EU hebt Sanktionen gegen chinesische Banken auf, die Russland bei deren Umgehung halfen

Das 20. Sanktionspaket enthält nicht nur neue Beschränkungen, sondern auch stille Ausnahmen – einige chinesische Finanzinstitute wurden trotz dokumentierter Beteiligung an Umgehungsregelungen erleichtert.

109
Teilen:
Місто Хейхе (Фото: hhrcb.net)

Das zwanzigste Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland erweist sich als mehrdeutiges Dokument. Neben der Ausweitung von Beschränkungslisten – steht die Aufhebung von Einschränkungen für eine Reihe chinesischer Banken, die früher in Plänen zur Umgehung des Sanktionsregimes figurierten.

Es geht um Finanzinstitute, durch die nach Angaben von Ermittlern und westlichen Geheimdiensten Transaktionen zugunsten russischer Unternehmen und des Rüstungskomplexes abgewickelt wurden. In der Endfassung des Pakets befinden sich diese jedoch außerhalb der Sanktionslisten oder haben spezielle Ausnahmen erhalten.

Die Logik des Kompromisses

Offiziell begründet Brüssel solche Entscheidungen mit diplomatischen Überlegungen: Der Druck auf Peking sollte durch Verhandlungen erfolgen, nicht durch die Blockierung von Bankkanälen, die auch für legale Handelsströme genutzt werden. Dies ist die Standardposition der EU in der Arbeit mit China – es gilt, Schritte zu vermeiden, die Peking als „wirtschaftlichen Zwang" einstufen könnte.

Kritiker innerhalb der Europäischen Union – insbesondere Vertreter der baltischen Länder und Polens – bestehen jedoch darauf: Eine solche Logik verwandelt das Sanktionsregime in ein Instrument mit vorbekannten Schlupflöchern. Wenn ein Bankinstitut dokumentiert Regelwerke zur Umgehung von Beschränkungen bedient hat und gleichzeitig nicht auf die Listen aufgenommen wird, ist das Signal für andere potenzielle Vermittler offensichtlich.

Was über konkrete Institute bekannt ist

Unter den Banken, die Lockerungen erhalten haben oder außerhalb des Pakets blieben, befinden sich Institute, die in Berichten des amerikanischen Finanzministeriums und in Materialien der REPO Task Force als Knotenpunkte in Lieferketten sanktionierter Waren nach Russland figurierten. Die Zuordnung konkreter Transaktionen bleibt teilweise undurchsichtig, doch die Tatsache ihrer Präsenz in den entsprechenden Ermittlungen ist öffentlich bekannt.

Die Europäische Kommission hat offizielle Stellungnahmen zur Logik konkreter Ausnahmen nicht abgegeben.

Ein Präzedenzfall mit Konsequenzen

Die Sanktionsarchitektur der EU ist auf dem Prinzip der Eskalation aufgebaut: Jedes neue Paket soll die Schlupflöcher des vorherigen schließen. Wenn dasselbe Paket gleichzeitig Beschränkungen ausweitet und diese von dokumentierten Vermittlern aufhebt – das ist nicht eine technische Einzelheit, sondern ein struktureller Widerspruch.

Für die Ukraine, die systematisch eine Verschärfung des Sanktionsdrucks vorantreibt, geht es nicht um die Anzahl der Punkte auf den Listen, sondern darum, ob diese Listen reale Finanzierungskanäle der russischen Kriegsmaschinerie blockieren.

Wenn die EU dokumentarisch die Beteiligung einer Bank an der Sanktionsumgehung bestätigt, diese aber trotzdem zum Zwecke des diplomatischen Gleichgewichts mit Peking von Beschränkungen ausnimmt – auf welcher Grundlage wird das nächste Paket wirksamer sein?

Weltnachrichten