im Oktober 2025 Alberto Manifold zum Vorsitzenden ernannte, war die Kalkulation klar: Ein Mann, der das irische Baukonglomerat CRH zehn Jahre lang durch aggressive internationale Expansion geführt hatte, sollte den aktivistischen Investor Elliott Management besänftigen und das Unternehmen von der grünen Transformation zurück zu Öl und Gas steuern. Weniger als acht Monate später, am 26. Mai, entließ der Verwaltungsrat ihn einstimmig.
Was sich dahinter verbarg
Nach Angaben der Financial Times begannen nach Manifolds Ernennung Beschwerden von Whistleblowern bei dem Verwaltungsrat einzugehen. Sie beschrieben systematisch aggressives Verhalten und Vorwürfe des unangemessenen Umgangs mit sensiblen Informationen. Der Verwaltungsrat erklärte, er sei „überrascht und enttäuscht" von dem, was er herausgefunden habe.
„Das Unternehmen dachte, es stelle einen harten Change Agent ein. Es dachte nicht, dass es jemanden eingestellt hatte, der andere einschüchtert."
Quelle Financial Times, informiert über die Situation bei BP
Dieselbe Quelle präzisierte: Das Wort „Schreier" ist eine Untertreibung. Manifold bestreitet die Formulierung des Verwaltungsrats und hat Berichten zufolge die Absicht, die Entscheidung anzufechten, und behauptet, der Grund seien strategische Differenzen und nicht sein Verhalten.
Signale gab es schon vor der Entlassung
Manifold stieß nicht in ein Vakuum des Vertrauens. Bei der Jahreshauptversammlung erhielt er die Unterstützung von nur 81,8 Prozent der Stimmen – in der britischen Unternehmenskultur gilt ein Ergebnis unter 90 Prozent als ernsthaftes Warnzeichen, unter 80 Prozent fast als formale Rüge. Er befand sich bereits damals auf wackeligem Boden. Parallel dazu versuchte er den Berichten zufolge, die Befugnisse der neuen CEO Meg O'Neill einzuschränken, die der Verwaltungsrat nach der Resignation von Murray Auchincloss im Dezember 2025 ernannt hatte.
Markt und Konsequenzen
Nach Bekanntgabe der Entlassung fielen die BP-Aktien an der Londoner Börse um 10 Prozent. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Ian Tyler ernannt. Die strategische Umkehr zu Kohlenwasserstoffen, die Manifold beschleunigen sollte, läuft formal weiter – aber jetzt ohne ihren Architekten.
Eine Frage der Auswahl, nicht nur des Verhaltens
Diese Situation stellt nicht nur Manifold persönlich in Frage. CRH unter seiner Leitung war für strikte Disziplin bekannt – insbesondere für aggressive Übernahmen auf neuen Märkten, einschließlich umstrittener Konsolidierungsversuche in der Zementindustrie in der Ukraine. Dieselben Merkmale, die im Baukonglomerat als Vorteil galten, erwiesen sich als unvereinbar mit dem kollegialen Managementmodell, das bei großen börsennotierten Energieunternehmen üblich ist.
- Manifold übernahm BP im Oktober 2025 – Nachfolger von Helge Lund.
- 81,8 Prozent Unterstützung bei der Hauptversammlung – ein beunruhigendes Signal, dem keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
- Entlassung am 26. Mai 2026 – der Verwaltungsrat handelte einstimmig.
- Aktien fielen sofort um 10 Prozent nach der Ankündigung.
- Manifold bestreitet die Vorwürfe des Mobbings und plant eine Anfechtung.
Wenn der Verwaltungsrat von BP wirklich die Unvereinbarkeit des Managementstils von Manifold mit der Unternehmenskultur nicht vorhergesehen hat – stellt sich eine praktische Frage: Wird das Unternehmen seine Verfahren zur Überprüfung von Kandidaten für höhere Positionen ändern, oder wird es sich mit dem Austausch einer Person begnügen?