NYT behauptet, die wahre Identität von Satoshi Nakamoto zu kennen. Der Verdächtige bestreitet dies

Der Pulitzer-Preisträger Nathaniel Popper nennt den Kryptographen Adam Back als Schöpfer von Bitcoin. Back weist dies zurück — doch die Argumente des Journalisten sind schwieriger zu widerlegen, als man gerne möchte.

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Адам Бек (Фото: Alexandre Sitter, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Die Frage nach der Identität von Satoshi Nakamoto – dem anonymen Schöpfer von Bitcoin – steht nach einer Veröffentlichung in der New York Times wieder im Fokus. Der Investigativjournalist und Pulitzer-Preisträger Nathaniel Popper behauptet, dass sich hinter dem Pseudonym der britische Kryptograph Adam Beck verbirgt – einer der Pioniere der Kryptowährungsindustrie und Geschäftsführer von Blockstream.

Was genau hat Popper gefunden

Nach Poppers Aussage führte er eine mehrmonatige Untersuchung durch und verglich den Schreibstil von Nakamotos Texten mit öffentlichen Beiträgen Becks in Foren aus den 1990er und 2000er Jahren. Eine linguistische Analyse offenbarte charakteristische Übereinstimmungen in der Verwendung von Fachbegriffen, Interpunktion und der Struktur von Argumentationen. Popper weist auch auf zeitliche Übereinstimmungen hin: Die Aktivität Nakamotos im Netzwerk nahm deutlich ab, genau als Beck sich begann, sich öffentlich als einflussreiche Figur in der Bitcoin-Gemeinschaft zu positionieren.

Ein weiteres Argument ist, dass Nakamoto in seiner Korrespondenz auf Becks Arbeit – das Hashcash-System – als eine der wichtigsten vorherigen Entwicklungen verwies. Kritiker dieser Version haben lange bemerkt: Warum sollte jemand auf seine eigene frühere Arbeit in dritter Person verweisen? Popper bietet eine Antwort an: genau um die Urheberschaft zu verbergen.

Becks Reaktion

Adam Beck bestritt öffentlich seine Beteiligung an der Schaffung von Bitcoin. In einer Serie von Posts in sozialen Medien nannte er Poppers Schlussfolgerungen „spekulativ" und behauptete, dass er das Bitcoin-Whitepaper erst nach seiner Veröffentlichung im Jahr 2008 gelesen habe – wie Tausende andere Menschen in der Kryptogemeinde. Beck legte keine dokumentarischen Beweise vor, die diese Aussage widerlegen oder bestätigen würden.

Bemerkenswert ist, dass dies nicht der erste Fall ist, in dem jemand als Satoshi „nominiert" wurde. Früher standen Hal Finney, Nick Szabo und der Australier Craig Wright unter Verdacht – letzterer versuchte sogar, die Urheberschaft rechtlich festzuschreiben, was in gerichtlichen Niederlagen und Skandalen endete.

Warum dies über eine Detektivgeschichte hinaus wichtig ist

Die Frage ist nicht nur akademisch. Nach Schätzungen von Analysten befinden sich auf Geldbörsen, die Nakamoto zugeordnet werden, etwa 1 Million Bitcoin – eine Summe, die zum aktuellen Kurs 60 Milliarden Dollar übersteigt. Sollte die Identität von Satoshi festgestellt und bestätigt werden, könnte eine Bewegung dieser Mittel den Markt erheblich beeinflussen. Darüber hinaus wird das ideologische Image von Bitcoin als „herrenlos" Vermögenswert in großem Maße durch die Anonymität seines Schöpfers aufrechterhalten.

Popper behauptet nicht, unwiderlegbare Beweise zu haben. Sein Material basiert auf einer Ansammlung indirekter Indizien – und genau das macht die Situation kompliziert: Eine indirekte Version zu widerlegen ist genauso schwierig wie sie zu beweisen.

Sollte Beck tatsächlich Nakamoto sein und sich jahrelang bewusst von sich selbst abgelenkt haben – bedeutet das, dass die Person, die ein Instrument der „radikalen Transparenz" schuf, sich für absolute Intransparenz entschied. Kann eine Kryptowährung, deren Legitimität teilweise auf Vertrauen in das Protokoll beruht, die endgültige Offenlegung der Identität ihres anonymen Gründers überstehen – ohne dabei die Natur dieses Vertrauens selbst zu verändern?

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