Norwegen gewährt über die EBRD Naftogaz 85 Mio. € für Gasimporte – ein Schritt zur Energiesicherheit

Ein Zuschuss in Höhe von 85 Mio. €, vereinbart nach Verhandlungen zwischen Selenskyj und dem norwegischen Ministerpräsidenten, soll einen Teil des Gasdefizits ausgleichen, das durch Schäden an der Förderinfrastruktur entstanden ist — was bedeutet das für die Vorräte und die Preise in diesem Winter?

80
Aktie:
Фото: Сергей Корецкий / Facebook

Kurz

Die Gruppe Naftogaz hat am Montag, 16. Februar, einen Zuschussvertrag mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) über 85 Millionen Euro unterzeichnet. Der Zuschuss wird von der Regierung Norwegens bereitgestellt und beruht auf den Vereinbarungen zwischen dem Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, und dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Die Mittel sollen den Einkauf zusätzlicher Mengen importierten Gases finanzieren, um die Verluste der heimischen Förderung infolge russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur teilweise auszugleichen.

«Der unterzeichnete Vertrag wird den Einkauf zusätzlicher Mengen importierten Gases ermöglichen, um die Verluste der heimischen Förderung teilweise zu kompensieren»,

— Serhiy Koretskyi, Vorstandsvorsitzender der NJSC Naftogaz Ukraine

Warum gerade jetzt

Diese Entscheidung ist kein einmaliger Solidaritätsakt, sondern Teil der operativen Energie­sicherheitsplanung. Nach massiven Angriffen auf die gasfördernde Infrastruktur in der Ukraine ist die heimische Förderung zurückgegangen, und das Auffüllen des Defizits durch Importe wurde zu einer kritischen Aufgabe für die Versorgungssicherheit und zur Stabilisierung des Marktes vor der Heizsaison.

Finanzieller Kontext: Wer bereits hilft

Seit dem Sommer 2025 hat Naftogaz Hunderte Millionen Euro von internationalen Finanzinstitutionen und Banken aufgenommen. Zu seinen Kreditgebern gehören EBRD, die Europäische Investitionsbank sowie mehrere ukrainische Banken (PrivatBank, Oschadbank, Ukrgasbank). Dieser norwegische Zuschuss ergänzt den bereits vorhandenen Finanzierungspool und verringert den Druck auf die staatlichen Reserven.

  • Im Jahr 2025 musste die Ukraine fast 6 Milliarden Kubikmeter Gas importieren.
  • Im März 2026 wird der erste Gaslieferant aus Griechenland erwartet, was eine zusätzliche Alternative zu russischen Routen bietet.

Was das für Verbraucher und Markt bedeutet

Eine sofortige Senkung der Preise auf Haushaltsrechnungen ist nicht zu erwarten: Die Wirkung des Zuschusses auf den Markt wird schrittweise eintreten und von Vertragsbedingungen, Logistik und dem Euro-Kurs abhängen. Für die Unterstützung der Vorräte und die Verringerung des Risikos von Notabschaltungen ist dies jedoch ein direkter positiver Effekt – insbesondere bei Kälteeinbrüchen oder weiteren Angriffen auf die Infrastruktur.

Risiken und nächste Schritte

Der Zuschuss löst nur einen Teil der Probleme: Es werden klare Verträge mit Lieferanten, effiziente Logistik für Lagerung und Transport sowie transparente Mechanismen zur Kontrolle der Mittelverwendung benötigt. Analysten betonen, dass internationale Hilfe ein Vertrauenssignal ist, dem aber tatsächlich umgesetzte Lieferungen und Verträge folgen müssen.

Fazit

85 Millionen Euro aus Norwegen über die EBRD sind ein praktischer Schritt zur Stärkung der Energie­resilienz der Ukraine. Der nächste entscheidende Schritt besteht darin, die Absichtserklärungen und Zuschussvereinbarungen in reale Lieferungen und verfügbare Vorräte zu verwandeln. Jetzt kommt es auf Umsetzung und Kontrolle an: Werden diese Gelder diesen Winter tatsächlich zu einem Sicherheits­puffer?

Weltnachrichten