Cosmolot verlor Lizenz für P2P-Zahlungen – und erhielt am selben Tag eine gerichtliche Pause

PlayCity hat Cosmolot die Betriebsgenehmigung entzogen und Geldstrafen in Höhe von 12,9 Millionen Hrywnja verhängt, weil Spieler über ein System Spielkonten mit Überweisungen von fremden Karten aufgeladen haben. Das Gericht hat die Umsetzung der Entscheidung ausgesetzt – das Casino setzt seinen Betrieb fort, während der Fall verhandelt wird.

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Ілюстративне фото: pexels.com

Am 22. April 2026 annullierte die Glücksspielaufsichtsbehörde PlayCity die Lizenz der LLC „Spaceix", bekannt unter der Marke Cosmolot. Dies teilte die Pressestelle des Ministeriums für digitale Transformation mit. Am selben Tag setzte das Gericht die Umsetzung der Entscheidung auf Antrag des Unternehmens aus – das heißt, formal bleibt das Casino ohne Lizenz, arbeitet aber faktisch weiter.

Was genau die Aufsichtsbehörde festgestellt hat

PlayCity stellte zwei Verstöße gegen die Regeln für Finanzoperationen fest. Der erste betraf die Nutzung von P2P-Zahlungen: Statt Geldtransfers über Zahlungssysteme mit entsprechenden Daten zu akzeptieren, nahm das Casino normale Überweisungen von Karte zu Karte an. Der zweite betraf die Möglichkeit, das Spielerkonto von einer fremden Bankkarte aufzuladen, die nicht mit dem Spielerkonto verbunden ist.

Beide Praktiken sind nach ukrainischem Recht verboten. Die erste macht es unmöglich, Transaktionen im Staatlichen System für Online-Monitoring (DSOM) zu verfolgen. Die zweite ist ein klassischer Indikator für Geldwäsche: eine dritte Person überweist Geld auf ein fremdes Spielerkonto und umgeht damit die Identifikation.

„Statt transparenter Zahlungen mit Kontodaten akzeptierte das Online-Casino normale Kartentransfers und erlaubte die Aufladung von Spielerkonten mit Karten Dritter"

— Handelnder Minister für digitale Transformation Alexander Bornjakov

Für diese Verstöße verhängte PlayCity zwei separate Bußgelder:

  • 8,6 Mio. UAH – für die Nutzung von P2P-Zahlungen
  • 4,3 Mio. UAH – für die Annahme von Geldern von Karten Dritter

Zusammen – 12,9 Mio. UAH. Für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 200 Mio. Euro ist dies eine Geldbuße im Bereich der statistischen Ungenauigkeit.

Nicht der erste Fall – und nicht der letzte

Cosmolot befindet sich seit mindestens Februar 2024 in einem Rechtskonflikt mit dem Staat. Damals kündigte das Bureau of Economic Security einen Verdacht der Steuerhinterziehung in Höhe von 1,2 Mrd. UAH an und beschlagnahmte 700 Mio. UAH auf den Konten der LLC „Spaceix". Nach Angaben der Ermittler organisierte eine Gruppe von Personen illegale Spiele über mehr als 30 Spiegelseiten mit einer ähnlichen Benutzeroberfläche wie Cosmolot und nutzte „Miskodierung" von Zahlungen – eine Methode zur Verschleierung von Transaktionen, die deren Identifikation als Glücksspielzahlungen unmöglich macht.

Cosmolot wies die Vorwürfe damals zurück und behauptete, dass die Spiegelseiten Werk Dritter seien, die die Marke rechtswidrig nutzten. Im März 2024 gab das Unternehmen zusätzlich an, dass die Staatsanwaltschaft die Aufhebung der Beschlagnahme künstlich hinauszögert, um die Zahlung von vierteljährlichen Steuern in Höhe von 1 Mrd. UAH zu verhindern.

Das Shevchenko-Bezirksgericht von Kiew hob die Beschlagnahme schließlich auf, nachdem das Unternehmen nach den Materialien des Falls „den Schaden freiwillig behoben und die Steuern vollständig bezahlt hatte". Ohne Verurteilung. Ohne Beschlagnahme. Ohne öffentlichen Bericht über die tatsächliche Ausgleichssumme.

Wer hinter dem Unternehmen steht

Im Herbst 2024 teilte der amerikanische Investmentholding Nevada Gaming Holding mit, dass der Erwerb der LLC „Spaceix" abgeschlossen sei. CEO des Holdings ist der anglo-deutsche Geschäftsmann Arnulf Damerau, der bereits zuvor im Februar 2024 öffentlich „korrupte ukrainische Beamte in Sicherheitsbehörden" beschuldigte, Dutzende Millionen Euro zu erpressen. Das Unternehmen plante einen Börsengang in den USA mit einer Bewertung von über 1 Mrd. Dollar.

Vor der Übertragung an den amerikanischen Holding war Sergei Potapov als endgültiger Nutznießer der LLC „Spaceix" in den Registern eingetragen. Mehrere ukrainische Medien behaupteten, dass Potapow ein Strohhalter sei und der tatsächliche Kontrolleur der mit Russland verbundene Sergei Tokarev sei. Cosmolot bestreitet diese Versionen; überprüfte Beweise für solche Verbindungen wurden nicht öffentlich vorgelegt.

PlayCity: Ein neuer Regulator mit altem Problem

PlayCity wurde im März 2025 als Ersatz für die KRAIL gegründet – nachdem der Leiter dieser Kommission, Ivan Rudoy, im Dezember 2024 wegen des Verdachts der Unterstützung russischer Online-Casinos festgenommen wurde. Der derzeitige Leiter von PlayCity, Gennady Novikov, bekleidete zuvor die Position des stellvertretenden Leiters des Apparats dieser selben KRAIL.

Handelnder Minister Bornjakov kündigte an, dass der Markt zum DSOM – System für Transaktionsmonitoring in Echtzeit – übergeht, das alle „Schemata" automatisch erfassen wird. Ein Gesetzentwurf mit entsprechenden Änderungen zum Grundgesetz über Glücksspiele wird bis Ende 2026 zur Beratung in die Werchowna Rada erwartet.

Während das Gericht in der Cosmolot-Causa pausiert, bleibt die Frage offen: Falls das Online-Überwachungssystem wirklich in Echtzeit funktioniert – wird das Casino rechtzeitig wieder „freiwillig die Verstöße beheben" können, bevor der Regulator Beweise hat, die nicht angefochten werden können?

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