550.000 Dollar für ein Haus: NABU erhebt neue Anklage gegen Ex-Vizepremierministerin Stefanischyna

Die Ermittlungen überprüfen die Korrespondenz der ehemaligen Vizepremierministerin mit einem Immobilienmakler über ein Haus für 550.000 Dollar – vor dem Hintergrund von Wohnungen, die die Familie zu Preisen gekauft hat, die halb unter dem Marktwert lagen. Das Antikorruptionsgericht entscheidet über die Höhe der Sicherungsmaßnahme.

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Die ehemalige Vizepremierministerin für europäische und euroatlantische Integration und bis zum 3. August 2026 Botschafterin der Ukraine in den USA, Olha Stefanischina, wurde einer neuen Verdächtigung unterrichtet. Das Oberste Antikorruptionsgericht entscheidet nun über die Wahl einer Sicherheitsmaßnahme. Der Staatsanwalt verlas im Gerichtssaal die Korrespondenz der ehemaligen Beamtin mit einem Immobilienmakler: Sie wollte die Dienstleistungen eines Agenten in Anspruch nehmen, um ein Haus für 550.000 Dollar zu kaufen.

Die offizielle Anklageversion von NABU und SAP wurde bislang nicht veröffentlicht. Aber die Summe von 550.000 Dollar ist nicht die erste Zahl, die im Zusammenhang mit der Immobilie von Stefanischina und ihrer Familie im letzten Jahr auftaucht.

Wohnung zum Drittel des Preises

In einer früheren Ermittlung überprüften Ermittler, wie Stefanischinas Mutter – Nadija Krawez – eine Dreiraumwohnung mit einer Fläche von 99,8 Quadratmetern in der Wohnanlage „Lwiwska Ploshtscha" kaufte. Nach dem Vertrag zahlte sie etwa 3,04 Millionen Hrywnja. Journalisten schätzten den Marktwert einer ähnlichen Wohnung in derselben Anlage auf mindestens 12 Millionen Hrywnja – also viermal teurer als die angegebene Summe.

Stefanischina erklärte diesen Unterschied damit, dass ihre Eltern bereits 2019 in den Bau investierten, als ein Quadratmeter etwa 29.000 Hrywnja kostete. Sie betonte, dass die Wohnung Eigentum ihrer Mutter ist und daher keine Grundlage bestand, sie in ihrer eigenen Erklärung anzugeben.

Genau um diese Logik – „das ist nicht mein Eigentum, es ist das Eigentum eines Verwandten" – dreht sich die Mehrheit der Ermittlungsfragen. NABU überprüfte auch zwei Wohnungen im Wohnkomplex „Faina Town" und einen Mercedes-Benz GLC 220D aus dem Jahr 2017, um festzustellen, wer tatsächlich den Kauf und die Erhaltung dieser Vermögenswerte in den Jahren 2021–2025 finanzierte.

Warum die Zahlen von Bedeutung sind

Die Erklärung eines Staatsbeamten ist keine Formalität, sondern ein Weg, um zu überprüfen, ob die Ausgaben den angegebenen Einnahmen entsprechen. Wenn der Kaufpreis zwei- bis dreimal niedriger ist als der Marktwert und ein Verwandter formal Eigentümer ist, stellt das Antikorruptionssystem eine Frage: Woher kommt das echte Geld. Die Antwort darauf sollte das Gericht geben – nicht die Presse, nicht politische Gegner, nicht die betroffene Person selbst.

Das Vorhandensein von Vermögenswerten oder Rabatten in Gerichtsdokumenten beweist an sich keine Straftat. Aber es erklärt, warum NABU jahrelang mehrere parallele Episoden rund um einen Namen entwickelt: Eigentum der Mutter, Wohnungen in „Faina Town", mögliche Vermögensübertragungen durch ARMA an verbundene Parteien und jetzt – die Absicht, ein Haus für 550.000 Dollar zu kaufen.

Parallele Verfahren

Im Juni 2025 registrierte die SAP ein separates Verfahren wegen Machtmissbrauchs mit schwerwiegenden Folgen – auf der Grundlage einer journalistischen Untersuchung über die Übertragung von ARMA-Vermögenswerten an Unternehmen, die mit Stefanischinas Umfeld und ihrem ehemaligen Ehemann Mykhajlo Stefanischyn verbunden sind. Zu diesem Zeitpunkt wurden keine Verdächtigungen unterrichtet.

Stefanischina erklärte, dass sie lange geschieden ist, nicht an den Geschäften ihres ehemaligen Ehemanns beteiligt ist und nur in Bezug auf gemeinsame Kinder mit ihm kommuniziert.

Es gibt auch einen dritten, wesentlich älteren Fall – aus der Zeit des Justizministeriums unter der Leitung von Olena Lukash – in dem es um einen möglichen Diebstahl von 2,5 Millionen Hrywnja an Haushaltsmitteln geht, die 2013–2014 für rechtsvergleichende Forschungen zur Anpassung der Gesetzgebung an EU-Normen bereitgestellt wurden. Die Verdächtigung in diesem Fall wurde Stefanischina bereits im Oktober 2019 unterrichtet, die SAP reichte die Anklage im September 2023 beim Obersten Antikorruptionsgericht ein, und der Prozess läuft bis heute.

Was kommt als nächstes

Zwei Tage vor der neuen Verdächtigung unterzeichnete Zelensky ein Dekret über die Entlassung Stefanischinas aus ihrer Position als Botschafterin in den USA – sie erklärte dies mit persönlichen Umständen. Ob die neue Verdächtigung mit einem der drei bereits eröffneten Verfahren zusammenhängt, präzisiert die Ermittlung vorerst nicht.

Die Hauptfrage der nächsten Tage ist nicht politisch, sondern finanziell: Kann die Anklageseite dem Gericht einen direkten Zusammenhang zwischen Stefanischinas Einkommen und dem Wert der betreffenden Immobilie nachweisen. Wenn ja – das würde ein Präzedenzfall dafür werden, wie das Deklarationssystem die Lücke zwischen dem offiziellen Gehalt eines Staatsbeamten und dem realen Preis seiner Vermögenswerte aufdeckt.

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