Kurz
Das Werk in Glascod (Südwales), das die Grundlage für einen erheblichen Ausbau der Produktion von 155‑mm‑Granaten im Vereinigten Königreich werden sollte, ist noch nicht in Betrieb. The Guardian berichtet, dass BAE Systems die Verzögerung bestätigte — Grund sei die Entscheidung, die Produktionskapazität zu verdoppeln.
Was passiert ist
Ursprünglich sollte das Werk im Sommer 2025 in Betrieb gehen und einen deutlichen Anstieg der Munitionsproduktion gewährleisten, unter anderem für Lieferungen an die Ukraine. BAE erklärt, dass die Anlage „konstruktiv fertiggestellt“ sei und sich derzeit in der Testphase befinde, die Erweiterung des Projekts habe jedoch den Zeitplan für den Start beeinflusst.
„Unser vollautomatisiertes Munitionswerk ist konstruktiv fertiggestellt und befindet sich nun in der Testphase. Nachdem der Bau begonnen hatte, trafen wir die strategische Entscheidung, die Produktionskapazität über das ursprüngliche Projekt hinaus zu verdoppeln, um die Produktion von 155‑mm‑Granaten auf das Sechzehnfache zu steigern, was den Zeitplan beeinflusst hat.“
— BAE Systems (Unternehmenskommentar, zitiert in The Guardian)
Warum das für die Ukraine wichtig ist
Die Ukraine benötigt verlässliche Lieferströme an Langstreckenmunition. Selbst wenn das von BAE angegebene 16‑fache Wachstum erreicht wird, weist die Zeitung darauf hin: Bei bisherigen Mengen von 3–5.000 Einheiten pro Jahr würde die Steigerung maximal etwa 80.000 Granaten pro Jahr bedeuten — bei weitem nicht vergleichbar mit den Bedürfnissen an der Front.
Kontext: Wie das im Vergleich zu Europa steht
Zum Vergleich: Der deutsche Rheinmetall eröffnete im vergangenen Jahr ein Werk, das bis 2027 etwa 1,1 Millionen Granaten produzieren soll. Solche Dimensionen zeigen, wie groß die Investitionen und wie lang die Lieferketten sind, die zur Sicherstellung einer kontinuierlichen Munitionsversorgung nötig sind.
Reaktion der Regierung und Risiken
Die britische Regierung versichert, dass die aktuelle Entwicklung der Anlage in Glascod „nicht unsere weitere Fähigkeit beeinträchtigt hat, die für die Ukraine notwendige Unterstützung zu leisten“. Gleichzeitig plant London in den kommenden Jahren sechs weitere Munitionswerke und hatte zuvor ein Netzwerk von bis zu 13 Anlagen im ganzen Land angekündigt (laut Aussagen von Verteidigungsminister John Healey und offiziellen Mitteilungen).
„Die laufende Entwicklung der Anlage in Glascod hat unsere Fähigkeit, die für die Ukraine notwendige Unterstützung im Kampf gegen die unrechtmäßige Invasion Russlands zu leisten, nicht beeinträchtigt.“
— Regierungssprecher des Vereinigten Königreichs (Kommentar, zitiert in The Guardian)
Was das in der Praxis bedeutet
Die Entscheidung, die Kapazität vorab zu verdoppeln, ist aus langfristiger Strategieperspektive logisch: Es ist besser, jetzt mehr Ressourcen einzuplanen, als sie später schnell und teuer nachzurüsten. Kurzfristig schafft dies jedoch ein „Fenster“ verringerter Zuwachsraten bei den Lieferungen, während die Nachfrage nach Granaten hoch bleibt. Fachkreise und journalistische Recherchen verweisen auf eine Lücke zwischen den Ambitionen und den tatsächlich in den kommenden Jahren lieferbaren Mengen.
Fazit
Die Bilanz ist einfach: Großbritannien setzt auf eine umfangreiche nationale Industrieantwort, doch Tempo und Volumen liegen bislang hinter der größten europäischen Initiative (Rheinmetall) zurück. Für die Ukraine bedeutet das, dass die Unterstützung aus dem Vereinigten Königreich weiterhin wichtig bleibt, aber nicht mit dem Spitzenbedarf an der Front synchronisiert ist — deshalb bleiben Diplomatie, Koordination mit Partnern und Diversifizierung der Lieferungen entscheidende Aufgaben.