Warner Bros. hat das Angebot von Paramount abgelehnt: Wer kontrolliert HBO und CNN – und warum das für die Ukraine wichtig ist

Der Vorstand bezeichnete das Angebot von Skydance als „inadäquat“. Das ist nicht nur ein unternehmerischer Kampf um Vermögenswerte – es geht darum, wer die globalen Narrative gestaltet, die auch unsere Informationssicherheit beeinflussen.

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Was passiert ist

Der Vorstand von Warner Bros. Discovery hat den Aktionären erneut empfohlen, das Übernahmeangebot von Paramount Skydance abzulehnen. In einem offenen Schreiben auf der WBD-Website bezeichneten sie das Angebot als „unangemessen” und weniger attraktiv als der Deal mit Netflix.

„Eine derart aggressive Struktur der Transaktion schafft für WBD und seine Aktionäre wesentlich höhere Risiken im Vergleich zu einer traditionellen Fusionsstruktur mit Netflix.”

— Vorstand von Warner Bros. Discovery

Kurz zu Zahlen und Struktur

Paramount Skydance hat eine Marktkapitalisierung von rund 14 Mrd. US-Dollar, müsste für den Abschluss der Transaktion jedoch etwa 94,65 Mrd. US-Dollar aufnehmen — was das Angebot potenziell zur größten fremdkapitalfinanzierten Übernahme (Leveraged Buyout, LBO) in der Geschichte machen würde. Der Vorstand weist auf das „Ramsch“-Kreditrating von Paramount und einen negativen freien Cashflow hin, was die finanziellen Risiken erhöht.

Das Angebot sieht außerdem erhebliche Kosten für WBD vor — unter anderem eine mögliche Zahlung von 2,8 Mrd. US-Dollar für die Auflösung der Vereinbarung mit Netflix.

Kontext: Deal mit Netflix und der weitere Plan

Zur Erinnerung: Am 5. Dezember kündigte Netflix den Kauf von Vermögenswerten von Warner Bros. Discovery an. Der Deal, grob mit 82,7 Mrd. US-Dollar bewertet, sieht die Übertragung der Film- und Fernsehstudios von Warner Bros. sowie der Marken HBO und HBO Max an Netflix vor. Vor dem Abschluss muss WBD den Geschäftsbereich Global Networks (Kabel-TV-Kanäle, darunter CNN, TNT Sports, Discovery) in ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen – Discovery Global – ausgliedern, was für das dritte Quartal 2026 geplant ist. Sollte der Deal zustande kommen, könnte der derzeitige CEO von WBD, David Zaslav, erheblich profitieren.

Warum das für die Ukraine wichtig ist

Die Kontrolle über große Studios und Nachrichten-Netzwerke ist nicht nur eine Frage des Profits. Wer HBO, CNN und umfangreiche Film- und Serienkataloge besitzt, hat Hebel, um globale Informationsnarrative zu formen. Für die Ukraine bedeutet das zweierlei: erstens Einfluss auf die internationale Aufmerksamkeit für Themen, die für unsere Sicherheit wichtig sind; zweitens Risiken und Chancen, ukrainische Inhalte und wahre Geschichten über Krieg und Wiederaufbau zu verbreiten.

Wie es weitergeht

Die zentralen Hürden für Paramount sind die Beschaffung der Finanzierung für ein Rekord-LBO und Zweifel der Kreditgeber angesichts der aktuellen finanziellen Lage des Unternehmens. Die nächsten Schritte sind: Bewertung durch die Aktionäre, Prüfungen durch Aufsichtsbehörden und mögliche Verhandlungen über eine Änderung der Bedingungen. Kurzfristig ist das wahrscheinlichste Szenario eine Reihe rechtlicher und finanzieller Auseinandersetzungen, die den Prozess über Monate hinaus verzögern können.

Fazit

Das ist mehr als eine unternehmerische Kauf‑/Verkaufsgeschichte. Hier wird entschieden, wer große Medienassets und damit einen Teil des globalen Informationsraums kontrolliert. Für die Ukraine ist es wichtig, nicht nur die finanziellen Aspekte und Streaming‑Algorithmen zu beobachten, sondern auch, wie sich das Kräfteverhältnis in der Medienindustrie verschiebt — denn davon hängen sowohl die weltweite Aufmerksamkeit für unseren Kampf als auch die Möglichkeiten ab, Desinformation entgegenzutreten.

Nun sind die Investoren, Regulierer und Aktionäre am Zug: Ob Erklärungen in unterschriebene Verträge münden, ist eine Frage mit Auswirkungen auf die weltweite Informationslandschaft.

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