Volkswagen möchte 2.300 Arbeitsplätze durch die Montage von Lastkraftwagen für die "Eisenkuppel" erhalten – aber die Gewerkschaft hat noch nicht zugestimmt

Das VW-Werk in Osnabrück könnte die Herstellung von Cabriolets einstellen und damit beginnen, Fahrgestelle für das israelische Luftabwehrsystem zu produzieren. Das Haupthindernis ist weder die Moral noch Berlin, sondern der Betriebsrat.

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Фото: EPA / CLEMENS BILAN

Volkswagen und der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems nähern sich der Unterzeichnung einer Vereinbarung über ein Gemeinschaftsunternehmen. Nach Angaben von Bloomberg und WirtschaftsWoche existiert bereits ein schriftliches Dokument zwischen den Parteien – es fehlt nur noch die endgültige Genehmigung.

Zur Einordnung: Es geht nicht um Raketen. Das Werk in Osnabrück wird Laststränge, Startplattformen und Generatoren herstellen – also die mobile Infrastruktur, auf der die „Eisenkuppel" fährt und funktioniert. Die eigentlichen Abfangflugkörper und die empfindliche Elektronik bleiben in der Produktion in Israel und den USA.

Warum ausgerechnet VW und warum jetzt

Das Werk in Osnabrück ist eines der kleineren Werke des VW-Konzerns und spezialisiert sich auf Klein- und Nischenprojekte. Nach dem Scheitern von Verhandlungen über einen Verkauf des Werkes an den Konzern Rheinmetall (das Geschäft platzte im März 2026) droht dem Unternehmen die Schließung. Es geht um 2.300 Arbeitsplätze.

Gleichzeitig verfügt VW durch die Tochtergesellschaft MAN Truck & Bus, wie Euronews berichtet, bereits über Erfahrung in der militärischen Logistik: Das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall MAN Military Vehicles liefert seit Jahren Armeetransporter. Eine Umwandlung würde daher relativ geringe Investitionen erfordern – Schätzungen zufolge dauert die Umstellung zwischen 12 und 18 Monaten.

«Die Waffenproduktion durch die Volkswagen AG bleibt ausgeschlossen»

– Sprecher von VW in Antwort auf Medienanfragen

Volkswagen-Vorstandsvorsitzender Oliver Blüme unterstützt diese Logik öffentlich: Lastwagen und Kommandofahrzeuge sind keine Waffen. Genau diese Formulierung soll dem internen Widerstand entgegenwirken.

Der eigentliche Knoten

Der Betriebsrat in Deutschland ist keine Dekoration. Nach Arbeitsrecht hat er Vetorecht bei der Produktionsumstrukturierung. Defense News weist direkt darauf hin: Die Position des Betriebsrats ist eine «Schlüsselvariable» des gesamten Geschäfts. Ein erstes Kontakt Turgemans mit Arbeitnehmervertretern in Wolfsburg hat bereits stattgefunden, aber eine öffentliche Zustimmung gibt es nicht.

Gleichzeitig gibt es einen geopolitischen Kontext: Das Land Niedersachsen, aus dem Verteidigungsministerin Pistorius stammt, hält 20% der VW-Anteile. Das heißt, die Bundesregierung – über das Land – ist ein direkter Stakeholder des Geschäfts und nicht nur ein Beobachter.

Absatzmarkt – Europa, nicht nur Israel

Die „Eisenkuppel" wurde bereits an Finnland verkauft, Verhandlungen über Lieferungen laufen mit Griechenland und anderen europäischen Ländern. Die Produkte des Osnabrücker Werkes sollen nach Berichten ausschließlich für europäische Kunden bestimmt sein – was einen Teil der politischen Sensibilität in Bezug auf direkte Lieferungen in Konfliktgebiete mindert.

Wenn das Geschäft zustande kommt, wird dies einer der ersten Fälle sein, in denen ein großer ziviler Autohersteller systematisch in die Lieferkette des Rüstungskomplexes integriert wird – nicht durch Übernahme, sondern durch Umprofilierung eigener Kapazitäten. Aber ob der Betriebsrat bis Ende 2026 zustimmt, hängt davon ab, ob es VW und Rafael gelingt, die 2.300 Arbeiter davon zu überzeugen, dass die Montage von Luftabwehrplattformen moralisch und juristisch anders ist als die Waffenherstellung.

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Der japanische Autohersteller hat drei Elektromodelle buchstäblich Monate vor Produktionsbeginn gestrichen — die Fabrik in Ohio ist fertiggestellt, die Batteriefabrik ist in Betrieb, aber die Autos werden nicht produziert. Dies ist keine Strategieüberprüfung, sondern eine Anerkenntnis, dass der Verlust durch die Inbetriebnahme größer gewesen wäre als der Verlust durch die Stilllegung.

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