Wie ein Provisorium zur „Immobilie" wurde
Das Wirtschaftsgericht Kiews hat die Klage der Dezentralisierten Staatsanwaltschaft Desnianskyi erfüllt und das Unternehmen verpflichtet, das Gebäude VeloHub Muromets abzureißen und das Grundstück mit einer Fläche von 0,2 Hektar an die Territorialgemeinde der Hauptstadt zurückzugeben. Das Grundstück muss in einen gebrauchsfähigen Zustand versetzt werden – durch Demontage des Nicht-Wohngebäudes mit einer Fläche von 905,7 qm und aller anderen Konstruktionen.
Doch es geht nicht nur um den Laden selbst. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, die im Rahmen des Strafverfahrens ermittelt wurden, handelt es sich bei dem Gebäude um eine provisorische Konstruktion – und daher kann es gemäß Gesetz nicht als Immobilie registriert werden. Trotzdem wurde das Eigentumsrecht zunächst auf der Grundlage gefälschter Dokumente auf eine natürliche Person registriert und anschließend in das Kapital einer Privatgesellschaft übertragen. Nach Angaben von Glavcom unter Berufung auf die Pressestelle der Kiewer Stadtstaatsanwaltschaft wurden diese Fakten genau im Rahmen der Vorermittlungen dieses Strafverfahrens festgestellt.
„Dieses Gebäude ist eine provisorische Konstruktion und konnte daher nicht als Immobilie registriert werden"
Kiewer Stadtstaatsanwaltschaft
Land, das nicht besiedelt werden darf
Das Grundstück, auf dem VeloHub Muromets steht, gehört zur Kategorie der Naturschutz- und Wasserfonds-Grundstücke sowie zur Zone der geschützten Landschaft. Seine Bestimmung ist „zur Nutzung und Wartung von hydrotechnischen und anderen Wasserwirtschaftsanlagen sowie Kanälen". Mit anderen Worten, eine kommerzielle Bebauung ist hier unabhängig davon verboten, welche Dokumente sie stützen.
Dies ist nicht der erste und nicht ein isolierter Fall auf der Insel. Die Dezentralisierte Staatsanwaltschaft Desnianskyi führt parallel noch ein anderes Verfahren – gegen die Gesellschaft „SOK ‚Rapid'", die seit 2005 angeblich 4,56 Hektar in der Flurmark Chortoryi (Insel Murometz) für einen Sport- und Gesundheitskomplex mietet, diesen aber nie gebaut hat (Fall-Nr. 910/14122/24). Das gleiche Schema „provisorische Konstruktion → gefälschte Dokumente → Immobilie → Gesellschaftskapital" findet sich auch in einem aufsehenerregenderen Kiewer Kontext: Das NABU dokumentierte 2025 öffentlich einen ähnlichen Mechanismus im Rahmen der Operation „Saubere Stadt", wo sogar Eigentumsrechte an Gebäuden registriert wurden, die physisch nicht existierten.
Was folgt
- Das Gerichtsurteil verpflichtet das Unternehmen, das Gebäude auf eigene Kosten abzureißen und alle Konstruktionen zu demontieren.
- Das Strafverfahren wegen gefälschter Dokumente läuft – Verdächtigungen wurden bislang nicht öffentlich mitgeteilt.
- Die Insel Murometz bleibt eine Zone aktiver Rechtsstreitigkeiten: Neben dem VeloHub-Fall verklagt die Staatsanwaltschaft um die Rückgabe von mindestens weiteren 4,56 Hektar.
Falls die Berufung das Urteil bestätigt – und das Strafverfahren auf der Ermittlungsstufe „wird untersucht" stehen bleibt, wie es bereits bei anderen Fällen auf der Insel der Fall war – dann wird der Abriss nur auf dem Papier bestehen bleiben.