Am 24. April unterzeichnete Porsche eine Vereinbarung über den Verkauf von 45% bei Bugatti Rimac und 20,6% bei Rimac Group an ein Konsortium unter der Leitung des New Yorker Unternehmens HOF Capital. Der größte Investor im Konsortium ist BlueFive Capital – ein privates Investitionsunternehmen unter der Leitung von Hazem Ben-Hashem, dem ehemaligen Top-Manager von Investcorp. Der Abschluss der Transaktion wird bis Ende 2026 erwartet – nach Erhalt der regulatorischen Genehmigungen.
Warum jetzt
Porsche verkauft Bugatti nicht, weil die Marke an Attraktivität verliert. Das Unternehmen verkauft, weil es sich selbst in der schwersten Finanzkrise seit seinem Börsengang befindet. Nach Angaben von Euronews schloss das Unternehmen das Jahr 2025 mit Wertberichtigungen in Höhe von 3,9 Milliarden Euro ab, die den Betriebsgewinn der Automobilsparte um 98% reduzierten – von 5,3 Milliarden Euro auf 90 Millionen Euro. Früher waren es gerade Porsche und Audi, die die defizitären Marken innerhalb der Volkswagen-Gruppe subventionierten. Jetzt gibt es dieses Polster nicht mehr.
Parallel dazu streicht das Unternehmen 1.900 Vollzeitstellen zusätzlich zu 2.000 befristeten Stellen, die bereits 2024 abgebaut wurden. Die Wette auf Elektrofahrzeuge ist nicht aufgegangen: Die Verkäufe des Flaggschiffs Taycan sind um 22% eingebrochen, und der chinesische Markt, auf dem es zu Wachstum hätte kommen sollen, wurde von lokalen Herstellern erobert.
«Durch den Verkauf unseres Anteils konzentrieren wir Porsche auf das Kerngeschäft»
— Michael Leiters, CEO Porsche AG
Was Rimac erhält – und wer hinter dem neuen Geld steckt
Nach Abschluss der Transaktion erhält Mate Rimac die vollständige operative Kontrolle über Bugatti Rimac. HOF Capital – eine Venture-Firma, deren Mitbegründer ein Nachkomme der ägyptischen Milliardärsdynastie Sawiris ist – wird zum größten Aktionär der Rimac Group neben Rimac selbst. Bloomberg hatte die Transaktion zuvor auf über 1 Milliarde Euro bewertet, obwohl die finanziellen Bedingungen offiziell nicht offengelegt wurden.
Der Kontrollwechsel wirkt logisch: Rimac ist bereits das operative Zentrum von Bugatti – das kroatische Unternehmen entwickelt die technologische Plattform und verwaltet die Produktion in Molsheim. Porsche war ein strategischer Investor, aber kein operativer Player.
Was das für Supersportwagen im Wert von einer Million Euro bedeutet
Bugatti Rimac produziert jährlich einige Dutzend Fahrzeuge – den Chiron und seine Nachfolger. Dies ist kein finanziell großmaßstäbliches Geschäft, aber es ist der reinste Ausdruck dessen, wozu Automobilengineering ohne Kompromisse fähig ist. Das neue Konsortium beharrt darauf, dass es nicht plant, die DNA der Marke zu verändern.
- HOF Capital – ein New Yorker Venture mit einem Portfolio von Technologie-Startups; für sie ist Bugatti ein untypisches Asset
- BlueFive Capital – spezialisiert sich auf Premium-Assets in der Golfregion und darüber hinaus
- Rimac Group – behält das Kontrolpaket und die operative Verwaltung
Wie CNBC berichtet, fielen Porsche-Aktien am ersten Handelstag nach der Ankündigung der Transaktion um 1,6% – der Markt scheint diesen Schritt offenbar als Schwächesignal zu lesen und nicht als strategische Umgruppierung.
Wenn Porsche diese Transaktion bis Ende 2026 abschließt und gleichzeitig keinen neuen Wachstumspunkt findet – könnte der Verkauf von Bugatti der erste in einer Reihe von Ausverkäufen von Premium-Assets innerhalb der Volkswagen-Gruppe werden?