Am 18. Mai hob die Generaldirektion der ungarischen Polizei für Ausländerangelegenheiten die Entscheidung über die Abschiebung und das dreijährige Einreiseverbot in den Schengen-Raum für alle sieben Mitarbeiter der Oschadbank auf. Die ungarische Seite ordnete auch an, die entsprechenden Einträge aus staatlichen Registern sofort zu löschen.
Was im März geschah
Am 5. März stoppten ungarische Geheimdienste in Budapest zwei gepanzerte Fahrzeuge der Oschadbank, die Bargeld und Gold von der österreichischen Raiffeisen Bank in die Ukraine transportierten — 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold. Sieben Geldtransporteure wurden festgenommen, am nächsten Tag abgeschoben und für drei Jahre mit Einreiseverbot in den Schengen-Raum belegt.
Die offiziellen Versionen Budapests änderten sich: zunächst Verdacht auf Geldwäsche, dann „möglicher Zusammenhang mit der ukrainischen Kriegsmaffia". Die ungarische Seite veröffentlichte sogar ein Video als Beweis. Die Oschadbank stellte fest: Das Video aus dem Jahr 2025 war mit ungarischen Untertiteln versehen, in denen die Worte des Geldtransporteurs „man sieht, dass ihr das macht" in „man sieht korrupte Gelder" umgewandelt wurden.
„Die vollständige Aufhebung der Entscheidungen gegen unsere Mitarbeiter bestätigt die Richtigkeit der Oschadbank. Wir haben nicht nur die Rechte unserer Menschen geschützt, sondern auch den Ruf eines staatlichen Finanzinstituts, das ausschließlich im Rahmen des internationalen Rechts handelt".
Jurij Kación, Vorstandsvorsitzender der Oschadbank
Wie die Krise gelöst wurde
Parallel fanden zwei Ereignisse statt. Die Oschadbank reichte Straf- und Zivilklagen vor ungarischen Gerichten ein. Und in Ungarn fanden Parlamentswahlen statt: Die Partei von Péter Magyars „Tisza" erhielt über 53% der Stimmen und bildete eine neue Regierung an Stelle von Orbán.
- 6. Mai — Selenskyj kündigte die vollständige Rückgabe von Bargeld und Gold auf das Territorium der Ukraine an.
- 18. Mai — Die ungarische Behörde für Verfassungsschutz zog offiziell ihre Schlussfolgerungen über eine „Bedrohung der nationalen Sicherheit" durch ukrainische Bürger zurück. Dies reichte aus, um alle Einschränkungen aufzuheben.
Ein wichtiger Punkt: Budapest wartete nicht auf den Abschluss des Gerichtsverfahrens. Die ungarische Seite zog sich selbst zurück — vor dem Urteil.
Entschädigung bleibt offen
Der Chef der Nationalbank der Ukraine Andrii Pyshnyy begrüßte die Rückgabe der Vermögenswerte, betonte aber: Die Handlungen der ungarischen Seite waren rechtswidrig, daher fordert die Ukraine Schadensersatz. Die Oschadbank selbst hat noch aktive Klagen vor ungarischen Gerichten.
Ungarn hat die Menschen, das Geld und jetzt auch die sauberen Registereinträge zurückgegeben. Aber es gibt noch keine offizielle Antwort auf die Frage, wer die Verfälschung des Videos genehmigt hat und wer die Schlussfolgerungen über die „Bedrohung der nationalen Sicherheit" unterzeichnet hat. Wenn die neue Regierung Magyars eine interne Untersuchung gegen die Handlungen der Geheimdienste aus der Zeit Orbáns einleitet, wird dies ein Test dafür sein, ob der Regierungswechsel in Ungarn einen Regelwechsel für die Ukraine bedeutet.