Charkiw hebt Ausschreibung für Elektrobusse für 15 Millionen Euro auf: Was ist schiefgelaufen

Der internationale Ausschreibungswettbewerb für die Beschaffung von Elektrobussen für Charkiw endete ohne Gewinner. Die Stadt erhielt zwar Finanzierung von der EU-Bank, konnte aber keinen Lieferanten finden.

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Електробус Solaris Urbino 12 Electric. Фото: Вікіпедія, автор Lord Alpha

Charkiw hat eine internationale Ausschreibung zum Kauf von Elektrobussen im Wert von 15 Millionen Euro annulliert — die Mittel sollten von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) bereitgestellt werden. Der Wettbewerb endete ohne einen Gewinner.

Dies ist kein abstrakter bürokratischer Misserfolg. Hinter diesem Geld stand eine konkrete Aufgabe: den öffentlichen Nahverkehr in der zweitgrößten Stadt der Ukraine zu modernisieren, die täglich unter Beschuss lebt und dennoch versucht, die städtische Infrastruktur in Betrieb zu halten. Die Fahrer von Bussen und Trolleybussen in Charkiw fahren ihre Strecken trotz Luftalarm — und genau für sie war diese Modernisierung geplant.

Warum die Ausschreibung gescheitert ist

Die Stadtverwaltung hat die vollständigen Details zu den Gründen für die Annullierung nicht veröffentlicht. Allerdings passt die Situation in ein breiteres Muster: Internationale Hersteller von Elektrobussen gehen äußerst vorsichtig in Ausschreibungen für die Lieferung von Technik in aktive Konfliktgebiete ein. Versicherung, Logistik, Garantieservice — jeder dieser Punkte wird zum separaten Problem, wenn es um eine Stadt geht, die nur 30 Kilometer von der Frontlinie entfernt liegt.

Ein zusätzlicher Faktor sind die technischen Anforderungen und Vertragsbedingungen. Ausschreibungen der EBWE sehen strenge Standards vor: von den Eigenschaften der Fahrzeuge bis zu den Anforderungen an den Lieferanten. Den Kreis der potenziellen Teilnehmer auf Null zu beschränken unter solchen Bedingungen — ein ganz realistisches Szenario.

Das Geld ist da, die Verkehrsmittel nicht

Das Paradoxe der Situation liegt darin, dass die Finanzierung faktisch existiert — die EBWE hat Mittel als Teil ihrer Unterstützung für die ukrainische städtische Infrastruktur bereitgestellt. Aber das Vorhandensein von Geldern löst nicht das Problem, Lieferanten für Verträge mit einer Stadt in einem aktiven Kriegsgebiet zu gewinnen.

Charkiw ist nicht der erste Fall. Mehrere ukrainische Städte sind auf Schwierigkeiten beim Kauf von Verkehrsfahrzeugen durch internationale Ausschreibungsverfahren nach Beginn der Vollzeitinvasion gestoßen. Standardinstrumente aus Friedenszeiten — offener Wettbewerb, niedrigster Preis, internationaler Wettbewerb — sind schlecht an die Realitäten des Krieges angepasst.

Was kommt als nächstes

Die Stadt hat mehrere Möglichkeiten: die Ausschreibung mit geänderten Bedingungen erneut ausschreiben, versuchen, mit der EBWE einen alternativen Kaufmechanismus zu vereinbaren, oder die Mittel für andere Bedürfnisse der Verkehrsinfrastruktur umleiten. Jede dieser Optionen erfordert Zeit — die Charkiwer Verkehrsbetriebe haben wenig davon.

Der Charkiwer Elektroverkehr läuft weiterhin mit abgenutztem Material. Einige Strecken wurden gekürzt oder unterbrochen wegen Infrastrukturschäden. 15 Millionen Euro liegen ungenutzet herum — nicht aus Mangel an Bedarf, sondern weil das Verfahren unter Bedingungen nicht funktioniert, für die es nicht ausgelegt war.

Die Frage, die offen bleibt: Ist die EBWE bereit, ihre Ausschreibungsmechanismen an die Realitäten ukrainischer Städte in Konfliktgebieten anzupassen — oder wird Charkiw weiterhin Mittel erhalten, die unmöglich auszugeben sind?

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