Am 13. Mai billigte das Kabinett einen Protokollbeschluss zur Stabilisierung des Staatsunternehmens „SkhidGZK". Hinter der technischen Formulierung verbirgt sich jedoch die reale Situation eines Unternehmens, das bis zu 40% des Uranbedarfs ukrainischer Kernkraftwerke deckt und gleichzeitig seit Jahren am Rande der Zahlungsunfähigkeit balanciert.
Vom Staatsunternehmen zur Aktiengesellschaft
Der erste Schritt ist die Korporatisierung: SkhidGZK wird in eine Aktiengesellschaft mit 100% staatlichem Eigentum umgewandelt. Das Kabinett billigte den entsprechenden Gesetzentwurf und reichte ihn an die Werchowna Rada ein.
Der zweite Schritt ist die Integration. Wie Energieminister Herman Halustschenko mitteilte, könnte die nächste Phase die Eingliederung von SkhidGZK in die NAEK „Energoatom" in Form eines vertikal integrierten Konzerns sein – von der Uranförderung bis zur Stromerzeugung in Kernkraftwerken.
«Dies ist ein strategisches Unternehmen, dessen Funktionieren für die Zukunft unserer Kernenergie notwendig ist. Seine Erhaltung, die Mobilisierung von Investitionen und die Modernisierung werden den Staat energetisch widerstandsfähig machen»
Premierminister Denys Schmyhal
Warum die Reform unter Druck stattfindet
SkhidGZK ist nicht einfach ein «strategischer Vermögenswert», den man aus Wohlstand heraus modernisieren wollte. Das Unternehmen unterliegt seit Jahren einem Moratorium für Insolvenzverfahren – einem Schutzmechanismus, der Zwangsvollstreckung von Schulden und Vermögensarrest verbietet. Die Werchowna Rada verlängerte dieses Moratorium mehrfach: zunächst bis zum 1. Januar 2025, dann bis zum 1. Januar 2026 und schließlich am 10. Februar 2026 – erneut mit 247 Stimmen dafür.
Gleichzeitig führt der neue Gesetzentwurf zur Korporatisierung selbst auch ein Moratorium für Insolvenzverfahren und Zwangsvollstreckung von Entscheidungen über Unternehmungsvermögen während der Übergangsfrist ein. Das heißt, die Umstrukturierung findet unter rechtlichem Schutz vor Gläubigern statt – nicht nach einer Sanierung, sondern an ihrer Stelle als Voraussetzung.
Was bedeutet die Eingliederung in einen Konzern mit Energoatom
Energoatom hat bereits seine eigene Korporatisierung durchlaufen – wurde Ende 2023 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Vereinigung mit SkhidGZK zu einem einzigen Kernenergie-Konzern ist aus Sicht der vertikalen Integration logisch: Die Ukraine wäre eines der wenigen Länder, in denen die gesamte Kette von der Uranförderung bis zur Stromerzeugung in Kernkraftwerken unter einheitlicher Leitung stünde.
Der praktische Vorteil liegt in der Möglichkeit von Quersubventionierung und Investitionsmobilisierung durch eine besser kapitalisierte Mutterstruktur. Das Risiko besteht darin, dass die Schulden von SkhidGZK zu einem Ballast für Energoatom werden könnten, das selbst seine Kapazitäten nach Angriffen auf die Infrastruktur wiederherstellt.
Das Ausmaß der Einsätze
SkhidGZK gehört zu den zehn größten Uranproduzenten der Welt. In einer Situation, in der die Ukraine aktiv ihre Unabhängigkeit von russischem Kernbrennstoff erhöht – auf Westinghouse-Kassetten umsteigt und die Versorgung diversifiziert – gewinnt die eigene Förderung nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine sicherheitspolitische Dimension. Die Schließung des Kombinats würde vollständige Abhängigkeit von Urankonzentratimporten bedeuten.
Falls der Gesetzentwurf zur Korporatisierung die Werchowna Rada passiert, wird die Schlüsselfrage nicht die Eigentumsform sein, sondern ein konkreter Plan zur Schuldenumstrukturierung: Ohne ihn ist ein Statuswechsel von «DP» zu «AT» nur eine juristische Operation, die die finanzielle Krise des Unternehmens nicht löst.