Admiral Brad Cooper, Kommandant des US Central Command, teilte mit, dass amerikanische Streitkräfte eine vollständige Seeblockade iranischer Häfen in weniger als 36 Stunden errichtet haben. Nach seinen Angaben hängen etwa 90% der iranischen Wirtschaft vom internationalen Seehandel ab — und dieser gesamte Handel ist nun zum Stillstand gekommen.
Um jedoch zu verstehen, warum die Blockade gerade jetzt eingerichtet wurde, muss man nicht auf die Flotte schauen, sondern auf das diplomatische Scheitern, das ihr vorausging.
Verhandlungen zerbrachen — dann kam die Flotte
Die Blockade war eine direkte Reaktion auf das Scheitern von Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Pakistan. Nachdem diese in eine Sackgasse geraten waren, kündigte Trump am 13. April die Einführung einer Seeblockade an und erklärte, dass ihm weitere Gespräche „egal" seien. Währenddessen hielt der Iran die Straße von Hormus faktisch mit Raketen und Drohnen geschlossen, ließ aber weiterhin seine eigenen Öltanker passieren — und verdiente dabei an dem starken Anstieg der Ölpreise, der durch seine eigene Blockade verursacht wurde.
„Die USA können die iranische Wirtschaft zusammenbrechen lassen, indem sie ihre Ölausfuhren kappen. Dies könnte die Straße von Hormus viel schneller öffnen als alles andere".
Robin Brooks, Senior Fellow des Brookings Institution
Der Druckmechanismus: nicht Explosionen, sondern Hyperinflation
Der Haupteinsatz der Blockade ist nicht militärisch, sondern finanziell. Ohne Ölexporte verliert der Iran die Hartwährung, die zur Bezahlung von Importen notwendig ist. Brooks sagte in einem Substack-Beitrag ein klassisches Szenario voraus: Zusammenbruch der Währung → Abwertungsspirale → Hyperinflation. Ein indirekter Beweis dafür ist die aktuelle Situation: Nach Angaben von Reuters sind die Preise in Teheran seit Beginn des Krieges um etwa 40% gestiegen, und der iranische Rial hat auf dem Schwarzmarkt um 8% an Wert verloren.
Analytiker, darunter der pensionierte Admiral James Stavridis, ehemaliger Oberbefehlshaber der NATO, charakterisieren die Blockade als einen Mittelweg zwischen Untätigkeit und der Zerstörung der Ölinfrastruktur — die die USA nach jeder möglichen Beilegung erhalten möchten.
Wo es dünn ist, reißt es
Es gibt zwei Schwachstellen der amerikanischen Strategie. Die erste ist China: Es ist der Hauptkäufer iranischen Öls und hat nach Brooks' Logik einen Anreiz, auf Teheran Druck auszuüben, um die Lieferungen wieder aufzunehmen. Aber Peking könnte sich auch anders entscheiden — stille Unterstützung bei der Umgehung der Blockade. Die zweite ist die Straße von Hormus selbst: Amerikanische Offiziere haben sie zuvor als iranische „Vernichtungszone" beschrieben, gesättigt mit Schiffsabwehrraketen, Drohnen und Minen.
- Zwei Zerstörer haben die Straße bereits überquert, um mit der Minenräumung zu beginnen
- Eine weitere Flugzeugträgergruppe ist in der Region unterwegs
- Das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden warnte, dass jede Annäherung eines Kriegsschiffs als Verstoß gegen das Waffenstillstandsabkommen betrachtet würde
Stavridis schätzt, dass für eine vollständige Blockade zwei Flugzeugträgergruppen plus etwa ein Dutzend Zerstörer erforderlich sind — und diese sind vorhanden. Aber ob diese ausreichen, um das Blockaderegime unter der ständigen Bedrohung von Angriffen aufrechtzuerhalten, ist eine Frage, auf die die kommenden Wochen, nicht Tage, eine Antwort geben werden.
Wenn iranisches Öl in zwei Wochen nicht in chinesische Terminals gelangt, wird sich Peking vor einer Wahl wiederfinden: Entweder auf Teheran Druck ausüben, damit es sich an den Verhandlungstisch setzt, oder die Blockadeumgehung offen unterstützen — und sich dadurch direkt mit der amerikanischen Marine auseinandersetzen.