Kiewer Paradoxon: Die meisten Fahrgäste, die wenigsten Routen

Eine Studie zeigt, dass die Region Kiew die schlechteste Versorgung mit Überlandbussen im Land hat – obwohl auf einzelnen Strecken hier deutlich mehr Menschen fahren als anderswo.

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Фото: Київська обласна військова адміністрація

Wenn Sie in Brovary, Bila Zerkwa oder Obukhiv leben und mit dem Bus direkt nach Zhytomyr oder Tschernihiv fahren möchten, ohne Kyjiw zu durchqueren, dann existiert eine solche Route wahrscheinlich gar nicht. Eine Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung und politische Beratung (IED) zeigt: Die Region Kyjiw hat die schlechtesten Busverbindungen aller Regionen der Ukraine. Nicht wegen Mangel an Fahrgästen, sondern wegen der Struktur des Netzes selbst.

Eine Route — 1,9 Millionen Fahrgäste pro Jahr

Pro 100.000 Einwohner der Region Kyjiw entfallen nur 1,7 „Routenäquivalente" — der niedrigste Wert in der Ukraine zusammen mit der Karpatenregion. Aber die Belastung jeder dieser wenigen Routen ist enorm: etwa 1,9 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Zum Vergleich: In der benachbarten Region Zhytomyr bedient eine Route durchschnittlich 229.000 Menschen — achtmal weniger.

Es entsteht eine Situation, die einem einzigen ausgetretenen Pfad durch einen Wald ähnelt, auf dem alle gehen müssen, anstatt ein Netz von Straßen zu nutzen.

Warum ist das so gekommen

Der Grund liegt nicht im Niedergang des Verkehrs, sondern in der Logik, nach der das Netz aufgebaut wurde. Die Routen in der Region Kyjiw wurden historisch radial ausgelegt — alle führen zu Kyjiw und zurück. Es gibt kaum direkte zwischenregionale Verbindungen von Siedlungen in der Region, die die Hauptstadt umgehen.

Wenn man Kyjiw aus der Analyse ausschließt, erweist sich die Region Kyjiw als die schwächste in ihrer Verbindung zum Rest des Landes unter allen Regionen.

In der Gesamtbewertung der Versorgung belegte die Region den letzten Platz mit einem Wert von 1,8 — bei einem Landesdurchschnitt von 42,4 und einem Maximum von 100.

Die Hauptstadt rettet die Statistik

Hier liegt der überraschende Knackpunkt: Wenn man Kyjiw und die Region als eine einzige Agglomeration betrachtet, ändert sich das Bild dramatisch — die Region würde bei der Versorgung den sechsten Platz von 24 einnehmen. Das bedeutet, dass das Problem nicht darin besteht, dass es nirgendwo hinzufahren gibt, sondern dass die gesamte Infrastruktur ausschließlich auf die Hauptstadt ausgerichtet ist, und ohne sie „zerfällt" die Region auf der Transportkarte.

Wer ist besser dran

Das IED unterteilte die Regionen in vier Typen:

  • Ausreichendes Netz: Regionen Dnipropetrowsk, Wolhynien, Mykolajiw, Zhytomyr, Rivne, Tscherkassy.
  • Dichtes, aber überlastetem Netz: Iwano-Frankiwsk, Ternopil, Chmelnyzkyj — viele Routen, aber die Belastung liegt über dem Durchschnitt.
  • Defizit: Kyjiw, Lwiw, Charkiw, Karpaten, Tscherniwzi, Winnyzja, Odessa — wenige Routen bei hoher Nachfrage.
  • Schwache Nachfrage: Sumy, Kirowohrad, Tschernihiv — das Netz ist dünn, aber es gibt auch nicht viele Fahrgäste.

Die Regionen Poltawa und Saporizhzhia befinden sich an der Grenze zwischen Kategorien, während Donezk, Luhansk und Cherson wegen Datenverfälschung durch die Besetzung aus dem Vergleich ausgeschlossen wurden.

Was das in der Praxis bedeutet

Für einen Bewohner eines Rayonzentrums in der Region Kyjiw bedeutet das eines: Um ein benachbartes Gebietszentrum zu erreichen, muss man meist durch Kyjiw fahren — mit Umsteigen, Zeitverlust und zusätzlichen Fahrkartkosten. Die Frage, ob es in der Region überhaupt ein paar direkte zwischenrayonale Linien ohne die Hauptstadt geben wird, oder ob das Netz weiterhin nach dem Prinzip „alle Wege führen nach Kyjiw" ausgebaut wird, bleibt offen — und genau von der Antwort darauf hängt ab, ob sich die Position der Region in der nächsten Bewertung ändern wird.

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