Aprilrekord bei Gasimporten: Warum 29 Millionen Kubikmeter mehr als nur eine Zahl sind

Die Ukraine importierte im April die geringsten Gasmengen seit Dezember 2024. Hinter diesem Einbruch steckt nicht ein gesunkener Bedarf, sondern eine Preisfalle und Besorgnis vor der kommenden Heizperiode.

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Фото: EPA

Im April 2025 importierte die Ukraine nur 29 Millionen Kubikmeter Erdgas — 28-mal weniger als im März (789 Millionen Kubikmeter) und achtmal weniger als im April des Vorjahres (219 Millionen Kubikmeter). Nach Angaben der Branchenpublikation ExPro ist dies der niedrigste monatliche Importwert seit Dezember 2024.

Warum die Einkäufe gestoppt wurden

Der Grund liegt nicht in der sinkenden Nachfrage, sondern in der Preisentwicklung. Im März und teilweise im April lagen die Gaspreise in Europa höher als in der Ukraine, sodass der kommerzielle Import unrentabel wurde. Die Händler warteten einfach ab. Genau dieser Mechanismus — das „Importparität"-Prinzip — bestimmt, wann es für die Ukraine vorteilhaft ist, Gas im Ausland zu kaufen, und wann es billiger ist, die eigene Förderung zu nutzen oder Gasspeicher anzapfen.

Ein besorgniserregender Hintergrund

Der Aprilrekord fiel zusammen mit dem Moment, in dem die ukrainischen unterirdischen Gasspeicher (UGS) mit dem niedrigsten Bestand seit 11 Jahren in die Heizpause eintraten. Am 11. Mai waren dort 6,02 Milliarden Kubikmeter gelagert — das ist kritisch wenig für den Beginn der Befüllungssaison.

«Dies ist der niedrigste Wert in der gesamten Beobachtungsgeschichte» — der Bestand an aktivem Gas im UGS Ende Mai betrug nur 6,72 %.

Sergii Makogon, ehemaliger Leiter des Gasübertragungssystem-Betreibers, in einem Facebook-Kommentar

Bis zum Beginn der Heizperiode plant die Regierung, mindestens 13,2 Milliarden Kubikmeter zu lagern, davon 4,6 Milliarden durch Importe. Das heißt, genau dieser Kanal, der im April durch die Preise faktisch geschlossen wurde, soll im Sommer und Herbst den Löwenanteil der Reserve sichern.

Wo liegt der Widerspruch

Die Situation wirkt paradox: Die Ukraine beendete das Jahr 2025 mit dem höchsten Jahresimport seit fünf Jahren — 6,47 Milliarden Kubikmeter nach ExPro-Daten. Doch dieses Volumen verteilte sich ungleichmäßig — es konzentrierte sich auf Monate, als die Ukraine teurer als Europa war oder wenn der Mangel nach Beschießungen kritisch wurde. Der April zeigte die Kehrseite dieser Strategie: Die Marktlogik kann die Einkäufe genau dann stoppen, wenn die Speicher gefüllt werden müssen.

  • März 2025: 789 Millionen Kubikmeter — Importspitze, Preise in der Ukraine höher als in Europa
  • April 2025: 29 Millionen Kubikmeter — Preise in Europa übertreffen die ukrainischen
  • Mai 2025: 501 Millionen Kubikmeter — teilweise Erholung, aber Makogon nannte das Tempo unzureichend

Analytiker weisen darauf hin, dass die täglichen Befüllungsraten für einen sicheren Winter dreimal höher sein müssen als im Mai.

Falls die Preise in Europa bis August erneut das ukrainische Niveau erreichen oder überschreiten, wird der kommerzielle Import wieder stagnieren — und dann stellt sich die Frage: Wird Naftogaz die Lücke durch eigene Förderung schließen können, oder muss das Land in den Winter gehen mit einem Defizit, das keine Marktlogik ausgleichen kann?

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