Pepco betritt die Ukraine während des Krieges: Warum setzt der Discounter auf einen verarmten Markt

5–10 Geschäfte im Q4 2026 – das ist ein Pilotprojekt, keine Strategie. Die Logik des Einstiegs von Pepco wirkt nur auf den ersten Blick paradox: Das Format niedriger Preise ist für einen Markt, in dem über 80% der Ausgaben für Grundbedarf bestimmt sind, geradezu organisch.

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Магазин Pepco. Фото: Depositphotos

Der polnische Discounter Pepco hat seinen Eintritt in den ukrainischen Markt offiziell bestätigt. Die ersten Geschäfte könnten bereits im letzten Quartal 2026 eröffnet werden — gleich mehrere Standorte. Hinter dieser Nachricht verbirgt sich jedoch eine nicht-triviale Logik: Das Unternehmen wählt bewusst einen Markt, in dem die Menschen ärmer geworden sind.

Wer betritt und unter welchen Bedingungen

Der offizielle exklusive Vertreter von Pepco in der Ukraine ist das Beratungsunternehmen Retail & Development Advisor (RDA). Sein technisches Team führt bereits Verhandlungen mit Unternehmern über die Ausstattung bestimmter Objekte.

«Es ist besser, erste Projekte an bewährten Standorten zu eröffnen»

— Andriy Lototskyi, CEO RDA, in einem Kommentar zu LIGA.net

Die genauen Eröffnungstermine werden noch abgestimmt — die Vereinbarungen befinden sich in der Bearbeitungsphase. Bezüglich des Einkaufszentrums Ocean Mall, das ebenfalls Ende 2026 eröffnet werden soll, war Lototskyi direkt: «Irgendwann wird es geschehen. Im Moment haben wir uns noch nicht geeinigt».

Die Entscheidung zum Markteinritt bestätigte auch der Generaldirektor der Gruppe Steven Borchert im Bericht für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2026.

«Wir unternehmen einen vorsichtigen Versuch, in bestimmte Regionen der Ukraine einzutreten — einen Markt, auf dem Pepco bereits echte Markenbekanntheit hat»

— Steven Borchert, CEO Pepco Group, Wiadomosci Handlowe

Warum ein verarmter Markt ein Argument dafür und nicht dagegen ist

Nach einer Studie von Deloitte Ukraine gaben Ukrainer 2025 nur 5% ihres monatlichen Budgets für Kleidung und Schuhe aus — halb so viel wie sie gerne möchten. Über 80% der Ausgaben entfallen auf Grundbedarf: Lebensmittel, Nebenkosten, Medizin. Genau für solch einen Markt ist das Discounter-Format — niedrige Preise für Kleidung und Haushaltswaren — organisch.

Der Wettbewerb in diesem Segment wird teilweise durch Second-Hand-Läden und Online-Marktplätze abgedeckt, die während des Krieges stark gewachsen sind. Aber ein physischer Laden mit breitem Sortiment und fester Qualität ist ein anderes Angebot.

Was Pepco im großen Maßstab bedeutet

Heute umfasst das Netz über 4000 Geschäfte in 18 Ländern — hauptsächlich in Mittel- und Osteuropa. Bis 2030 plant das Unternehmen, mindestens 600 neue Geschäfte in Westeuropa zu eröffnen und seine Präsenz dort zu verdoppeln. Die Ukraine in dieser Geografie ist ein separates Projekt, nicht Teil der gesamteuropäischen Expansion.

Parallel dominiert polnischer Einzelhandel bereits im ukrainischen Fashion-Einzelhandel. Sinsay (LPP-Gruppe) eröffnet während des Vollkriegs hunderte Geschäfte — und genau dieses Modell der schnellen Präsenz ist der Orientierungspunkt für Pepco.

Wo und wie viele

  • Anzahl: 5–10 Geschäfte bis Ende 2026
  • Zeitrahmen: Q4 2026 — erste Eröffnungen
  • Standorte: «sorgfältig ausgewählte Regionen» — spezifische Städte gibt das Unternehmen nicht bekannt
  • Format: vollwertige Geschäfte mit vollständigem Sortiment
  • Schlüsselkriterium für die Standortwahl: Sicherheit der Mitarbeiter

Das Unternehmen gibt offen an: Die Sicherheitslage ist kein Hintergrund-Risiko, sondern ein operativer Parameter, der direkt die Wahl der Städte beeinflusst.

Wenn Pepco bis Ende 2026 Geschäfte in drei oder mehr Regionen eröffnet und ein positives Betriebsergebnis zeigt — wird dies ein Signal für andere große europäische Einzelhandelsketten, die die Ukraine in die Kategorie «Beobachtung» einordnen. Wenn das Pilotprojekt auf eine Stadt beschränkt bleibt und stoppt — bestätigt es, dass selbst der vorsichtigste Markteintritt nicht vom Geschäftsmodell, sondern von der Dynamik der Frontlinie abhängt.

Weltnachrichten

Politik

Am 24. Mai telefonierte Macron erstmals seit Beginn der vollumfassenden Invasion mit Lukaschenka und warnte vor den Risiken einer Verwicklung Weißrusslands in den Krieg. Der Anruf fand nicht im luftleeren Raum statt: Minsk führt bereits seit einem Jahr parallele Verhandlungen mit Washington über die Aufhebung von Sanktionen im Austausch für die Freilassung von politischen Gefangenen.

3 Stunden vor